Ein Mitarbeiter bei Continental fügt in der Produktion der Leistungselektronik für Elektrofahrzeuge ein Wechselrichter und ein 12-Volt-Netzteil für das Fahrzeugbordnetz zusammen.
Die Produktion von Batterien für Elektrofahrzeuge soll am Standort Bitterfeld-Wolfen 600 neue Arbeitsplätze schaffen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

600 neue Arbeitsplätze Groß-Investor plant Batteriefabrik in Bitterfeld-Wolfen

Eine der größten Industrie-Ansiedlungen in der Geschichte Sachsen-Anhalts ist perfekt: In Bitterfeld-Wolfen soll eine große Batteriefabrik für Elektroautos entstehen. Ein US-Unternehmen plant Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe.

Ein Mitarbeiter bei Continental fügt in der Produktion der Leistungselektronik für Elektrofahrzeuge ein Wechselrichter und ein 12-Volt-Netzteil für das Fahrzeugbordnetz zusammen.
Die Produktion von Batterien für Elektrofahrzeuge soll am Standort Bitterfeld-Wolfen 600 neue Arbeitsplätze schaffen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalt steht laut Wirtschaftsministerium die größte Investition seit 15 Jahren bevor: Ein US-Unternehmen will in Bitterfeld-Wolfen ein großes Werk für die Produktion von Elektrofahrzeug-Batterien aufbauen. "Farasis Energy" kündigte am Mittwoch beim Wirtschaftsministerium in Magdeburg an, man werde erst einmal 600 Millionen Euro investieren und auf dem Gelände des ehemaligen Solar Valley etwa 600 hochrangige Arbeitsplätze schaffen. Beispielsweise suche man Mechatroniker, Ingenieure und Chemiker.

Europa-Chef will nach Bitterfeld-Wolfen ziehen

Der Europa-Chef von "Farasis Energy", Sebastian Wolf, erklärte, es werde sich um sichere und dauerhafte Arbeitsplätze handeln. Der Grund: Die europäische Elektroauto-Branche wolle in Europa produzierte Autos nicht mit Batterien "Made in Fernost" ausstatten. Das Label "Made in Germany" ist laut Wolf ausschlaggebend gewesen, dass sich für den neuen Standort entschieden wurde. Er selbst werde nun nach Bitterfeld-Wolfen ziehen.

"Wir wollen zum Beispiel unsere Unternehmenszentrale für Europa dann auch nach Bitterfeld-Wolfen verlagern", sagte Wolf MDR SACHSEN-ANHALT. Es bestehe der Wunsch, dort dann auch weiter zu wachsen. Der Bedarf an Batterien für Elektrofahrzeuge, allein um die CO2-Grenzwerte einzuhalten, sei enorm. "Wir sind mit allen großen Automobilherstellern in Europa in Kontakt. Und da ist auch reges Interesse an unseren Produkten", so Wolf weiter.

In Sachsen-Anhalt sollen ab 2023 im Werk hunderttausende Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge hergestellt werden. Jede wiegt etwa 500 bis 600 Kilogramm.

Der Investor "Farasis Energy" ist ein US-amerikanischer Konzern, der seit mehr als zehn Jahren im Bereich Batterien für Elektrofahrzeuge tätig ist. Weltweit gibt es 3.500 Mitarbeiter, Hauptsitz ist in China. Jetzt will man expandieren und auf dem europäischen Markt Fuß fassen.

Minister, Landrat und Bürgermeister begeistert

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) begrüßte die Ansiedlung am Mittwoch freudig. Willingmann sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Im Automobilzuliefererland Sachsen-Anhalt ist diese Ansiedlung ohne Frage ein ganz erfolgreicher Schritt nach vorne."

Sebastian Wolf, Europa-Chef von "Farasis Energy" und Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann auf einer Pressekonferenz
Der Europa-Chef von "Farasis Energy" Sebastian Wolf (l.) und Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann präsentierten gemeinsam die Pläne. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

Das Unternehmen hatte sich laut Willingmann im Wirtschaftsministerium gemeldet. "Da wussten wir schon, dass man auch an anderer Stelle Interesse hat – und dann im Grunde einen richtigen Wettbewerb durchgeführt hat. Zwei Standorte in Sachsen-Anhalt kamen in die engere Auswahl." Entscheidend seien zunächst die verfügbare Fläche und die Infrastruktur gewesen. Dazu habe der Fachkräftezugang eine große Rolle gespielt.

Zügige Bearbeitung der Bauanträge

Landrat Uwe Schulze zeigte sich am Mittwoch ebenfalls begeistert. "Riesige Freude, aus dem Grund, dass die Investition jetzt kommt. Das ist sehr positiv für die Stadt Bitterfeld-Wolfen, für die Bürgerinnen und Bürger, die Region und das Land Sachsen-Anhalt sowieso." Der Landkreis wolle das Unternehmen nun mit der zügigen Bearbeitung der Bauanträge unterstützen.

Das ist sehr positiv für die Stadt Bitterfeld-Wolfen.

Landrat Uwe Schulze

Bitterfeld-Wolfens Oberbürgermeister Armin Schenk erklärte, das Unternehmen passe hervorragend in die Region. "Es passt ins Solar Valley – alles, was Richtung erneuerbarer Energien geht. Die muss man erzeugen und am Ende muss man sie auch irgendwo speichern."

Weitere Ansiedlung

Erst diese Woche war bekannt geworden, dass auch in Wittenberg eine große Batterie-Fabrik entstehen soll. Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT will das Start-up-Unternehmen "Tesvolt" dort in Zukunft Batteriespeicher für große Solaranlagen herstellen, zudem Batterien für Ladesäulen von Elektro-Autos. Produziert werden soll bereits ab diesem Sommer.

"Tesvolt" investiert nach eigenen Angaben einen Millionenbetrag in das Wittenberger Werk, die Zahl der Mitarbeiter soll von 60 auf 120 steigen.

Mehr zum Thema

Quelle: dpa, MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 08. Mai 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Mai 2019, 20:33 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

10 Kommentare

10.05.2019 15:29 Fragender 10

Wenn das denn so kommt, sind denn dann genug Ladestationen für die massenhaft in Autos verbauten Akkus vorhanden, die dann mit Braunkohlenstrom geladen werden? Reicht der zusätzlich gebrauchte Strom überhaupt, um E-Mobilität überhaupt möglich zu machen? Da muß wohl Kohlestrom von Tschechien und Polen zugekauft werden. Wird hier nicht mal wieder das Pferd von hinten aufgezäumt?

10.05.2019 09:14 Martha 9

Wie hoch wird die Umweltbelastung für Bitterfeld und Umgebung ausfallen? Die Produktion von solchen Batterien verursacht u.a. eine hohe CO2-Belastung.

10.05.2019 08:46 Camperhase 8

@Leser..ja diese Bedenken teile ich auch. Vorsicht ist geboten bei US Konzernen. Das wird wie bei Amazon in Magdeburg Osterweddingen werden. Alle schreien jippi neue Arbeitsplätze. Aber dann ohne Tarifvertrag und Niedriglohn, oder warum bauen sie diese Fabrik nicht in Bayern oder Baden- Württenberg?? Weil dort keiner für 10 - 12€ die Stunde arbeiten wird. Hier hat sich Sachsen-Anhalt schon lange verkauft. Nicht umsonst arbeiten 36% der Anwohner - jeder Dritte im Niedriglohnsektor. Einfach mal drüber nachdenken.

Mehr aus Anhalt-Bitterfeld, Dessau-Roßlau und Wittenberg

Mehr aus Sachsen-Anhalt