Vielbefahrene Bahntrasse Der mühsame Kampf der Bürgerinitiative Petersroda gegen Bahnlärm

Seit vielen Jahren kämpft eine Bürgerinitiative im Kreis Anhalt-Bitterfeld um einen besseren Lärmschutz an der vielbefahrenen Bahntrasse im Ort. Die Proteste haben es sogar bis in den Bundestag geschafft. Nun aber hat der Petitionsausschuss empfohlen, das Verfahren einzustellen. Diese Nachricht sorgt bei den knapp 700 Einwohnern in Petersroda bei Bitterfeld für Unverständnis. Denn am Lärmproblem an der Bahnstrecke hat sich nichts verbessert.

Bahnstrecke in Petersroda, einem Ortsteil der Stadt Sandersdorf-Brehna
Bis zu 150 Züge fahren am Tag durch Petersroda – auch nachts. Die Einwohner fordern deshalb einen Lärmschutz, der ist allerdings noch lange nicht in Sicht. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Es ist laut in Petersroda, furchtbar laut. Kaum auszuhalten, wenn wieder mal ein Zug vorbeirast, sagt Jens-Uwe Böhme. Er wohnt in einem Haus, nur einen Steinwurf von der Bahntrasse entfernt. "Das ist eine Belastung, wir hören das auf der Rückseite bei geschlossenem Fenster, das ist sehr unangenehm."

Bis zu 150 Züge am Tag

Bis zu 150 Züge rattern an dem Ortsteil von Sandersdorf-Brehna vorbei, jeden Tag, rund um die Uhr. "Nachts werden wir wach – das ist Wahnsinn – wenn die Güterzüge hier durchheizen", klagt Böhme. Und es sind nicht nur die Züge, die den etwa 700 Einwohnern in Petersroda zu schaffen machen. "Bei jedem Zug kommt eine Durchsage über die Lautsprecher, das schallt gerade nachts durch den ganzen Ort." Petersroda liegt an der Strecke Berlin-Leipzig – es ist eine der wichtigsten Nord-Südverbindungen Europas im Güterverkehr.

Böhme bezeichnet sich selbst als Protestanführer. Er ist in Petersroda der Initiator der Bürgerinitiative gegen den Bahnlärm. "Seit Jahren bemühen wir uns um einen Lärmschutz." Die Einwohner in Petersroda haben immer wieder auf die unerträglichen Zustände hingewiesen, Unterschriften gesammelt, den Protest bis in den Bundestag getragen. Der Petitionsausschuss sieht offenbar keinen Handlungsbedarf. Es wurde empfohlen, das Verfahren einzustellen.

Jens-Uwe Böhme Initiator, Bürger-Initiative gegen den Bahnlärm
Jens-Uwe Böhme ist der Initiatior der Bürger-Initiative gegen den Bahnlärm. Seit Jahren bemüht er sich mit seinen Mitstreitenden um einen Lärmschutz. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Einwohner sind enttäuscht und wütend

"Wir sind enttäuscht und wütend", sagt Simone Engefer. Die Ortsbürgermeisterin hat die Bürgerinitiative stets unterstützt. "Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt", so die 55-Jährige. "Es waren Politiker hier, die uns helfen wollten und nun bekommen wir Post und das Vorhaben wird einfach abgelehnt." Auch Jens-Uwe Böhme kann die Absage nicht nachvollziehen. "Wir sind keine Wutbürger", erzählt der Sportlehrer, "wir haben nichts gegen Züge, die Wirtschaft soll rollen." Aber man müsse auch Rücksicht nehmen auf die Anwohner, so der Chef der Bürgerinitiative.

Die Petersrodaer fordern einen Lärmschutz. 300.000 Euro würde eine Wand laut Schätzungen kosten. Offenbar zu viel für die Bahn. "Gerade werden zehn Milliarden Euro in den Ausbau des Streckennetzes investiert, da fehlt Geld für eine Schutzwand?" Böhme kann das nicht verstehen.

Aufgeben oder weiterkämpfen?

Und nun? Aufgeben oder weiterkämpfen? Die Bürgerinitiative will sich zeitnah entscheiden. Unkommentiert will Jens-Uwe Böhme die Nachricht aus Berlin jedenfalls nicht lassen. "Ich werde auf die Absage antworten. Aber der Protest kostet viel Energie und Lebenszeit, und dann wird das einfach so abgebügelt." Die Petersrodaer fühlen sich nicht ernst genommen, sie werden aber weiter auf die Missstände hinweisen. Ob er noch Hoffnung habe? Der Chef der Bürgerinitiative zuckt mit den Achseln. Die 700 Einwohner werden mit dem Bahnlärm leben müssen, befürchtet Böhme. Petersroda kommt nicht zur Ruhe.

Quelle: MDR/pat/jd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 23. November 2020 | 14:40 Uhr

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