Vor einem Baum brennen Kerzen und es liegen mehrere Blumensträuße.
An einem Spielplatz am Karslplatz in Köthen haben Menschen Kerzen aufgestellt und Blumen niedergelegt. Hier soll sich die Tat ereignet haben. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Staatsanwaltschaft und Polizei 22-Jähriger in Köthen ums Leben gekommen

In Köthen ist in der Nacht zu Sonntag ein 22-Jähriger ums Leben gekommen. Zwei junge Erwachsene aus Afghanistan wurden vorläufig festgenommen. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln. Das Opfer starb an den Folgen eines Herzversagens. Innenminister Stahlknecht rief zur Besonnenheit auf. Zu einer Andacht in die Kirche St. Jakob kamen am Nachmittag 300 Menschen.

Vor einem Baum brennen Kerzen und es liegen mehrere Blumensträuße.
An einem Spielplatz am Karslplatz in Köthen haben Menschen Kerzen aufgestellt und Blumen niedergelegt. Hier soll sich die Tat ereignet haben. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

22-Jähriger zu Tode gekommen

In Köthen ist in der Nacht zu Sonntag ein 22-jähriger Deutscher offenbar bei einer Auseinandersetzung mit zwei Afghanen ums Leben gekommen. Das haben Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntag in einer Pressemitteilung erklärt. Demnach sind zwei tatverdächtige Männer aus Afghanistan vorläufig festgenommen worden.

Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT ist der junge Mann an einem Herzinfarkt gestorben. Das bestätigten Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntagabend in einer gemeinsamen Mitteilung. Darin heißt es, das aktute Herzversagen stehe nicht im direkten kausalen Zusammenhang mit den erlittenen Verletzungen des 22-Jährigen. Gegen den 18-jährigen Tatverdächtigen werde nunmehr wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt. Auch liefen Ermittlungen gegen einen 20-jährigen Afghanen – wegen des Anfangsverdachts der Körperverletzung mit Todesfolge. Entsprechende Haftanträge seien gestellt worden.

Wie der Landrat des Landkreises Anhalt-Bitterfeld, Uwe Schulze (CDU), MDR SACHSEN-ANHALT sagte, handelt es sich bei den zwei Tatverdächtigen um Flüchtlinge. Einer sei als Flüchtling anerkannt, der andere habe abgeschoben werden sollen. Die Staatsanwaltschaft ermittele aber noch gegen ihn. Warum, dazu konnte Schulze keine Angaben machen. Der Landrat sagte, er trauere um das Opfer und spreche den Angehörigen sein Beleid und Mitgefühl aus.

Innenminister Stahlknecht mahnt zu Besonnenheit

Auch Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) hat sich zu den Ereignissen in Köthen geäußert. Er ließ mitteilen, sein aufrichtiges Beileid gelte den Hinterbliebenen. Die Ermittlungen zu den Geschehnissen liefen in enger Abstimmung mit Polizei und Justiz.

Ich habe vollstes Verständnis für die Betroffenheit unserer Bürgerinnen und Bürger. Dennoch bitte ich um Besonnenheit. Wir werden alle Mittel des Staates konsequent einsetzen.

Innenminister Holger Stahlknecht (CDU)

Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) warnte vor einer Instrumentalisierung des Falls. "Bei aller Emotionalität ist jeder Versuch zurückzuweisen, aus Köthen, wie es im Internet heißt, ein zweites Chemnitz machen zu wollen", sagte der Regierungschef der Nachrichtenagentur dpa.

Köthens Oberbürgermeister Bernd Hauschild (SPD) sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Sonntagmittag, er sei betroffen und sprachlos. Er kenne noch nicht alle Umstände der Tat. "Dass etwas geschehen ist, ist aber schlimm genug." Hauschild erklärte, er setze auf die Besonnenheit der Menschen in Köthen. Schon seinem "kleinen Aufruf" am Mittag seien viele Köthener gefolgt, um des Opfers zu gedenken.

