Männerhände öffnen einen Brief
Sie kommen unerwartet und sehen täuschend echt aus, die Inkassobriefe der Betrüger. (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox

Fragen und Antworten Abzocker verschicken Sex-Rechnungen

Betrüger sind einfallsreich: Um ans Geld fremder Leute zu kommen, denken sich Gauner immer wieder neue Maschen aus. So auch in Anhalt und Wittenberg. Dort verschickt derzeit ein angebliches Inkassobüro Hunderte Schreiben an Mobilfunkkunden. Darin werden die Empfänger beschuldigt, Sex-Angebote im Internet genutzt zu haben – und dafür nicht bezahlt zu haben. Anbei ist eine saftige Rechnung. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur neuen Betrugsmasche.

von Martin Krause, MDR SACHSEN-ANHALT

Männerhände öffnen einen Brief
Sie kommen unerwartet und sehen täuschend echt aus, die Inkassobriefe der Betrüger. (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox

Wie sehen die Briefe aus?

Die Briefe wirken sehr förmlich und professionell. Verschickt werden sie von einem angeblichen Inkasso-Unternehmen mit der Überschrift: "Letzte außergerichtliche Zahlungsaufforderung". Und so bleibt auch der Ton des Schreibens: drohend, einschüchternd, Angst einflößend. So heißt es, man hätte trotz Aufforderung nicht unverzüglich für eine Erotikdienstleistung bezahlt. Die Rede ist von drohenden Maßnahmen, negativen Konsequenzen und Zwangsvollstreckung. Letztlich werden die Adressaten aufgefordert, sofort 263 Euro zu überweisen. Die Polizei geht davon aus, dass viele Opfer das Geld aus Angst oder Scham bezahlen.

Wie soll ich mich verhalten, wenn ich einen derartigen Brief im Postfach oder auch per E-Mail bekomme?

Hier wird mittels erpresserischer Methoden versucht Geld zu erlangen, indem unterstellt wird, man hätte beispielsweise Porno-Seiten besucht. Maik Vanak, Polizeikommissar bei der Polizeidirektion Ost in Dessau, rät Bürgern, den Brief genau zu lesen und auf Fehler oder Unstimmigkeiten (etwa beim Namen oder der Adresse) zu achten. Wenn Betroffene unsicher sind, könnten sie sich auch bei der Verbraucherzentrale beraten lassen. Aber auf gar keinen Fall Geld überweisen, so Vanak. Jeder Betrugsversuch sollte zudem bei der Polizei zur Anzeige gebracht werden. Erst dann können Ermittlungen beginnen.

Ist diese Betrugsmasche nur auf die Region Anhalt und Wittenberg beschränkt, oder sind solche Schreiben auch an anderen Orten aufgetaucht?

Gehäuft werden die Schreiben derzeit nur in den Landkreisen Anhalt und Wittenberg verschickt. Aber: Solche Drohbriefe sind im ganzen Land bekannt. Antje Hoppen, Polizeihauptkommissarin von der Polizeidirektion Süd in Halle, empfiehlt Bürgern, generell misstrauisch gegenüber Geldforderungen unklarer Herkunft zu sein, damit sie nicht zum Opfer werden. Auch im Norden Sachsen-Anhalts sind diese Drohschreiben der Betrüger nicht unbekannt.

Derzeit sind es nur Einzelfälle, aber die Briefe kommen immer wieder auch in verschiedenen Varianten vor, sie werden per Post oder E-Mail verschickt, landen manchmal auch als Einwurf-Sendung im Briefkasten, sagt Polizeikommissarin Heidi Winter von der Polizeidirektion Nord. Und sicher ist niemand vor den Betrügern: Selbst die Beamten in Magdeburg haben solch dreiste Briefe schon im Posteingang gefunden.

Warum gestalten sich die Ermittlungen der Polizei so schwierig?

Die Schreiben des angeblichen Inkassobüros enthalten einen Absender und eine Kontonummer. Damit müssten die Drahtzieher schnell ausfindig zu machen sein. Aber so einfach ist es nicht, sagt Maik Vanak von der Dessauer Polizei. Die Betrüger seien ziemlich gerissen. Sie eröffneten für kurze Zeit Konten im Ausland. Dort gelten teilweise andere Gesetze. Die Ermittlungen laufen dann über das Landeskriminalamt und sind langwierig. Ermittlungsersuchen müssen gestellt werden. Ehe Ergebnisse vorliegen, seien die Konten oft schon leer geräumt und geschlossen, so Maik Vanak. Die Polizei vermutet, da seien Profis, vermutlich internationale Banden, am Werk.

Wie die Briefe aussehen

Die Schreiben sehen so oder so ähnlich aus:

Eingescannter Brief eines angeblichen Inkassobüros
So oder so ähnlich sehen die angeblichen Inkassobriefe aus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – das Radio wie wir | 07. November 2018 | 10:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. November 2018, 15:26 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

3 Kommentare

08.11.2018 12:35 mattotaupa 3

@#2: im beispiel ist es auch ne tschechische bankverbindung und e-mail.

07.11.2018 23:25 AUFSTEHEN 2

In Schleswig-Holstein kommen derart dubiose Rechnungen mit Absendern wie Berida, Ezona, LMX, Ribax, Timax, Onax, Tevac oder Lavaro die betroffenen sollen 90 EUR nach Tschechien überweisen oder per Post an ein Postfach schicken

07.11.2018 15:50 Clown Ferdinand 1

Ob das dateschutzrechtlich in Ordnung ist hier die Kontonummer der Betrüger öffentlich zu zeigen ? (Satire Ende)