Ein Mann geht am 31.03.2016 in Bonn (Nordrhein-Westfalen) an dem Original der Tischlampe von Wilhelm Wagenfeld (r) und einem Nachbau (l) vorbei.
Original (rechts) und Nachbau (links): Die Bauhaus-Leuchte von Wilhelm Wagenfeld gilt als Ikone des modernen Industriedesigns (Archivbild). Bildrechte: dpa

Designschule Wo uns das Bauhaus im Alltag begegnet

Für die einen ist es Kunst, auf andere wirkt der Stil kühl und abweisend: Die Bauhaus-Optik gehört hundert Jahre nach der Gründung der Designschule an vielen Stellen zum Alltag – manchmal auch ganz unbemerkt. MDR SACHSEN-ANHALT zeigt zum Bauhausjubiläum, wie sehr die Strömung nach wie vor unser Leben prägt.

Ein Mann geht am 31.03.2016 in Bonn (Nordrhein-Westfalen) an dem Original der Tischlampe von Wilhelm Wagenfeld (r) und einem Nachbau (l) vorbei.
Original (rechts) und Nachbau (links): Die Bauhaus-Leuchte von Wilhelm Wagenfeld gilt als Ikone des modernen Industriedesigns (Archivbild). Bildrechte: dpa

Hundert Jahre ist es her, dass Walter Gropius in Weimar das Bauhaus gegründet hat. Mit vielen Veranstaltungen wird das in diesem Jahr gefeiert, auch in Sachsen-Anhalt. Doch auch wer die Feierlichkeiten nicht so genau verfolgt, hat möglicherweise den ein oder anderen Bauhaus-Moment im Alltag – zum Beispiel direkt bei sich zu Hause. Denn unter den vielen Möbelmärkten sind einige, die nach wie vor auf das Bauhaus-Design setzen. Ein Beispiel: die Eisenmöbelfabrik "L&C" in Stendal.

Die deutlichste Interpretation des klaren, schnörkellosen Bauhaus-Stils sehen Design-Experten aber beim schwedischen Möbelhaus Ikea. Dort gibt es einiges, das dem Bauhaus nachempfunden wurde, meint Professor Nicolai Neubert von der Hochschule Anhalt. Darunter ist zum Beispiel das Billy-Regal, das wohl jeder kennt.

Bauhaus: Einfach, funktional und für alle zugänglich

Das heutige Leben und Wohnen hat insgesamt ziemlich viel mit dem Bauhaus-Design zu tun, findet Produktdesigner Neubert. Einer der Bauhaus-Grundgedanken sei es gewesen, serielle Möbel zu entwerfen, die für viele Menschen gut funktionieren.

In jeder industriellen und seriellen Produktion von Haushaltsgegenständen, Möbeln und anderen Ausstattungsgegenständen finden wir diese Gedanken heute wieder.

Nicolai Neubert, Hochschule Anhalt

Dass man bei Ikea-Möbeln häufig selbst mit anpackt und sie zusammenschraubt, entspricht Neubert zufolge ebenfalls dem Bauhaus-Gedanken. Wer selbst montiere, werde Teil der Wertschöpfungskette und entwickele sich vom reinen Konsumenten zum Nutzer.

