Gleissperrung
Keine Züge mehr zwischen Magdeburg und Dessau: Bis zum 22. Juni befahren nur Baumaschinen die Strecke. Bildrechte: Deutsche Bahn AG/Volker Emersleben

Bahnstrecke Magdeburg-Dessau Sieben Wochen Bus statt Bahn

Harte Wochen für Bahnreisende zwischen Magdeburg und Dessau: Wegen diverser Bauarbeiten ist die Strecke abschnittsweise ab Mittwoch bis zum 22. Juni für den Zugverkehr gesperrt. Statt Bahnen fahren Ersatzbusse – und die brauchen deutlich länger für die Strecke. Auch für Autofahrer kommt es zu Behinderungen.

Gleissperrung
Keine Züge mehr zwischen Magdeburg und Dessau: Bis zum 22. Juni befahren nur Baumaschinen die Strecke. Bildrechte: Deutsche Bahn AG/Volker Emersleben

Wegen umfangreicher Bauarbeiten müssen Bahnreisende zwischen Magdeburg und Dessau ab Mittwoch mit wochenlangen Behinderungen rechnen. Nach Angaben der Deutschen Bahn bleibt die Strecke bis zum 22. Juni für den Zugverkehr gesperrt. Statt Regionalzügen fahren Busse. Die einzelnen IC-Züge auf dieser Strecke werden umgeleitet – und halten zusätzlich in Halle und Köthen.

Bis zu 50 Minuten längere Fahrzeit pro Strecke

Für Reisende hat die Deutsche Bahn einen Ersatzfahrplan veröffentlicht. Demnach bleibt die Anzahl der täglichen Verbindungen erhalten. So fahren zwischen Magdeburg und Dessau stündlich Busse, die – wie die Regionalexpress-Züge – jedoch nicht an allen Bahnhöfen halten. Zusätzlich sind alle zwei Stunden zwischen Magdeburg und Zerbst Busse unterwegs, die – wie die Regionalbahnen – überall Halt machen. In Zerbst haben Reisende den Angaben zufolge Anschluss an die Busse von und nach Dessau. Nach Angaben der Bahn ist der Ersatzfahrplan bereits im Buchungssystem hinterlegt, kann also im Internet oder an Automaten abgerufen werden.

Die Fahrzeiten der Busse richten sich nach den Abfahr- und Ankunftszeiten der Züge in Dessau, die von der Sperrung nicht betroffen sind. Aus und in Richtung Magdeburg weichen die Zeiten jedoch zum Teil stark vom regulären Fahrplan ab. Etwa 40 Minuten länger benötigen die Busse zwischen Magdeburg und Dessau im Vergleich zur Bahn. Die Busse zwischen Magdeburg und Zerbst mit vielen Zwischenhalten benötigen etwa 50 Minuten mehr.

Neue Gleise, neue Weichen, Umbau der Bahnhöfe

Mit Aufklebern überklebte Schilder weisen auf Schienenersatzverkehr hin.
Keine Steckdosen, wenig Platz für Fahrräder und Kinderwagen – im Schienenersatzverkehr kommt es zu Einschränkungen. Bildrechte: IMAGO

Hintergrund der Sperrung sind gleich mehrere Bauarbeiten entlang der Trasse. So muss laut Bahn die zweigleisige Strecke zwischen Gommern und Güterglück sowie zwischen Trebnitz, Zerbst und Rodleben erneuert werden – insgesamt 22 Kilometer Gleise. In Biederitz, Königsborn und Gommern werden zudem 19 neue Weichen eingebaut.

Auch an einigen Bahnhöfen stehen Veränderungen an: So will die Bahn bei Lübs die Bahnsteige erneuern und ein neues Wetterschutzhaus bauen. Die Station Wahlitz soll eine neue Beleuchtung erhalten. Der ehemalige Kreuzungs- und Turmbahnhof Güterglück wird auf einen Bahnsteig reduziert. Der marode Personentunnel der Station soll verschwinden. Damit fahren ab dem 23. Juni die Regionalzüge Güterglück nur noch über den Hausbahnsteig 1 an, was den Bahnhof barrierefrei macht.

Güterglück Vom Knotenbahnhof zum Lost Place

Der Bahnhof Güterglück soll umgebaut und auf einen Bahnsteig reduziert werden. Dann ist von dem einst wichtigen Bahnknoten nicht mehr viel übrig. Eine letzte Spurensuche vorm großen Umbau.