Tod eines 22-Jährigen Trauer und Bestürzung in Köthen

Spielplatz in Köthen, im Hintergrund Kerzen
Auf diesem Spielplatz am Karlsplatz in Köthen soll es in der Nacht zu Sonntag zur tödlichen Auseinandersetzung gekommen sein. Dabei starb ein 22-jähriger Deutscher. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau
Spielplatz in Köthen, im Hintergrund Kerzen
Auf diesem Spielplatz am Karlsplatz in Köthen soll es in der Nacht zu Sonntag zur tödlichen Auseinandersetzung gekommen sein. Dabei starb ein 22-jähriger Deutscher. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau
Blumen und Kerzen stehen an einem Baum auf einem Spielplatz.
Zwei junge Männer aus Afghanistan wurden festgenommen. Gegen sie wurde zunächst wegen des Anfangsverdachtes eines Tötungsdelikts ermittelt. Stunden später wurden die Ermittlungen abgeschwächt, nachdem sich als Todesursache Herzversagen herausgestellt hatte. Bildrechte: dpa
Männer legen auf einem Spielplatz Kerzen nieder
Landrat Uwe Schulze und Köthens Oberbürgermeister Bernd Hauschild haben am Mittag Blumen am Tatort niederlegt, um des Opfers zu gedenken. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau
Blumen und Kerzen stehen an einem Baum auf einem Spielplatz.
Auch andere Menschen legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Bildrechte: dpa
Mehrere Menschen stehen in Köthen auf einem Spielplatz und hören den Worten eines Pfarrers zu.
Kreisoberpfarrer Lothar Scholz mahnte die Menschen in Köthen zur Besonnenheit. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau
Polizisten in Köthen
Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Bildrechte: MDR/Matthias Strauß
Polizisten in Köthen, im Hintergrund weitere Menschen
Auf den Straßen von Köthen sind viele Menschen unterwegs. Bildrechte: TNN/MDR
Das Ortseingangschild von Köthen
In der Kreisstadt des Landkreises Anhalt-Bitterfeld leben knapp 30.000 Menschen. Bildrechte: dpa
Menschen sitzen bei einem Gottesdienst in einer Kirche.
Die Landeskirche Anhalt hat am Sonntagnachmittag zu einer Trauerandacht geladen. Bildrechte: MDR/André Damm
Aufnahme einer Kirche, in der sich mehrere Hundert Menschen zu einer Andacht versammelt haben.
Rund 300 Menschen kamen. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Ein Pfarrer spricht in einer Kirche.
Kirchenpräsident Joachim Liebig rief zur Umsicht auf. Die Kirche sammelt Spenden für die Familie des Opfers. Bildrechte: MDR/André Damm
Polizisten stehen mit ihren Fahrzeugen am Bahnhof in Köthen.
Unterdessen bereitet die Polizei sich wegen zweier angemeldeter Demonstrationen auf einen Großeinsatz vor.
Bildrechte: dpa
Demonstration der Rechten in Köthen
Am Sonntagabend versammelten sich dann etwa 1.000 Menschen zu einer Demonstration, zu der rechte Gruppen aufgerufen hatten. Bildrechte: MDR/Karsten Kiesant
Polizisten in Köthen
Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 09.09.2018 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09.09.2018 | seit 12 Uhr

Quelle: MDR/ld,cw
Bildrechte: MDR/Karsten Kiesant
Alle (14) Bilder anzeigen

Staatsanwaltschaft: Zeugen werden vernommen

Unterdessen dauert die Befragung der beiden Tatverdächtigen laut Polizei und Staatsanwaltschaft an. Die Ermittlungen würden in alle Richtungen geführt. Zum Anlass des Streits und zu den konkreten Umständen seien bisher keine Details bekannt. Staatsanwaltschaft Olaf Braun sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Sonntagnachmittag, aktuell würden noch Zeugen vernommen. Wenn Ermittlungsergebnisse vorlägen, würden weitere Angaben gemacht. Bis dahin beteilige man sich nicht an Spekulationen über das Opfer. Anwohner hatten zuvor berichtet, das 22-jährige Todesopfer sei bei der Lebenshilfe beschäftigt gewesen.

Ich bin sehr betroffen und sprachlos.

Bernd Hauschild (SPD), Oberbürgermeister von Köthen

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sollen auf dem Spielplatz am Karlsplatz drei aus Afghanistan stammende Männer mit einer Frau darüber gestritten haben, von wem sie schwanger ist. Dann sollen die beiden Deutschen hinzugekommen sein.