Möbel und Einrichtung im Bauhaus-Design

Glas Teeservice 1934
In Möbel- und Einrichtungsgeschäften gibt es etliche Produkte im Bauhaus-Design – oder Dinge, die ans Bauhaus angelehnt neu entworfen wurden. Schlicht und ganz ohne aufwendige Verzierungen kommt etwa diese Teekanne aus, die es so ähnlich auch heutzutage noch zu kaufen gibt. Entworfen hat das Original der Bauhaus-Schüler Wilhelm Wagenfeld. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn
Glas Teeservice 1934
In Möbel- und Einrichtungsgeschäften gibt es etliche Produkte im Bauhaus-Design – oder Dinge, die ans Bauhaus angelehnt neu entworfen wurden. Schlicht und ganz ohne aufwendige Verzierungen kommt etwa diese Teekanne aus, die es so ähnlich auch heutzutage noch zu kaufen gibt. Entworfen hat das Original der Bauhaus-Schüler Wilhelm Wagenfeld. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn
Ein Mann geht am 31.03.2016 in Bonn (Nordrhein-Westfalen) an dem Original der Tischlampe von Wilhelm Wagenfeld (r) und einem Nachbau (l) vorbei.
Auch die Wagenfeld-Lampe (das Original hier rechts im Bild) ist vielen ein Begriff. Auf diesem Foto links ist ein Nachbau zu sehen. Bildrechte: dpa
Eine Lampe im Wagenfeld-Design bei Ikea.
Bei Ikea gibt es eine Interpretation der Wagenfeld-Leuchte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein offen gestaltetes Ikea-Regal aus Holz.
Design-Experten sehen bei Ikea insgesamt die deutlichste Interpretation des klaren, schnörkellosen Bauhaus-Stils. Dieses Regalsystem zum Beispiel ist offen gestaltet und gewährt Einblicke… Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Bauhaus in Dessau-Rosslau
…ähnlich wie Fassade des Dessauer Bauhaus-Gebäudes. Bildrechte: MDR/Tadashi Okochi
Ein offen gestaltetes Ikea-Regal aus Holz.
Das Regal ist transparent gestaltet – man kann sehen, wodurch es zusammengehalten wird. Auch das ist im Sinne des Bauhauses. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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In dem schwedischen Möbelhaus gibt es etliches, das dem Bauhaus-Design nachempfunden wurde. Dieser Beistelltisch zeigt viel Funktionalität, keine verspielten Details, minimalen Montageaufwand. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Zwei Menschen sitzen auf Schwingstühlen von Ikea.
Auch dieser Sessel sieht nach Bauhaus aus… Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Exemplar des ''Freischwinger''-Stuhls von Ludwig Mies van der Rohe steht im ''StadtPalais'', dem neuen Stadtmuseum der Stadt Stuttgart.
…er ähnelt dem Freischwinger von Ludwig Mies van der Rohe, der einst am Bauhaus lehrte. Bildrechte: dpa
An einer orangefarbenen Wand hängen alte Bilder, davor stehen verschiedene Stühle.
Ikea ist nicht das einzige Geschäft, das sich vom Bauhaus inspirieren lassen hat. In Stendal zum Beispiel werden ebenfalls Bauhaus-Möbel hergestellt. 1889 wurde dort die Eisenmöbelfabrik "L&C GmbH" gegründet. Bildrechte: MDR/Alexander Klos
In einem Raum stehen verschiedene Stühle und Tische.
Der Traditionsbetrieb hat allerdings Finanzprobleme und kämpft aktuell ums Überleben. Früher haben mehr als 1.200 Menschen für "L&C GmbH" gearbeitet. Heute gibt es nach Angaben der Geschäftsführung 29 Angestellte.


Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 06.02.2019 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/kb
Bildrechte: MDR/Alexander Klos
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Bauhaus findet man auch am Computer

Severin Wucher lehrt ebenfalls an der Hochschule Anhalt – und meint auch, dass uns das Bauhaus täglich begegnet, selbst am Computer. Denn auch die Schriftart "Arial" basiere auf Ideen, die das Bauhaus entwickelt habe, so der Professor.

Und die Bauhaus-Architektur? Die gibt es in Sachsen-Anhalt an insgesamt mindestens 40 Stätten – und das nicht nur in Dessau, Magdeburg und Halle.