Ein Schild weist darauf hin, dass der Durchgang verboten ist, im Hintergrund ein dreigeschossiges Bahnhofsgebäude.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Güterglück ist in die Jahre gekommen. Der dreigeschossige Bau zeugt aber noch von der einstigen Bedeutung der Station. Bildrechte: MDR/André Plaul
Ein Schild weist darauf hin, dass der Durchgang verboten ist, im Hintergrund ein dreigeschossiges Bahnhofsgebäude.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Güterglück ist in die Jahre gekommen. Der dreigeschossige Bau zeugt aber noch von der einstigen Bedeutung der Station. Bildrechte: MDR/André Plaul
Blick in einen maroden Personentunnel, an den Wänden Graffitis, auf dem Boden Dreck und Wasserflecken.
Der Personentunnel verbindet bislang den Hausbahnsteig mit dem Gleis 2 in Richtung Magdeburg. Bildrechte: MDR/André Plaul
Blick die Treppe hinab in einen Personentunnel, durch die Fenster ragen Pflanzen.
Graffiti, feuchte Wände und Unrat haben dem Tunnel aber zugesetzt. Bildrechte: MDR/André Plaul
Blick aus einem Tunnel hinaus auf ein Bahnsteigdach mit rostigen Trägern.
Regelmäßige Prüfungen belegten stets die Standsicherheit des Tunnels, auch wenn an einigen Stellen bereits der Putz abgebröckelt ist und Fliesen abgefallen sind. Weiteres Problem: Durch die Treppen an beiden Enden des Personentunnels war der Bahnhof Güterglück bis zuletzt nicht barrierefrei. Bildrechte: MDR/André Plaul
Ein Bahnsteig mit gemauertem Wartehäuschen, dessen Fenster mit Brettern vernagelt sind.
Auch der Bahnsteig 2 war bis zuletzt wenig ansehnlich. Der Unterstand wurde regelmäßig Opfer von Vandalismus. Bildrechte: MDR/André Plaul
Blasser Schriftzug „Güterglück“ unter der Dachkante eines Bahnhofsgebäudes.
Zeuge der Vergangenheit: Der Schriftzug "Güterglück" oberhalb des Lastenaufzugs zum früheren zweiten Hausbahnsteig ist längst verblasst. Bildrechte: MDR/André Plaul
Rostige Gleise, umgeben von Bäumen und Sträuchern, führen zum Horizont, im Vordergrund ein Schild, das auf Tempo 100 hinweist
In Güterglück kreuzte einst die Strecke Güsten-Berlin ("Kanonenbahn") die Trasse Magdeburg-Dessau. So gab es zwei obere und zwei untere Bahnsteige. Mittlerweile wurden diese Gleisanlagen jedoch abgebaut. Bildrechte: MDR/André Plaul
Entlang einer elektrifizierten Bahnstrecke führt eine Treppe mit rostigem Geländer eine Mauer hinauf.
2011 wurde die Brücke mit den Ost-West-Gleisen abgebaut, die Verbindung damit gekappt. Der Treppenaufgang vom Bahnsteig 2 zu den oberen Bahnsteigen 3 und 4 wurde schon lange vorher abgesperrt und sich selbst überlassen. Bildrechte: MDR/André Plaul
Blick auf einen alten holzumschalten Lastenaufzug an einem dreigeschossigen Bahnhofsgebäude.
Vom ersten Stock des Bahnhofsgebäudes führte ein Ausgang zum oberen Hausbahnsteig von Güterglück. Dort fuhren bis 2003 die Züge in Richtung Belzig und Berlin ab, vom Mittelbahnsteig in Richtung Barby und Magdeburg. Bildrechte: MDR/André Plaul
An einem Dach hängt ein blau-weißes Hinweisschild, ein Pfeil weist den Weg zu Gleis 2.
Das Hinweisschild am Personentunnel zeigt: Einst ging es vom Bahnsteig 2 noch weiter – per Treppe zu den Bahnsteigen 3 und 4. Bildrechte: MDR/André Plaul
Entlang eines gepflasterten Bahnsteigs führt eine zweigleisige elektrifizierte Bahnstrecke.
Ab Juni 2018 bleibt von Güterglück nur noch Bahnsteig 1 übrig. Im Zweistundentakt halten hier dann alle Regionalbahnen zwischen Magdeburg und Dessau.

Quelle: MDR/ap

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 02.05.2018 | 05:30 Uhr
Bildrechte: MDR/André Plaul
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Einschränkungen auch an Bahnübergängen

Auch für Autofahrer kommt es bis Juni an elf Bahnübergängen entlang der Strecke zu Behinderungen und Umleitungen. Betroffen sind die Orte Königsborn, Gommern, Prödel, Zerbst, Trebnitz und Jütrichau mit den jeweiligen Anlagen. Sperrzeiten und Umleitungsempfehlungen sollen vor Ort bekanntgegeben werden.

Quelle: MDR/ap

Mehr zum Thema:

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 02. Mai 2018 | 05:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Mai 2018, 06:43 Uhr

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7 Kommentare

02.05.2018 01:32 Jens Förster 7

Gut, kreuzen, überholen und beidseitig teils in gleiche Richtung fahren, war ja aktuell schon gemacht worden. Und mit der Erhöhung des Containerverkehrs nach Prag plus Elektrifizierung des Reststücks Horka-poln. Grenze(Polen war bis zur Grenze übrigens 2006 schon fertig), wird der Zugbetrieb noch wesentlich zunehmen. Das ist Sinn der ganzen Basteleien seit Jahren. Die Kanonenbahn stillzulegen und abzubauen 8 Jahre nach ihrem Ausbau, war Steuerverschwendung und Mega hirnrissig. Aber Umleiter und Reserveschienen verdienen nun mal kein Geld sondern kosten. Und die Bahn ist eine AG mit Nicht-Bahnern in der Konzernzentrale. Also wird immer mehr Ost/Westverkehr kommen, Alternativrouten und Flächenbahn aber weiter sterben gelassen. Standorte völlig aufgegeben. Und dann sitzen Leute eben 4 Stunden nach Fahrleitungsriss,, weil in Dessau, Rosslau, Wittenberg, Jüterbog, Bitterfeld usw. kein Betriebswerk, kein Standort, keine noch so kleine Diesellok nebst Adapter zum abschleppen mehr da ist.

02.05.2018 18:53 Wer bietet mehr? 6

Nummer 4:

Schlesien,
Niederlande,
Hamburg

Mehr nicht?
Europa ist aber klein!!

02.05.2018 17:04 kein Otto 5

@ #2: Die "Kanonenbahn" ist größtenteils bereits abgebaut. Die obere Strecke in Güterglück gibts schlicht nicht mehr. Sehen sie sich mal die Strecke bei Barby oder Lindau an, dann wissen sie, was ich meine. Auf der Strecke wurde schon in den 90ern kaum mehr als warme Luft befördert - das konnte man am Bahnübergang bei Schora an der B184 gut beobachten. Kaum zu glauben, daß dort sogar eine Zeitlang ein ICE fuhr.