Mann oder Frau? "Da fragt man: Willste ein Küsschen? Dann ist Ruhe."

Niki ist 18 Jahre jung und heißt eigentlich Niklas. Nicht ohne Grund will er Niki genannt werden. Denn: Niklas wurde zwar als Junge geboren – fühlt sich aber seit jeher wie eine Frau und lebt inzwischen auch so. MDR SACHSEN-ANHALT hat Niki getroffen – und mit ihm über Vorurteile, Beleidigungen und selbstbewusstes Auftreten gesprochen.

von Yvonne Hensel, MDR SACHSEN-ANHALT

Porträtaufnahme eines jungen Mannes
Niki ist 18 Jahre jung. Er wurde als Junge geboren, fühlt sich aber als Mädchen – und lebt auch so. Bildrechte: MDR/Yvonne Hensel

"Wenn ich auf der Straße bin, dann schaue ich die Leute an und weiß, das ist eine Frau und das ist ein Mann. Und dann frage ich mich: Was bin ich? Das macht die Sache kompliziert, es ist schwierig", sagt Niki. So möchte der 18-Jährige Niklas aus Sandersdorf-Brehna am liebsten genannt werden. Niki als Spitzname für Niklas.

Niki ist als Junge geboren, fühlt sich aber seit jeher als Mädchen und lebt auch so. Schon als kleines Kind tickte er anders als seine Brüder, tanzte gern, liebte das Ballett und rannte den Brüdern nicht zum Fußball hinterher. Auch kam Niki besser mit Freundinnen als mit Freunden aus. Das Anderssein hat die Familie akzeptiert. Und Niki selbst hat das in der Kita und in der Schule gar nicht so eng gesehen: "Wenn dumme Sprüche kamen, habe ich gekontert, ob sie denn ein Küsschen haben wollen – dann war Ruhe."

Niki liebt das Ballett

Der jetzt 18-Jährige liebt das Ballett. Als Kind hat Niki schon getanzt, als Jugendlicher legte er eine Pause ein, was er heute sehr bereut. Jetzt tanzt Niki in jeder freien Minute beim Wolfener Ballettensemble. Eigentlich war das auch Nikis sehnlichster Berufswunsch. Die Ablehnung von der Palucca-Hochschule für Tanz in Dresden hat den jungen Mann nicht verzweifeln lassen – sondern eher beflügelt, noch mehr zu trainieren.

Ein junger Mann frisiert einer jungen Frau das Haar.
Niki macht eine Ausbildung zum Frisör. Im Laden ist er der Exot. Bildrechte: MDR/Yvonne Hensel

Und beruflich hat er sich auch gefunden. Niki liebt es, aus den Menschen etwas zu machen. Er wird Frisör, ist Azubi bei "Figaro" in Bitterfeld. Chefin Silvana Walter schätzt Nikis Feingefühl bei der Kundenberatung. Das macht ihn bei den Kundinnen sehr beliebt. Er ist der Exot im Laden, hat noch nie etwas Ablehnendes oder Beleidigendes erlebt, sagt er. Und selbst wenn: Niki ist selbstbewusst genug, kleine Spitzen wegzustecken.

Auf der Straße pfeifen mir die Kerle schon hinterher.

Niki aus Sandersdorf-Brehna

Amina ist eine der besten Freundinnen des 18-Jährigen. Sie hat ihn in der Berufsschule kennengelernt und war genauso wie die übrigen Schüler erstaunt, wer da die Schulbank drückt: Mädchen oder Junge? Niki hat äußerlich mit Klamotten und Schminke dezent Tatsachen geschaffen – nach außen eine junge, gepflegte Frau. So wird er auch wahrgenommen und fällt bei neuen Bekanntschaften nicht mit der Tür ins Haus. Der Name Niki lässt den Spielraum, sich selbst ein Bild zu machen und zu entscheiden.

Seit zwei Jahren macht der 18-Jährige keinen Hehl daraus, wie er fühlt, er zeigt es: weiblich. "Auf der Straße pfeifen mir die Kerle schon hinterher", sagt Niki nicht ohne Stolz.

Festlegen? Dafür ist es noch zu früh.

Der 18-Jährige will und kann sich nicht festlegen, sagt er. Er weiß, dass er schon immer lebt, was er fühlt. Andererseits ist ihm auch klar, dass der Körper das Gegenteil ist. Wer bin ich und was will ich sein? Diese Frage treibt Niki gerade um. Und er lässt sich Zeit dafür, bevor er Entscheidungen trifft und an seinem Körper Veränderungen vornehmen lassen würde. So weit ist er noch lange nicht, sagt er.

Und für sein Umfeld ist auch klar: Egal, ob Mann oder Frau, Niki ist ein gut gelaunter Mensch, der andere mitreißen kann, zickig, aber auch bestimmend sein kann – und das macht Niki äußerst sympathisch.

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Bildrechte: MDR SPUTNIK / Sarah (privat)

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 10. Mai 2019 | 14:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Mai 2019, 15:19 Uhr

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5 Kommentare

12.05.2019 11:32 MuellerF 5

>>Wenn dumme Sprüche kamen, habe ich gekontert, ob sie denn ein Küsschen haben wollen – dann war Ruhe.<<

So lange man U14, also strafunmündig ist, mag das gutgehen, später könnte ein solcher Spruch als "sexuelle Belästigung" gelten.

12.05.2019 09:46 Ludwig 4

Das sind natürlich die drängenden Fragen unserer Zeit. Zumindest muss sich Niki nicht vorhalten lassen, ein langweiliger Stino (Stinknormaler) zu sein, was so manche/r heutzutage ja als Höchststrafe ansieht.

12.05.2019 08:10 Sachse43 3

Bald wird es in dieser BRD ganz andere Sorgen geben!
Ich freu mich drauf.