Ein Leben ohne den Fußball So kamen drei Amateurfußballer durch die Corona-Zwangspause

Die Saison der Amateurfußballer ist in Sachsen-Anhalt wegen der Corona-Pandemie abgebrochen worden. Fußballspiele waren wochenlang untersagt. Um sich über die Zwangspause fit zu halten, kamen die Hobbykicker auf seltsamste Ideen. So auch drei Spieler des ESV Petersroda bei Bitterfeld. Das Trio ist mit dem Rad alle 14 Sportplätze der Staffel abgefahren. Eine "Tour de Kreisoberliga" über 150 Kilometer.

Radtour mit Halt am Stadion: Drei Männer machen Rast
An jedem Haltepunkt ein Beweisfoto: Felix Zieschang hält die Kamera hoch, und Mike Schöne (l.) und Sebastian Radke haben sich hinter ihm postiert. Bildrechte: privat

Ein Sonnabend ohne Fußball? "Schrecklich langweilig", sagt Felix Zieschang. Rumsitzen an den spielfreien Wochenenden kommt für den 28-Jährigen vom ESV Petersroda nicht in Frage. Um sich in Corona-Zeiten in Form zu halten, ist er regelmäßig mit dem Fahrrad rund um Bitterfeld unterwegs. Bei einer gemeinsamen Tour mit seinem Mitspieler Mike Schöne kam dann die Idee: "Mike fragte, wie viele Kilometer es wohl wären, wenn wir alle Sportplätze unserer Liga abfahren." Mit diesem Gedanken beginnt das Abenteuer. "Das testen wir!" Mit Sebastian Radke ist ein dritter Mitstreiter schnell gefunden. "Eine verrückte Idee, da war ich sofort dabei".

Die drei Freunde spielen normalerweise gemeinsam beim ESV Petersroda in der Kreisoberliga Anhalt-Bitterfeld. Felix Zieschang ist im Team der Mann fürs Kreative im Mittelfeld, Sebastian Radke variabler Außenverteidiger, Mike Schöne als eisenharter Abwehrrecke bei den gegnerischen Angreifern gefürchtet. "In der Corona-Pause wollen wir mal wieder etwas gemeinsam unternehmen", sagt Schöne, der mit seinen 35 Jahren schon der Älteste in der Männerrunde ist. Zwei Monate haben sich die Kicker auf ihre Tour vorbereitet.

Corona-Zwangspause Statt Fußball per Rad zu allen Spielstätten

Radtour mit Halt am Stadion: Drei Männer machen Rast
Sebastian Radke (v.l.), Felix Zieschang und Mike Schöne wollten nicht länger warten, bis der Fußball wieder rollt, um die Sportplätze ihrer Gegner wiederzusehen. Bildrechte: privat
Radtour mit Halt am Stadion: Drei Männer machen Rast
Sebastian Radke (v.l.), Felix Zieschang und Mike Schöne wollten nicht länger warten, bis der Fußball wieder rollt, um die Sportplätze ihrer Gegner wiederzusehen. Bildrechte: privat
Die markierte Radtour auf einer Karte
Die drei Spieler des ESV Petersroda stiegen lieber aufs Rad und fuhren die Sportplätze ihrer Staffel ab. Bildrechte: privat
Mit dem Rad entlang eines Feldes
150 Kilometer in zehn Stunden. Bildrechte: privat
Mit dem Rad quer durch den Wald
Der Grund: Wegen der Corona-Pandemie musste die Saison im Amateurfußball abgebrochen werden. Statt auf dem Rasen zu kicken, traten sie nun in die Pedale. Bildrechte: privat
Drei Männer in Fußballtrikots im Tor
Was sie nicht davon abhielt, wenigstens ein bisschen Fußballluft zwischendurch zu schnuppern. Bildrechte: MDR/Martin Krause
Radtour mit Halt am Stadion: Drei Männer machen Rast
Und: Erinnerungsfotos zu schießen an diesen seltsamen Fußball-Sommer. Bildrechte: privat
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 04. Juli 2020 | 09:10 Uhr

Dann ging es es los. Start früh um 8 Uhr mit dem Rad am Sportplatz in Petersroda bei Bitterfeld. Die "Tour de Kreisoberliga" beginnt. Erster Stopp im Nachbarort Roitzsch, dann folgen Ramsin, Thalheim, Löberitz, Gölzau und Schortewitz. An jedem Sportplatz legen die drei eine kurze Pause ein. Zieschang: "Natürlich haben wir auch Beweisfotos gemacht." Auch Spieler von anderen Mannschaften sind inzwischen auf die Kicker vom ESV Petersroda aufmerksam geworden. "Einige haben uns sogar ein Stück begleitet", berichtet der 33-Jährige Radke.

