Demonstranten ziehen durch Köthen
Rund 2.500 Menschen nahmen am Sonntagabend in Köthen an einem Trauermarsch teil, zu dem vor allem rechte Gruppen aufgerufen hatten. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Tod eines 22-Jährigen in Köthen Bürgermeister Hauschild mahnt erneut zu Besonnenheit

Der Oberbürgermeister der Stadt Köthen, Bernd Hauschild, hat sich nach dem Tod eines 22-Jährigen erschrocken gezeigt über Gewaltaufrufe bei den anschließenden Protesten. Er rief deshalb am Montag abermals zur Besonnenheit auf.

Demonstranten ziehen durch Köthen
Rund 2.500 Menschen nahmen am Sonntagabend in Köthen an einem Trauermarsch teil, zu dem vor allem rechte Gruppen aufgerufen hatten. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Der Oberbürgermeister der Stadt Köthen, Bernd Hauschild, hat sich nach dem Tod eines 22-Jährigen erschrocken gezeigt über Gewaltaufrufe bei den anschließenden Protesten. Er rief deshalb am Montag abermals zur Besonnenheit auf.

Köthens Oberbürgermeister Bernd Hauschild (SPD) hat sich nach dem tödlichen Streit zwischen zwei Männergruppen erschrocken gezeigt über Gewaltaufrufe bei den anschließenden Protesten am Sonntagabend. Der SPD-Politiker sagte MDR AKTUELL, noch am Abend hätte er mit demokratischen Kräften im Rathaus zusammengesessen und beschlossen, nicht voreilig und übermäßig zu reagieren.

Von Teilnahme abgeraten

Hauschild hatte gemeinsam mit rund 300 Köthenern am Nachmittag an einem Gedenkgottesdienst teilgenommen. Beim Trauermarsch sei er nicht dabei gewesen, da die Polizei davor gewarnt habe, so der Bürgermeister. Zudem hatte er am Sonntag auf Facebook ausdrücklich von einer Teilnahme abgeraten, da für ihn in der rechten Szene mobilisiert worden war. Er hätte außerdem Informationen gehabt, dass gewaltbereite Gruppen von außerhalb Köthens teilnehmen wollten.

2.500 Menschen hatten an der Kundgebung am Sonntagabend teilgenommen. Einige Köthener seien schweigend mitgelaufen, erklärte Hauschild am Morgen. Die, die den großen Krawall gemacht hätten, seien keine Köthener gewesen. Darüber sei er froh. Dennoch: Es sei nicht schön, dass gewaltbereite Touristen von Ort zu Ort zögen und nur stänkerten, ergänzte er. Es sei schwer, wenn die Gewalt von außen nach Köthen komme, so der SPD-Politiker im ZDF-Morgenmagazin. Er selbst habe zwar keine Aktionen gegen Rechts geplant, wenn aber etwas passiere, seien die Köthener vorbereitet. Mit Blick auf die Proteste am Vorabend fügte Hauschild hinzu:

Leider waren eben doch viele Rechte da gewesen, die versucht haben, sich Gehör zu verschaffen vor den Köthenern.

Bernd Hauschild, Oberbürgermeister von Köthen

Die Stimmung sei durch die zugereisten Rechten angeheizt worden. Er habe Informationen, dass teilweise sogar Personen vor Ort gewesen seien, die vorher bereits in Chemnitz präsent gewesen seien. "Das sind halt rechte reisende Touristen." Über die Reden sei er erschrocken.

Grundsätzlich friedliches Zusammenleben

Das Zusammenleben zwischen Einheimischen und Asylbewerben funktioniere in Köthen grundsätzlich gut, sagte der Bürgermeister. Er verwies darauf, dass es überall Streit gebe, aber die Integration in der Stadt vor allem durch die dezentrale Unterbringung der Geflüchteten besser möglich sei.

Hintergrund der Proteste am Sonntag war der der Tod eines 22-jährigen Deutschen nach einem Streit zwischen zwei Männergruppen. Am Sonntagabend erließ daraufhin ein Richter Haftbefehl gegen zwei Afghanen wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge.

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht und Justizministerin Anne-Marie Keding (beide CDU) haben für Montagvormittag eine Pressekonferenz angekündigt. Sie soll um 11:30 Uhr beginnen.

Quelle: MDR,dpa/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. September 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. September 2018, 12:34 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

9 Kommentare

10.09.2018 17:30 Eulenspiegel 9

Also Die Frage ist doch was weiß man biss jetzt eigentlich wirklich?
Also ein Deutscher kommt mit zwei Afghanen in Streit. Und dann stirbt der Deutsche an einem Herzinfarkt. Warum, wieso, weshalb weiß niemand. Das muss noch geklärt werden.

10.09.2018 14:40 Konrad vom Berg 8

Ständig lese ich das Wort "Besonnenheit" bei Gewaltverbrechen. Darunter verstehe ich mittlerweile, der Bürger hat gefälligst die Klappe zu halten, ansonsten ist er ein Nazi. Und die nächste Gewalttat seitens angeblich "Schutzsuchender" kommt bestimmt. Die Politik unternimmt ja weiterhin nichts, lenkt nur mit dummen Sprüchen vom eigentlichen Geschehen ab, übernimmt keine Verantwortung.

10.09.2018 13:49 Markus Vahle 7

@ Matze1980 Nr. 5
"Erst ruf er auf nicht am Trauermarsch teilzunehmen sondern nur einem vom Ihm politisch correcten Gottesdienst"
Frage: Was genau, bitteschön, soll ein "politisch correcter Gottesdienst" sein? Wenn dies aber zuträfe, was Sie über den Gottesdienst schreiben, dann halte ich somit fest, dass im Umkehrschluss der so genannte "Trauermarsch" offenbar eben nicht (ganz so) politisch korrekt war!
"Anscheinend funktioniert das Zusammen leben von einheimischen und Asylbewerbern doch nicht so gut. Aber leider kommt ja kein Köthener Bürger zu Wort."
Woran mache Sie das konkret fest? Weil eine Einzeltat, so bedauerlich und verurteilungswürdig sie auch ist bzw. sein mag, das gute Zusammenleben von Jahren diskreditiert? Für mich klingt das sehr nach Pauschalurteil! Ihrer Logik folgend, würde das Zusammenleben mithin nirgendwo in Deutschland funktionieren, weil Verbrechen (egal, wer sie begeht und welchen ethnischen Hintergrund der Täter hat) leider überall passieren können!

Mehr aus Anhalt-Bitterfeld, Dessau-Roßlau und Wittenberg

Mehr aus Sachsen-Anhalt

Im Bild sind Fahnen mit der Aufschrift Love is Love zu sehen. + Video
Liebe ist Liebe – egal, ob zwischen Mann und Frau, Mann und Mann. Seit 2017 können gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland auch heiraten. (Symbolbild) Bildrechte: imago images / Christian Spicker