Zwei Männer mit verdeckten Gesichtern sitzen neben Anwalt an Tisch.
Zwei der vier Angeklagten beim Prozessauftakt im Dezember 2018 (Archivbild). Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Urteil am Landgericht Magdeburg Frau zu Tode gequält: Hohe Haftstrafen

Im Prozess um den brutalen Tod einer Frau im Juni 2018 in Bernburg ist am Freitagmittag das Urteil gefallen. Das Gericht verhängte Haftstrafen zwischen vier und achteinhalb Jahren, erkannte allerdings keine Mordmerkmale. Der heute 17-jährige Haupttäter wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt.

Zwei Männer mit verdeckten Gesichtern sitzen neben Anwalt an Tisch.
Zwei der vier Angeklagten beim Prozessauftakt im Dezember 2018 (Archivbild). Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Es war kein Mord: Drei Männer und eine Frau, die im letzten Jahr eine 39-jährige Frau in Bernburg zu Tode gequält haben, wurden am Freitag zu Haftstrafen zwischen vier und achteinhalb Jahren verurteilt. Das Landgericht in Magdeburg sprach die vier Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung bzw. Körperverletzung mit Todesfolge schuldig. Der heute 17-jährige Haupttäter erhielt die höchste Strafe mit achteinhalb Jahren Haft, allerdings nach Jugendstrafrecht. Mordmerkmale hat das Gericht nicht feststellen können.

Ein 20-jähriger Angeklagter wurde ebenfalls nach Jugendstrafrecht verurteilt – zu vier Jahren Haft. Die anderen beiden erwachsenen Angeklagten sollen für sechs und siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis, darunter die Mutter des Haupttäters.

"Den Angeklagten konnte nicht nachgewesen werden, dass sie ihr Opfer töten wollten", so Gerichtssprecher Christian Löffler. "Sicherlich ist es so gewesen, dass alle das Opfer gequält haben. Allerdings: Ein Tötungsvorsatz konnte nicht nachgewiesen werden." Deshalb fielen die Haftstrafen nicht höher aus.

Prozess am Landgericht Magdeburg Prozessbeginn: 7. Dezember 2018

4 Angeklagte
3 Sachverständige
15 Zeugen

Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Heimtückischer Mord

Auf Opfer eingestochen und Ertrinken simuliert

Den insgesamt vier Angeklagten war vorgeworfen worden, ihre 39-jährige Bekannte im Juni 2018 zu Tode gefoltert zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte von heimtückischem Mord gesprochen, da das Opfer in einer Wohnung in Bernburg extrem gequält worden war. Wie der Gerichtssprecher vom Magdeburger Landgericht sagte, sollen die Täter das Opfer geschlagen und mit einem Messer auf die Frau eingestochen haben. Man habe ihr die Haare abrasiert und Ertrinken simuliert. Hintergrund der Attacke war ein Streit wegen 50 Euro. Die Richterin sprach von Folter, Mordlust sei ab nicht zu erkennen gewesen.

Es gab massive Gewalthandlungen des Jugendlichen gegenüber der Frau.

Polizeisprecher im Juni 2018
Verschlossene Tür zur Intensivstation des Berliner Bundeswehrkrankenhauses
Das 39 Jahre alte Opfer war an schweren Kopfverletzungen im Juni 2018 im Krankenhaus gestorben (Symbolbild). Bildrechte: IMAGO

Die Polizei hatte bereits kurz nach der Tat erklärt, dass es zum Streit zwischen dem damals 16-Jährigen Haupttäter und dem Opfer gekommen sein soll. Die Auseinandersetzung sei in "massiven Gewalthandlungen des Jugendlichen gegenüber der Frau" gegipfelt. Zu diesem Zeitpunkt galt er als einziger Verdächtiger. Der Jugendliche saß seit Juni 2018 wegen Mordverdachtes in Untersuchungshaft in der Jugendhaftanstalt Raßnitz.

Das Opfer war mit lebensbedrohlichen Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht worden und dort einen Tag später gestorben.

