Lückenschluss zur A9 Landwirte und BUND streiten sich um Feuchtgebiete an der B6n

Umweltschützer des BUND in Sachsen-Anhalt haben gegen die Baupläne zum Anschluss der Bundestraße 6n an die Autobahn 9 bei Thurland (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) geklagt. Grund für die Klage seien zusätzliche Feuchtgebiete zum Artenschutz für Kröten und Frösche, die aus den Bauplänen wieder gestrichen wurden.

Krötenpaar
Im Fall der B6n gab es schon einmal eine Klage wegen streng zu schützender Kröten und Frösche. Bildrechte: colourbox

Umweltschützer des BUND in Sachsen-Anhalt haben gegen die Baupläne zum Anschluss der Bundestraße 6n an die Autobahn 9 bei Thurland (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) geklagt. Das hat das Bundesverwaltungsgericht MDR SACHSEN-ANHALT bestätigt. Grund für die Klage seien Feuchtgebiete für streng geschützte Kröten und Frösche, die aus den Bauplänen gestrichen wurden.

Bauverzögerungen wegen Kröten

Der Lückenschluss der B6n an die A9 ist die Querverbindung zur A14. Momentan fehlen dafür noch elf Kilometer Baustrecke.

Als 2015 der erste Spatenstich von Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) gemacht wurde, verkündete er, dass die B6n 2018 befahren werden solle. Dann kamen Kröten in die Quere, die eine Klage mit sich brachten. So wurden ein Jahr nach dem Baustart 25.000 Lurche gezählt, die das Areal der zukünftigen Straße durchquerten. Darunter überwiegend streng geschützte Arten wie Knoblauchkröten, Laub- und Moorfrösche.

Daraufhin wurde umgeplant und die Fahrbahn für 229 Krötentunnel um anderthalb Meter angehoben. Die Kosten stiegen von 50 auf 75 Millionen Euro.

Neue Klage wegen gestrichener Feuchtgebiete

Nun erfolgte im Zusammenhang mit den Kröten vom Umweltverband BUND am 16. September eine weitere Klage gegen die B6n.

Wegen der vielen Kröten und Frösche hatten die Planer der Landesstraßenbaubehörde zusätzliche Feuchtgebiete eingeplant. Für diese wird jedoch mehr Platz benötigt, wodurch einige der Bauern Äcker abgeben sollten. Die Landwirte reichten daraufhin Beschwerde ein. Mit Erfolg, denn die Baugenehmiger im Landesverwaltungsamt Halle strichen die von den Straßenplanern vorgesehenen Feuchtgebiete aus den Unterlagen heraus. Im öffentlich ausgelegten Beschluss hieß es: Die Vorhaben seien "einseitig fokussiert auf den Artenschutz und stellen die Interessen der Landwirte und privaten Grundstückseigentümer in unzulässiger Weise hinten an".

Die Umweltschützer reagierten darauf. BUND Landeschef Ralf Meyer bezeichnete diesen Schritt als eine "Rolle rückwärts": "Wir haben nichts gegen die Straße und was die Baubehörde ursprünglich geplant hat, ist löblich. Aber wenn jetzt der Artenschutz torpediert wird, gehen wir gerichtlich dagegen vor", sagte er weiterhin.

Bauarbeiten gehen dennoch weiter

Das Landesverkehrsministerium teilte mit, dass sich die Bauarbeiten dadurch aber nicht verzögern. Die Bauvorbereitungen könnten beginnen. Trotzdem müsse das Ergebnis der gerichtlichen Auseinandersetzung abgewartet werden. Das Verkehrsministerium geht von mindestens vier Jahren Bauzeit aus.

Quelle: MDR/mf

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | MDR SACHSEN-ANHALT | 25. September 2020 | 18:00 Uhr

2 Kommentare

Steffen 1978 vor 4 Wochen

Der BUND sollte sich mal um den mittlerweile gefährdeten Lebensraum des Menschen Gedanken machen der extreme Transit und Pendler Verkehr gehört nicht in Städte und Dörfer ganz zu schweigen was diese Person für immense kosten verursachen womit mit Sicherheit sinnvolles anzufangen wäre

ElBuffo vor 5 Wochen

Huch, das war dem BUND wohl gar nicht aufgefallen, dass diesmal kein Baustopp dranhängt? Da gehen die Chancen auf Klageverzichtsgeld wohl gegen Null und man muss das durchziehen. Na gut, muss man natürlich auch hin und wieder mal machen, damit dieses Geschäftsmodell weiter funktioniert.

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