Abwassersee der Filmfabrik Wolfen bei Bitterfeld.
Das Grundwasser in Bitterfeld ist wegen der jahrelangen Umweltverschmutzung immer noch kontaminiert. Bildrechte: imago stock&people

Erbe der Chemieindustrie Verschmutztes Grundwasser wird zur Generationenaufgabe

Nach dem Hochwasser 2002 ist auch der Grundwasserspiegel in Bitterfeld gestiegen. Gleichzeitig sind Teile des Grundwassers noch immer kontaminiert. Bis es gereinigt ist, wird es Jahrzehnte dauern.

Abwassersee der Filmfabrik Wolfen bei Bitterfeld.
Das Grundwasser in Bitterfeld ist wegen der jahrelangen Umweltverschmutzung immer noch kontaminiert. Bildrechte: imago stock&people

Beim Hochwasser 2002 lief zu viel Wasser in den Goitzschesee in Bitterfeld. Als Folge davon stieg in Bitterfeld auch der Grundwasserspiegel. Damit die Bitterfelder Keller trocken bleiben, sind seitdem Pumpen im Einsatz, die den Grundwasserpegel niedrig halten sollen.

Doch es gibt noch weitere Probleme mit dem Grundwasser in Bitterfeld. Aufgrund der jahrelangen Umweltsünden ist es teilweise noch immer kontaminiert. Ronald Basmer kümmert sich bei der Mitteldeutschen Sanierungs- und Entsorgungsgesellschaft MDSE um die Altlasten. Wegen des verschmutzten Grundwassers, sagt er, gibt es an Brunnen in Bitterfeld regelmäßige Kontrollen.

Basmer erklärt: "Wir haben das Problem, dass das Wasser aus dem Chemiekombinat damals zur Goitzsche geflossen ist, unter die Stadtlage von Bitterfeld." Wenn der Grundwasserpegel steige, steige damit also auch das teilweise kontaminierte Wasser nach oben. Damit es nicht in die Häuser eindringe, müssen demnach Schutzmaßnahmen ergriffen werden.

Grundwasserreinigung dauert Jahrzehnte

Die MDSE hat deswegen Grundwasserreinigungsanlagen aufgebaut, unter anderem in der Werkssiedlung Bergmannshof/Annahof. Hier stehen etwas abseits türkisfarbene und schwarze Behälter, die das schadstoffbelastete Wasser reinigen, erklärt Basmer. Doch bis es in Bitterfeld kein kontaminiertes Grundwasser mehr geben wird, dauert es noch.

Ungefähr 100 bis 200 Millionen Kubikmeter verunreinigtes Wasser gibt es laut Basmer am Standort. Etwa 2,5 Millionen Kubikmeter können aktuell in einem Jahr gereinigt werden. Der MDSE-Mitarbeiter erklärt: "Das bedeutet natürlich eine Generationenaufgabe. Das wird nicht nur zwei Jahre, sondern mehrere Jahrzehnte dauern." Das Bitterfelder Chemieerbe wird also auch in Zukunft Millionen Euro kosten.

Quelle: MDR/aso

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 08. Mai 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Mai 2019, 17:57 Uhr

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4 Kommentare

08.05.2019 10:25 W.Merseburger 4

Ich kann dem feinsinnigen Humor von @1, Ureinwohner, nur zustimmen. Natürlich ist die Reinigung des Grundwassers um Bitterfeld eine Mammutaufgabe. Im Bericht oben fehlt jedoch eine wichtige Aussage: Was sind eigentlich die toxischen Verunreinigungen im Grundwasser? Warum hat diese triviale Aussage Herr Basmer nicht getroffen? Allerdings muss auch ich etwas Essig in obigen Wein schütten. Wir erleben eben gerade heute eine unvorstellbar große Zerstörung der Natur durch z.B Intensivlandwirtschaft mit Monokulturen. Damit einher geht eine Reduzierung der Artenvielfalt in bisher nicht dagewesenem Umfang. Auch heute wird unsere Umwelt der Geldgier eines kapitalistisch ausgeprägten Wirtschaftens geopfert!

08.05.2019 07:32 Martha 3

Bitterfeld hat noch hart mit der chemischen Vergangenheit zu kämpfen. Aber wie schaut es mit der aktuellen Belastung durch die Chemie aus? Fährt man an der Säurekreuzung entlang, wird man inzwischen geruchsmäßig oft wieder an alte DDR-Chemieluft erinnert. Auch in Greppin liegt im ein Chemieduft in der Luft. Gibt es ihr Studien zu den aktuellen Belastungen?


ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:

Danke für Ihre Anfrage, wir werden recherchieren, ob es Studien dazu gibt.

07.05.2019 09:43 Leser 2

@1 wieso balkonbesitzer? Ich kaufe nur insektenfreundliche Blümchen und habe 3 balkone. Mich bedrückt eher das Grundwasser, das die Leute an der Goitsche haben. Nicht wegen der Belastung durch keime. Da ist Ursache die flutung des früheren tagebaues. Hauptsache, die erholenden dort haben Spaß.