Eine Förderplattform auf dem Goitzschesee
Die vom Landkreis erteilte Genehmigung zur Bernstein-Förderung bleibt bis auf Weiteres gültig. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Naturschätze in der Region Weiter Streit um Bernsteinförderung in der Goitzsche

Der Goitzschesee ist ein Reservoir: Tonnenweise Bernstein lagert im Boden. Ein Unternehmen will das Gestein fördern. Kürzlich erhielt es die Genehmigung. Doch nun hat das Landesverwaltungsamt Beschwerde eingelegt. Für den Betreiber der Plattform heißt das: Er darf weitermachen – zumindest vorerst.

Eine Förderplattform auf dem Goitzschesee
Die vom Landkreis erteilte Genehmigung zur Bernstein-Förderung bleibt bis auf Weiteres gültig. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Das Tauziehen um die Bernstein-Förderung aus der Goitzsche bei Bitterfeld geht weiter. Das Landesverwaltungsamt hat Beschwerde gegen eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Halle eingelegt. Das Landesverwaltungsamt ist der Auffassung, dass der Betreiber für die Abbauplattform auf dem See eine schifffahrtrechtliche Genehmigung braucht. Das Verwaltungsgericht hatte das anders gesehen und die Genehmigung per Eilverfahren noch vor wenigen Tagen erteilt, damit die Plattform auf der Goitzsche betrieben werden kann.

Die Beschwerde muss nun von der nächst höheren Instanz, dem Oberverwaltungsgericht Naumburg, verhandelt werden. Wann das sein wird, steht noch nicht fest. Die Pressesprecherin des Oberverwaltungsgerichts, Claudia Schmidt, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Beschwerde des Landesverwaltungsamtes liege noch gar nicht vor. Für den Betreiber der Plattform, Ingo Jung, ändert sich erst einmal nichts. Die vom Landkreis erteilte Genehmigung zur Bernstein-Förderung bleibt bis auf Weiteres gültig.

Bernsteine in verschiedenen Größen und Farben nach einem Strandspaziergang in der Hand einer Urlauberin
Bernstein aus der Goitzsche – darf er gefördert werden? Darum tobt aktuell eine juristische Auseinandersetzung. Bildrechte: dpa

Schätzungen: Bis zu 400 Tonnen Bernstein im Seeboden

Jungs Unternehmen, die "Goitzsche Bernstein GmbH und Co. KG", bohrt derzeit von einer schwimmenden Förderplattform nach Bernstein. Dabei wird mit einer Art riesigem Staubsauger Feinboden, sogenannter Schluff, aus bis zu 30 Metern Tiefe geholt. Dieser wird gewaschen und gesiebt, bis am Ende der Bernstein übrig bleibt. Gefördert wird während der Wintermonate, um den Sommertourismus nicht zu stören. Nach Schätzungen des Förderunternehmens können insgesamt 350 bis 400 Tonnen Bernstein aus dem See geholt werden. Pro Jahr würden jedoch nur zwischen einer und anderthalb Tonnen gefördert.

Der Bernstein, so die Hoffnung, soll den Tourismus in der Region weiter ankurbeln. Bereits im Februar hatte es um die Bernsteinförderung aus der Goitzsche Streit gegeben. Das Förderunternehmen hatte eine Genehmigung bis zum 31. März 2017 gehabt. Doch auch ab Oktober 2017 war die Plattform aufgebaut. Einem Sprecher des Landeskreises Anhalt-Bitterfeld zufolge wurden in dieser Phase auch Aktivitäten festgestellt. Geschäftsführer Jung dagegen sagte, dass an dem betreffenden Tag keine Förderung stattgefunden habe. Stattdessen seien Sicherungsarbeiten für die bevorstehende Frostperiode gemacht worden.

Quelle: MDR/mg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 09. Oktober 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2018, 18:32 Uhr

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3 Kommentare

10.10.2018 12:46 Leser 3

Erst wird geflutet und für den Tourismus teuer hergerichtet und plötzlich entdeckt man im alten tagebau Bernstein. Gleich wird eine gmbh gegründet. Wo liegt der Fehler?

10.10.2018 09:11 böse-zunge 2

Nachfragen: Geomar in Kiel - die haben, mit Meeresforschern anderer Nationen, vor Jahrzehnten den Unterwasserabbau von Rohstoffen dargestellt ... und vor ein, zwei Jahren problemlos das Testgebiet wiedergefunden!
Weil sich da gar nichts 'renaturiert' hat.
Wie soll die Goitzsche als Naturparadies vermarktet werden, wenn periodisch die Natur zerstört wird?
Hätte Bernsteingewinnung nicht ein Thema sein können BEVOR man die Wanne volllaufen ließ?

10.10.2018 06:31 Bernstein 1

Auch hier wieder das "Argument" Tourismusförderung. Fragt ein Journalist heutzutage überhaupt einmal nach oder informiert sich selbst? Wird die Goitzsche Bernstein GmbH ein Museum betreiben ? Wie kann etwas den Tourismus an einem See fördern wenn es im Betrieb dauerthaft Lärm verursacht und vor allem das Wasser eintrübt?

Und die wesentliche Frage, von welchen Werten reden wir bei 400 Tonnen Bernstein und wie stellt sich das in Relation zum Verkaufspreis der Goitzsche samt diverser Baugrundstücke und Wälder dar?