Mit Traktoren 500 Landwirte protestieren vor Umweltbundesamt in Dessau

Vor dem Bundesumweltamt in Dessau-Roßlau haben rund 500 Landwirte protestiert. Die Bauern haben Angst um ihre Existenz und geben dem Bundesamt eine Mitschuld an einer geplanten Verordnung.

Traktoren stehen hintereinander auf einer Straße.
Reih an Reih standen die Traktoren am Donnerstag in Dessau-Roßlau. Bildrechte: MDR/André Damm

Vor dem Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau haben am Vormittag rund 500 Landwirte mit ihren Traktoren gegen die geplante Düngelmittelverordnung protestiert. Zuvor waren die Traktoren laut hupend durch die Innenstadt von Dessau-Roßlau gefahren. Im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT sagten Landwirte, die neue Verordnung treffe sie bis ins Mark und gefährde ihre berufliche Existenz. Weniger Düngen bedeute weniger Erträge.

Goldene Mistkarre als Zeichen der Unzufriedenheit

Um ihre Unzufriedenheit mit dem Umweltbundesamt zum Ausdruck zu bringen, überreichten die wütenden Landwirte UBA-Vizepräsidentin Franziska Kersten eine goldene Mistkarre. Kersten sagte MDR SACHSEN-ANHALT, sie könne die Wut der Landwirte verstehen. Es sei aber nicht angemessen, das Umweltbundesamt dafür verantwortlich zu machen. "Wir arbeiten wissenschaftlich und geben nicht die Politik vor", sagte Kersten.

Die UBA-Vizepräsidentin sprach sich dafür aus, den Dialog zwischen Landwirten und ihrer Behörde dennoch zu stärken. Das Umweltbundesamt sei zu Gesprächen bereit, sagte Kersten.

Gründung einer eigenen Partei?

Menschen stehen bei einer Demo auf einer Asphaltfläche. Im Vordergrund ist rot-weißes Absprerrband gespannt.
Rund 500 Landwirte trafen sich zum Protest vor dem Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau. Bildrechte: MDR/André Damm

Zu dem Protest hatte die Initiative "Land schafft Verbindung" aufgerufen. Deren Sprecher Dirk Andresen sagte im Vorfeld der Demonstration der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Wir fordern eine von Grund auf neue Landwirtschaftspolitik. Wir nehmen eine Politik nicht weiter hin, die die Landwirtschaft in ihrer jetzigen Form abschaffen will." Die Bauernhöfe in Deutschland bräuchten eine Perspektive.

Und Andresen geht noch weiter: "Ich schließe nicht aus, dass wir uns eines Tages auch in Form einer Partei zusammentun". Die Bewegung habe es geschafft, dass sich Tausende Menschen ehrenamtlich für Agrarpolitik engagierten. In den Niederlanden war aus der dortigen Bauernbewegung ebenfalls eine Partei hervorgegangen.

Düngemittelverordnung wurde vom Umweltbundesamt mitentwickelt

Bereits seit Monaten protestieren Bauern deutschlandweit gegen die geplante Verordnung. Sie soll das Düngen in sogenannten roten Gebieten mit hoher Nitratbelastung stark einschränken. Grund ist eine Klage der EU-Kommission gegen Deutschland wegen zu hoher Nitratwerte im Grundwasser. Die EU-Kommission hatte 2018 vor dem Europäischen Gerichtshof Recht bekommen. Die Düngelmittelverordnung war unter anderem aus Vorschlägen des Umweltbundesamtes entwickelt worden.

Der Präsident des Bauernverbandes in Sachsen-Anhalt, Olaf Feuerborn, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Landwirte bräuchten Nitrat, um ihre Erträge zu stabilisieren. "Ohne Nitrat wächst nichts." Feuerborn kritisierte zudem, dass wegen einzelner zu hoher Nitratwerte Landwirte in ganz Deutschland bestraft würden. "Wir Landwirte wollen Nahrungsmittel in ausreichender Menge zur Verfügung stellen, um die Bevölkerung auch in Notzeiten zu ernähren", erklärte Feuerborn weiter.

Weitere Demos fanden am Donnerstag unter anderem auch in Dresden, Hamburg, Kiel, Mainz und Bonn statt.

Traktoren fahren auf einer Böschung entlang.
Rund um das Umweltbundesamt waren Traktoren auf den Straßen unterwegs. Bildrechte: MDR/André Damm

Quelle: MDR/ff,kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 05. März 2020 | 13:00 Uhr

2 Kommentare

Anhaltiner vor 28 Wochen

Viele Tiere, viel Gülle, viel Nitrat im Grundwasser. Die EU schlägt jetzt Alarm und will bis Ende September ein Konzept von Deutschland zur Senkung der gefährlichen Nitrat-Konzentration.Martin Dippe ist Mitorganisator der Demo in Dessau. Nitratwerte im Grundwasser müssten mehr hinterfragt werden, sagt er. Das ist er der schlaue Bauer.

artep vor 28 Wochen

Globalisierung ist der größte Feind aller arbeitenden Menschen. Und zwar der, die mit ihren Händen etwas erschaffen.

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