Blumen stehen an einem Baum auf einem Spielplatz.
Auf diesem Spielplatz soll die Tat sich ereignet haben. Bildrechte: dpa

Auf Twitter schrieb SPD-Landespolitikerin Katja Pähle am Mittag, der gewaltsame Tod eines Menschen sei immer zu verurteilen. Köthen brauche nun Besonnenheit, die "Angehörigen unser Mitgefühl". Es dürfe jetzt keine "Gewaltspirale" geben. Sachsen-Anhalts früherer AfD-Landeschef André Poggenburg sprach am Rande des AfD-Parteitags von einem "schrecklichen Ereignis", das kein Einzelfall sei.

Der Fraktionschef der Linken im Landtag, Thomas Lippmann, sagte, es müsse Konsens sein, dass Gewalt durch nichts und niemanden legitimiert werden könne. Es brauche nun eine "schnelle, vorurteilsfreie und lückenlose Aufklärung der Todesumstände". Grünen-Fraktionschefin Cornelia Lüddemann sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man spüre, dass Sachsen-Anhalts Innenministerium auf mögliche Demonstrationen vorbereitet sei. "Ich kann nur an alle appellieren, das nicht zu instrumentalisieren – schon gar nicht, bevor wir den genauen Tathergang kennen", sagte Lüddemann.

Kirche ruft zur Umsicht auf – 300 Menschen bei Andacht

Ein Pfarrer spricht in einer Kirche.
Kirchenpräsident Joachim Liebig bei der Trauerandacht in der Kirche Bildrechte: MDR/André Damm

Auch der Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Joachim Liebig, rief zu Umsicht auf: "Jede politische Instrumentalisierung ist abzulehnen und würde zu einer Eskalation führen, die schreckliche Folgen haben könnte", teilte er in einer Erklärung mit. MDR SACHSEN-ANHALT sagte Liebig, Kirche könne nun ein Ort sein, in dem Menschen ihre Betroffenheit zum Ausdruck brächten. Und: "Kirche kann zur Gelassenheit und zur Besonnenheit aufrufen." Er vertraue dem Rechtstaat und der Polizei, sagte Liebig.

Zu einer Andacht in der Kirche St. Jakob kamen am Sonntagnachmittag rund 300 Menschen. Außerdem sammelt die Kirche Spenden für die Familie des Opfers.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. September 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. September 2018, 19:24 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

262 Kommentare

11.09.2018 18:12 "Kein Täter hat Anspruch auf ein gesundes Opfer" 262

So urteilte der Richter im Fall des Dominik Brunner, der von den Tätern zu Tode geprügelt wurde und an einer nicht erkannten Herzvorerkrankung .
Brunner stand seinerzeit 4 Kindern bei.
Der Prozess ist bekannt als S-Bahn-Täter-Prozess (2010) Urteil: Mord

11.09.2018 15:51 Wolpertinger 261

@10.09.2018 15:33 Querdenker
Danke.

11.09.2018 12:56 Klarheit 260

@MDR , Fakten nicht erwünscht - auch wen Ihr teilweise selbst darüber berichtet habt ????

hier noch einmal :

Meldungen von diesen Wochenende ..........,

----"..MESSER UND STÖCKE: WÜSTE MASSENSCHLÄGEREI IN DRESDNER PARK!.."---,
....etwa 30 ausländische Personen, mit Messern und Stöcken bewaffnet....,.... Afghanen , Syrier , Marokkaner.....

-----"...BLUTIGE MESSERATTACKE IN LEIPZIG: JUGENDLICHER RINGT MIT DEM TOD..."----, Algerier...

----"....Nach den tödlichen Schüssen auf ein Mitglied einer arabischstämmigen Großfamilie in Neukölln (TAG24 berichtete) wird die Leiche des polizeibekannten Intensivstraftäters Nidal R. (†36)
-----"...

----"...FAMILIE VERBÜNDET SICH NACH STREIT UND KÄMPFT GEGEN DIE POLIZEI...."---
----In der Wohnung gingen der Ehemann und die beiden hinzugekommenen 16 und 17 Jahre alten Söhne zunächst auf die Mutter los, da diese die Familienehre gekränkt habe. .....,

einfach bunt und schön , ein Land in dem ich gut und gerne lebe .................