Anschwärzen oder mehr Sichherheit Fragen und Antworten zur Falschparker-App "Wegeheld"

Sie stehen mit ihren Autos auf Fußwegen, Radwegen oder auch auf Zebrastreifen – Falschparker. Sie bringen dadurch andere Verkehrsteilnehmer nicht nur in Rage, sondern auch in Gefahr. Radfahrer und Fußgänger wehren sich mittlerweile – mit Hilfe der App "Wegeheld". In Bitterfeld-Wolfen gehen Meldungen über App seit März direkt ans Ordnungsamt. Wie das Thema in der Stadt angenommen wird.

Schriftzug Ordnungsamt auf dem Rücken der Jacke einer Politesse
Das Ordnungsamt in Bitterfeld-Wolfen holt sich Hilfe – per App. Bildrechte: imago/Deutzmann

Wie viele Nutzer haben bislang mitgemacht?

Die Wegeheld-App kann von der Stadt Bitterfeld-Wolfen erst seit März, also seit sechs Tagen, genutzt werden. In dieser Zeit hat noch niemand einen Falschparker angezeigt, wie es von der Stadt heißt. Wer Falschparker anzeigen will, muss sich für die kostenlose App registrieren. Offenbar muss sich das erst noch rumsprechen.

Was halten die Bitterfelder von der App?

Es ist ein Ringen zwischen "mehr Sicherheit" und "petzen", wie eine Umfrage von MDR SACHSEN-ANHALT gezeigt hat. Viele Einwohner meinen, dass grob fahrlässige Falschparkerei zum Beispiel auf Geh- und Radwegen, vor Schulen oder vor Feuerwehreinfahrten und auf Behindertenparkplätzen gemeldet werden sollten. Andere meinen, man soll die Kirche im Dorf lassen und nicht jeden gleich "anschmieren". Es gibt auch Einwohner, die aktiv auf Parksünder zugehen – sie ansprechen und bitten, das Auto umzuparken. Wie Bitterfeld-Wolfens Stadtsprecherin Katrin Kuhnt sagte, kann jeder selbst entscheiden, ob er die Falschparker meldet oder nicht – das liegt im eigenen Ermessen.

Screenshot der App Wegeheld.
Bildrechte: Screenshot wegeheld.de

Was sagt die Stadt dazu?

Bitterfeld-Wolfen hat ein Problem mit Falschparkern – so wie jede andere Stadt auch, sagt Stadtsprecherin Kuhnt. Diese Fälle werden geahndet. Im vergangenen Jahr haben die Mitarbeiter 13.400 "Knöllchen" für Parksünder geschrieben. Dazu kamen 150 Meldungen von Privatleuten, die sich über falsch parkende Fahrzeuge beschwert haben. Bestraft wurden davon aber nur 15 Falschparker, denn in den Anzeigen per Brief, Mail oder Anruf fehlten zum Teil wichtige Angaben. Das soll mit der Wegeheld-App nicht passieren. Dort müssen alle Angaben gemacht werden, bevor die Meldung zum Ordnungsamt geht.

Den Vorwurf einiger Bitterfelder der Denunziation weist die Stadtsprecherin zurück. Es habe mit Ordnung und Sicherheit in der Stadt zu tun. Wenn Behindertenparkplätze oder die Gehwege vor Schulen zugeparkt seien, sollte man die Augen nicht verschließen, sondern die Falschparker melden.

Kann man die Falschparker nicht auch ohne App melden?

Laut Kuhnt gibt es in Bitterfeld verschiedene Wege, Parksünder zu melden: über die App, per Brief, am Telefon oder persönlich. Seit März gebe es für die Bitterfelder und Wolfener auch den vom Land Sachsen-Anhalt bereitgestellten Bürgermelder "Sag's uns einfach". Auch dort könnten Falschparker gemeldet werden. Grundsätzlich gingen dort alle Beschwerden der Einwohner ein.

Wer betreibt die Parksünder-App?

Die App "Wegeheld" gibt es bereits seit 2013. Ein ehrenamtliches Team hat sie auf die Beine gestellt. Nach Angaben der Entwickler wird sie in 1.000 deutschen Städten genutzt. Die Zahlen der vergangenen Jahre zeigen, dass auch in Halle und Magdeburg die Nutzer sehr aktiv sind. In Halle sind nach Angaben von "Wegeheld" seit Anfang vergangenen Jahres 299 Meldungen ans Ordnungsamt gegangen.

Gibt es andere Städte, die mitmachen?

In 1.000 Städten in Deutschland gibt es laut „Wegeheld“  Falschparkermelder. Aktiv mit den Ordnungsämtern wird unter anderem in Halle, Berlin und Mönchengladbach gearbeitet. Allerdings gibt es auch viele Städte, die mit der Wegeheld-App nicht zusammenarbeiten wollen. Die Ordnungsämter halten sich sehr bedeckt, heißt es von den Entwicklern, wie und ob sie die Anzeigen bearbeiten. Die meisten Beschwerden über die App würden eingehen, weil Fahrzeuge auf dem Gehweg stehen, gefolgt von Wagen im absoluten Halteverbot und Parken auf dem Radweg.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 06. März 2019 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2019, 12:03 Uhr

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16 Kommentare

19.05.2019 12:53 Nordharzer 16

Vor allem ist der Begriff "denunzieren" vollkommen falsch. Einfach mal googlen, was das bedeutet.
Die Falschparkerei hat vollkommen überhand genommen und das Ordnungsamt hat aufgrund der personellen Situation gar keine Chance. Zudem fehlt der politische Wille ernsthaft dagegen vorzugehen. Man will weder Einwohner, noch Touristen verärgern. Für Anwohner ist es deutlich kostengünstiger, ab und zu mal ein Ticket zu kassieren, als einen Dauerparkplatz anzumieten.

08.03.2019 14:31 Karla 15

Die App ist Ausdruck verschiedener Punkte:

-fehlende Kontrollen durch die eigentlich zuständigen Polizei- und Ordnungskräfte
-zunehmende Selbstverständlichkeit des Falschparkens
-zunehmender Radverkehr, der auf sichere frei Wege, so denn vorhanden angewiesen ist (Fußgänger natürlich auch)
-steigender Autoverkehr mit unangemessener Autos zuerst-Mentalität
-Politikversagen in der Infrastuktur- und Verkehrspolitik

Wenn sich das Falschparken im Rahmen halten würde, würden die Leute auch nicht zunehmend auf die Barrikaden gehen. Die, die hier am meisten schimpfen, sind meist auch diejenigen, die sofort schreien, wenn bei ihnen jemand im Weg steht.

Die Auswüchse sieht man ja im Stadtpark in Magdeburg-da ist dann irgendwann das Maß voll.

Nichteinmal mehr da kann man Kinder "unangeleint" laufen lassen.

08.03.2019 12:20 Wolpertinger 14

@07.03.2019 12:49 maheba
Also ich stehe zu meinen Verkehrssünden. Aber das ist wohl nicht "in". Heutzutage machen die Fehler ja grundsätzlich andere.

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