Die markierte Radtour auf einer Karte
Die Tour: 150 Kilometer an einem Tag, 14 Sportplätze, 10 Stunden. Bildrechte: privat

Viel Zeit bleibt dem Trio unterwegs aber nicht, denn es geht weiter – zunächst nach Köthen, dann mit Rückenwind zur nächsten Station nach Wulfen. Zeit für ein kühles Getränk. Die Pause haben sich die Spieler von Petersroda verdient, die Hälfte der Strecke ist geschafft. "Bei schönstem Sonnenschein auf dem Rasen eines Konkurrenten liegen – selten hat ein Radler so gut geschmeckt", erzählt Schöne. Dann geht es aber wieder in den Sattel. Über Reppichau führt die Route nach Quellendorf. Hier hätten die drei Kreisoberliga-Kicker eigentlich mit ihrem ESV Petersroda an diesem Tag zum Punktspiel gastieren sollen. "Wir waren kurz vor 15 Uhr da, wir wären bereit gewesen", sagt Radke lachend. Der Gegner lässt sich aber wie erwartet nicht blicken. Die Corona-Pandemie bringt die Leere auf dem Sportplatz mit sich.

Mit dem Rad entlang eines Feldes
Radfahrfreiheit: Auf dem Highway der Provinz. Bildrechte: privat

Die Kicker radeln weiter nach Raguhn. Gegenwind macht den Dreien zu schaffen. Langsam werden die Beine müde. "Aber wir haben uns gegenseitig motiviert", sagt Zieschang. Die Fußballer lernen auf der Tour auch ganz neue Ecken im Kreis Anhalt-Bitterfeld kennen. "Wir sind Wege gefahren, von denen wussten wir bisher gar nichts." Schöne tritt in die Pedalen. Mit dem Stadion in Gröbern wartet der östlichste Punkt der Tour. 18 Uhr ist dann das Ziel in Holzweißig erreicht. 14 Sportplätze in 10 Stunden: 150 Kilometer haben die Kicker auf dem Rad abgespult. "Eine fantastische Erfahrung", findet Zieschang. "Wir haben viel erlebt und eine Menge Spaß gehabt" ergänzt Radke und Schöne ist zu Recht "stolz" auf das Geleistete. Der schönste Platz im Kreis ist übrigens der in Petersroda, da sind sich die drei Hobbykicker – wenig überraschend – einig. "Aber auch andere haben gepflegte Anlagen", sagt Abwehrmann Schöne anerkennend. Ob sie noch einmal eine solche Tour starten würden? Zieschang nickt und sagt ironisch:

Wir können die Sportplätze anfahren, auf denen Mike mal ein Tor geschossen hat – das sind dann nicht ganz so viele Plätze.

Die drei Freunde lachen laut. Die Laune ist ohnehin gut. "Fahrradfahren ist cool, noch cooler aber ist es auf dem Platz" sagt Radke. Sonnabends rollt fortan wieder der Ball. Die Kicker vom ESV Petersroda sind heilfroh, dass mit den jüngsten Lockerungen nun auch Fußballspiele wieder erlaubt sind.

Quelle: MDR/mg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 04. Juli 2020 | 09:10 Uhr

1 Kommentar

Heike1986 vor 5 Wochen

Eine schöne Geschichte über eine inspirierende Idee. Mit Freundschaft, Zuversicht und Lebensfreude durch die Krise geradelt, das finde ich gut. Ich wünsche den Fußballern weiterhin viel Spaß mit Ihrem Hobby und noch viele schöne Spiele!

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