Das DRK-Betreuungszentrum in Bärenthoren, einem Ortsteil von Zerbst.
Das DRK-Betreuungszentrum für Suchtkranke in Bärenthoren soll zum Jahresende geschlossen werden. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Wegen neuer Brandschutzvorschriften Suchtzentrum bei Zerbst soll zum Jahresende schließen

Ein Betreuungszentrum für Suchtkranke im Zerbster Ortsteil Bärenthoren soll zum Jahresende schließen. Das hat wirtschaftliche Gründe: Wegen neuer Brandschutzvorschriften müsste das Haus umgebaut werden. Das wäre zu nicht zu finanzieren. Die Bewohner sollen umziehen – für viele undenkbar.

Das DRK-Betreuungszentrum in Bärenthoren, einem Ortsteil von Zerbst.
Das DRK-Betreuungszentrum für Suchtkranke in Bärenthoren soll zum Jahresende geschlossen werden. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Im Betreuungszentrum "Marie von Kalitsch" in Bärenthoren, einem Ortsteil von Zerbst, leben 51 Suchtkranke. Das Zentrum wird vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Wittenberg geführt. Bereits seit 1948 werden in dem ehemaligen Jagdschloss Hilfsbedürftige und Kranke betreut. Nun soll die Einrichtung zum Jahresende geschlossen werden. Die Bewohner von Bärenthoren werden laut DRK auf andere Einrichtungen verteilt.

Der Grund für die Schließung des Betreuungszentrums laut DRK Wittenberg: verschärfte Brandschutzverordnungen – und finanziell nicht stemmbare Umbaukosten. Das Haus braucht demnach einen zweiten Fluchtweg. Die Rettung über tragbare Feuerwehrleitern sei nicht mehr sicher genug.

Keine Fördermittel für Umbau

Das DRK Wittenberg teilte auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT dazu schriftlich mit: "Die erforderlichen Umbaukosten wurden [...] auf ca. 3,2 Mio Euro veranschlagt. Als gemeinnütziger Verband [...] sind wir nicht in der Lage eine derartige Summe eigenständig aufzubringen." Fördermittel habe man geprüft: Es gebe keine. Auch Haftungsgründe sprächen gegen einen Weiterbetrieb.

Die Sozialagentur Sachsen-Anhalt, die als landesweite Behörde Sozialhilfe koordiniert, hat sich ebenfalls mit Bärenthoren befasst. Man habe keine Finanzierungsoption gefunden. Es bleibe bei der Schließung, sagte das DRK Wittenberg in dieser Woche MDR SACHSEN-ANHALT.

Haus idealer Ort für Bewohner

Das DRK-Betreuungszentrum in Bärenthoren, einem Ortsteil von Zerbst.
Das Betreuungszentrum war das "Herzstück" von Bärenthoren, sagen Anwohner. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Bereits im Oktober haben die Bewohner von der geplanten Schließung erfahren. Rudolf Nier lebt seit mehr als 20 Jahren in Bärenthoren. Für ihn ist die aktuelle Ungewissheit schlimm: Er weiß nicht, ob er noch bis Weihnachten im Zentrum wohnen kann oder bereits morgen ausziehen muss.

Auch für die Nachbarn ist das Aus des Zentrums ein Schock. Das Haus und der umgebende Park seien ein "Herzstück" in Bärenthoren gewesen, in dem beispielsweise Feste stattgefunden hätten.

Ärzte sagen, dass das abgeschiedene Zentrum der ideale Ort für Bewohner sei, ihnen Stabilität gebe. Das große Haus liegt inmitten eines Parks, den die Heiminsassen selbst pflegen. Steffi Krug, Zahnärztin im Betreuungszentrum, erzählt, dass einer ihrer Patienten bei einer Behandlung in der vergangenen Woche geweint habe. Er soll nach Dessau umziehen, dort sei die Wohnung aber noch nicht fertig. Er kenne keinen und sei im Prinzip dort allein. Ärztin Beatrix Haake sagt, dass für einige Bewohner das Zentrum zu ihrem sozialen Umfeld geworden sei. Sie lebten zum Teil bereits seit 30 Jahren in Bärenthoren. Sie nun in andere Heime umzusetzen, sei unmenschlich, meint Haake.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 14. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2019, 13:39 Uhr

1 Kommentar

silvana vor 4 Wochen

Bei aller Wirtschaftlichkeit, aber wo bleibt da die Menschenwürde.
Hier geht es doch nicht um irgendeine Sache, sondern um eine besondere Einrichtung.
Wissen die bestimmenden Personen, überhaupt was Suchtkranke durch machen.
Es gibt nun mal Dinge die kann man nicht vom Schreibtisch oder mit einem Rechenschieber lösen.
Es wird doch ein leerstehendes Objekt geben, was genutzt werden kann.
Wie will man das den Wählern erklären?
Schlimm.

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