Alkohol im Spiel, Handyvideo vorhanden

Kurze Zeit später wurden die Mitangeklagten verhaftet. Im Prozeß belasteten sie den Haupttäter schwer. In ihrer im Dezember 2018 anwaltlich verlesenen Aussage hatten der 20- und 21-Jährige lediglich Schläge gegen das Opfer eingeräumt. Zudem habe man vor und während der Gewaltorgie zusammen viel Alkohol getrunken. Auch die mitangeklagte Mutter des 16-Jährigen belastete ihren Sohn schwer. Er selbst hatte während der Verhandlung geschwiegen, auf seinem Handy hatten die Ermittler jedoch ein Video von der Tat gefunden.

Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 12. April 2019 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. April 2019, 15:33 Uhr

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16 Kommentare

14.04.2019 19:42 Simone 16

@Silvio 14: Ich will einmal Klartext mit dir reden. Ich schreibe hier zwar nicht so häufig, lese aber durchaus viele Kommentare und dabei fallen einem ein paar Namen auf. Ja Mediator provoziert häufig, aber viele Beiträge der Rechtspopulisten hier sind auch so krude, dass man da schon deutlich werden muss. Ihm nehme ich im Gegensatz zu dir aber seine Empathie mit dem Opfer ab.

Bei dem aktuellen Artikel war für dich als Rechtspopulisten nichts zu gewinnen, war der Täter doch wie in den meisten Fällen Deutscher. Aus dem Grund hast du ein bisschen gegen den Staat gehetzt. Härtere Strafen zu fordern und den Staat als schwach anzuprangern kommt ja immer gut bei manchen Leuten. So richtig aufgedreht hast du erst als Mediator geschrieben hat und auch da ging es dir mehr darum ihn anzumachen statt etwas inhaltlich beizutragen.

Wenn du nicht wie ein Rechtspopulist rüberkommen willst, dann schreib einfach nicht wie einer. Schönen Abend noch.

14.04.2019 18:31 Mediator an Mikro (13) 15

Lieber Mikro, seien sie doch froh, dass ganz klar benannt wird, dass die Täter dieses furchtbaren Verbrechens Deutsche waren. Sie haben doch immer so furchtbare Angst vor Ausländern und somit sollte ihnen diese Klarstellung doch entgegenkommen.

Ansonsten sollten sie doch inzwischen wissen, dass ich eher der sachlich nüchterne Typ bin. Warum also sollte ich vor Wut schäumen?

Letztendlich ziehe ich aber natürlich meine Schlüsse, wenn eine Partei laut verkündet, dass man zukünftig doch auf das was unser Zusammenleben erträglich macht scheißen solle. Wer meint ohne Anstand auszukommen, der muss sich nicht wundern, wenn einige Menschen das dann auch aufgreifen. Seriöse Politiker würden so etwas wegen eines kurzen erhofften Vorteils niemals in den Raum stellen, weil die langfristigen Wirkungen doch verherrend und vor allem unkontrollierbar sind. Ein bischen mehr Anstand bei den Tätern hätte dem Opfer eventuell das Leben gerettet!

14.04.2019 18:04 der_Silvio 14

@11 Mediator; "Machen sie mich nicht dafür verantwortlich, wenn sie den Sinn meiner Aussagen bewusst entstellen."
Wo entstelle ich was?
Zitat von ihnen:
"Wenn jemand ein Kind mißbraucht ist das eine schreckliche Straftat, diese wird aber nicht dadurch besser, dass man fordert den Täter durch irgendwelche Entstellungen oder Folter im Gefängnis so richtig leiden zu lassen."
Ich fordere auch nicht das, was sie schreiben! Ich kritisiere SIE, weil sie grundsätzlich Unterschiede in der Bewertung der Straftaten machen: deutsche Täter - gaaanz schlimm und unmenschlich.
Ausländische Täter - nicht so schlimm, die wehren sich bloß.
Meiner Meinung nach ist die Strafe für die Täter in diesem Prozess zu mild.
Und ihre Begründung bezüglich der Verantworrlichkeit?
@12 Simone; Emphatie ist vorhanden, aber Mediator säht Zwietracht! Seine Äußerungen sind provokant & persönlich angreifend. Mediator selbst ist es doch, der selbst so etwas nutzt um politisch zu hetzen!