In einem Lager steht ein mit Metall verkleidetes Gerät.
Ein Messgerät der Firma Grimm aus Friedersdorf. Bildrechte: MDR/André Damm

Messgeräte aus Friedersdorf Wie eine Firma von Diesel-Fahrverboten profitiert

Ein Unternehmen aus Friedersdorf bei Bitterfeld ist auf der Überholspur – und das hat mit Dreck im Straßenverkehr zu tun. Denn: Die Firma "Grimm Aerosol Technik" entwickelt Messgeräte, die den Feinstaubgehalt extrem genau ermitteln können. Die Nachfrage nach den Geräten übertrifft alle Erwartungen – angeheizt durch die Debatte um Diesel-Fahrverbote.

von André Damm, MDR SACHSEN-ANHALT

In einem Lager steht ein mit Metall verkleidetes Gerät.
Ein Messgerät der Firma Grimm aus Friedersdorf. Bildrechte: MDR/André Damm

Das Gebäude von Firma Grimm und ihren 42 Mitarbeitern liegt direkt an der vielbefahrenen Bundesstraße 100. Hier fahren ständig Fahrzeuge vorbei, deren Motoren mit Benzin und Diesel angetrieben werden. Dazu kommt der Reifenabrieb. Kurzum: An Feinstaub mangelt es hier also nicht. Sorgen macht Grimm-Produktionsleiter Torsten Straßburger vor allem der Ultra-Feinstaub: "Je kleiner die Staubpartikel sind, desto tiefer gehen sie in den Blutkreislauf, in die menschlichen Zellen." Die Messtechnik müsse darauf angepasst werden. Deswegen seien immer kleinere Partikel messbar: "Inzwischen reden wir von einem Nanometer".

Zur Einordnung: Ein Nanometer entspricht einem Milliardstel Meter oder 0,000 000 001 Metern. Unvorstellbar klein also. Wenn es um Ultra-Feinstaub geht, ist deshalb auch die Rede von der unsichtbaren Gefahr. Ganz unsichtbar sind die Staub-Winzlinge aber nicht, sagt Produktmanager Friedhelm Schneider. Er hat einen kleinen grauen Kasten dabei. Es handelt sich um das das neueste von 40 Modellen aus dem Hause Grimm.

Anderthalb Kilogramm Technik

Ein Mann steht an eine Straße und hält ein Gerät in der Hand.
In Friedersdorf an dem Firmensitz misst Grimm-Produktmanager Dr. Friedhelm Schneider einen Feinstaubwert von 350.000 Partikeln. Bildrechte: MDR/André Damm

Das Gerät wiegt dem Produktmanager zufolge 1,5 Kilogramm und hat eine Batterie, die acht bis zehn Stunden hält. "Wir messen damit die Partikelanzahlkonzentration, setzen die Partikelgröße ins Verhältnis und berechnen so die Staubmasse", erklärt Schneider. Am Firmensitz in Friedersdorf misst er einen Wert von 350.000 Partikeln - ein völlig normales Ergebnis, sagt er. Insgesamt könne das Gerät neun verschiedene Staubmassenkonzentrationen und Größenverteilungen messen.

Wegen dieser Variabilität greifen viele Wissenschaftler gern auf die Grimm-Produkte zurück: Die Messgeräte kommen an Autobahnen, in Wohngebieten oder an Flughäfen zum Einsatz. Zu den Kunden zählen auch Pharmaunternehmen und Internetdienstleister. Es gibt deutsche Autohersteller, die damit die Innenluft ihrer Neu-Fahrzeuge messen.

Es gibt offene Stellen

Doch wie misst man eigentlich so etwas Kleines wie Feinstaub? Laut Produktionsleiter Straßburger setzt Grimm Aerosol Technik traditionell auf eine optische Messung. Er erklärt das am Beispiel eines Ultra-Feinstaub-Messgerätes: "Ein Partikel im Nanobereich wird in unserer Apparatur künstlich kondensiert und damit sichtbar. Dann sorgen Lasergeräte für die optische Messung."

Die Grimm-Technologie hat offenbar viele Experten überzeugt. 2018 wurde ein Rekordumsatz erzielt – es gab zweistellige Zuwachsraten. In diesem Jahr spricht viel dafür, dass der Vorjahresrekord geknackt wird. Dazu suchen die Feinstaubjäger aus Friedersdorf weiter nach qualifiziertem Personal.

Über den Autor André Damm, geboren und aufgewachsen in der Lutherstadt Wittenberg, arbeitet seit 1998 für MDR SACHSEN-ANHALT. Mit Vorliebe widmet er sich Themen aus Politik, Wirtschaft und Kirche. Im Einsatz ist er vor allem in der Region Anhalt und Wittenberg, hauptsächlich für den Hörfunk, aber auch für Online und Fernsehen. André Damm hat 1990 bei der Mitteldeutschen Zeitung volontiert, danach an der Universität Leipzig Journalistik und Politikwissenschaften studiert. Seine ersten Radioerfahrungen machte er ab 1994 als Berichterstatter für MDR Radio-Sachsen in Leipzig und Görlitz; regelmäßig arbeitet er noch für MDR-Aktuell als Autor, Redakteur und Moderator. Der begeisterte Schach-und Tischtennisspieler lebt in Bad Schmiedeberg, tummelt sich viel in der Dübener Heide und natürlich in Wittenberg. Gern reist er auch nach Tangermünde, Wernigerode und nach Wörlitz - ein Höhepunkt ist immer wieder ein Besuch des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs.

Quelle: MDR/aso

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28. Februar 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Februar 2019, 14:06 Uhr

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3 Kommentare

28.02.2019 21:09 Gerd Müller 3

Also ich verheizte abends immer Spanplatte und Gummiteile, Staub habe ich noch keinen gesehen. Die Raben sind nur etwas schwärzer geworden.
Deutschland schafft sich ab, und die Welt lacht über uns. Der Michel bezahlt auch noch dafür bzw. wird enteignet. Danke CDU und Grüne.

28.02.2019 20:13 gast 2

tolle Ingenieurskunst, je mehr wir messen können um so mehr Erkenntnisse, aber wie damit umgehen ? Windrichtung und Luftströmungen ignorieren einfach deutsche Landesgrenzen , Aber der menschl Organismus ist robust, ausgenommen ein Meteoreinschlag wie zu Saurierzeiten, ach ja, nukleare Katastrophe habe ich fast vergessen, aber in Tschernobyl gedeiht auch wieder Flora & Fauna

28.02.2019 16:31 Stefan Hausmann 1

350.000 Partikel bezogen auf welches Volumen?

350.000 Partikel je cbm erscheinen mir sehr hoch.

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:
Wir haben die Frage an den Autor des Artikels weitergeleitet und werden es ergänzen.

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