Bauhaus und Orte der Moderne

Das Bauhaus in Dessau.
Das Bauhaus: Da denken viele zunächst natürlich an diesen Dessauer Gebäude-Komplex, der 1926 entstand. Nicht das einzige Werk von Bauhaus-Gründer Walter Gropius, … Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Das Bauhaus in Dessau.
Das Bauhaus: Da denken viele zunächst natürlich an diesen Dessauer Gebäude-Komplex, der 1926 entstand. Nicht das einzige Werk von Bauhaus-Gründer Walter Gropius, … Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Das ehemalige Arbeitsamt in Dessau.
... der beispielsweise auch das historische Arbeitsamt in Dessau entworfen hat. Der mit gelben Ziegeln verkleidete Stahlbau aus dem Jahr 1929 wurde zu einem richtungsweisenden Beispiel für die funktionalistische Architektur. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Schule in Stendal.
Bauhaus-Architektur und Stätten aus der Zeit der Moderne gibt es aber auch an anderen Orten im Land, unter anderem in Stendal. Die Ganztagsschule Comenius im Stil der Neuen Sachlichkeit entstand zwischen 1929 und 1931. Geplant hat sie der Magdeburg Architekt Paul Schaeffer-Heyrothsberge. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Das Diakonissenhaus in Elbingerode.
Das Diakonissen-Mutterhaus in Elbingerode im Harz (erbaut 1934 von Godehard Schwethelm) ist ebenfalls vom Bauhaus inspiriert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Treppenaufgang.
Das Zuhause der Elbingeröder Schwesternschaft ist bis heute gut erhalten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Schwimmbad mit gelben und braunen Kacheln.
Besonders außergewöhnlich: Direkt unter der Kirche befindet sich ein Schwimmbad. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Die Stadthalle in Magdeburg.
Auch die Stadthalle in Magdeburg ist ein Bauhaus-Ort. Sie wurde 1927 nach den Plänen der Architekten Johannes Göderitz und Wilhelm Deffke erichtet – in nur knapp fünf Monaten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine ehemalige Trafostation in Halle.
In Halle gibt es ebenfalls einige Bauhaus-Gebäude. Dazu zählt etwa die Transformatorenstation am Universitätsring – ein Umspannwerk, das Ende der 1920er-Jahre im Zuge der Modernisierung der Stromversorgung in errichtet wurde (Architekt: Wilhelm Jost). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Großgarage Süd in Halle
Der Architekt und Unternehmer Walter Tutenberg erbaute in Halle 1928 die Großgarage Süd – ein Parkhaus nach amerikanischem Vorbild mit 150 Stellplätzen, errichtet im Stil des Neuen Bauens. Die Großgarage war damals der Architektur weit voraus und zählt heute zu den ältesten Parkhäusern Deutschlands. Bildrechte: dpa
Das AOK-Gebäude in Halle.
Auch das AOK-Gebäude zählt zu den Beispielen des Neuen Bauens. Es wurde 1929 bis 1931 nach Plänen des Architekten Martin Knauthe errichtet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Wohnsiedlung in Bernburg: ''Zickzackhausen''.
Und auch zu Bernburg gehört das Bauhaus. Diese Wohnsiedlung am nördlichen Stadtrand wird "Zickzackhausen" genannt. Den Spitznamen verdankt sie den um 90 Grad gedrehten und versetzt angeordneten Häusern.  Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Wohnsiedlung in Bernburg: ''Zickzackhausen''.
Das Beispiel für sozialen Wohnungsbau wurde 1929 vom Architekten Leopold Fischer und dem Gartengestalter Leberecht Migge fertig gestellt.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Das Rathaus von Bitterfeld-Wolfen
Zum landesweiten Netzwerk "Das Bauhaus Dessau und die Orte der Moderne in Sachsen-Anhalt" gehört auch das Rathaus Bitterfeld-Wolfen. Das Haus wurde zwischen 1936 und 1939 erbaut und war früher das Hauptgebäude der ORWO Filmfabrik Wolfen. Mit der Wende verlor die Fabrik an Bedeutung, seit Januar 2010 ist die Stadtverwaltung Mieter des Rundbaus. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn
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Gestalter Severin Wucher von der Hochschule Anhalt sieht das Bauhaus als Lehre, die das Leben in allen Facetten gestaltet.

Das hat mit dem Bauen zu tun, das hat mit den Objekten zu tun und nicht zuletzt auch mit der Art, wie Menschen miteinander kommunizieren und interagieren.

Severin Wucher, Hochschule Anhalt

Miteinander kommunizieren und über das Bauhaus ins Gespräch kommen – das soll demnächst auch im künftigen Bauhaus-Museum mitten in Dessau passieren. Die Eröffnung ist für September geplant.

Das Bauhaus und seine Bedeutung Das Bauhaus gilt als die bedeutendste Kunstschule des 20. Jahrhunderts und als die einflussreichste Stilrichtung aus Deutschland überhaupt. Als erster Leiter setzte Walter Gropius auf die Verbindung von Industrie, Wissenschaft und Kunst. Zudem griff er auch Ansätze des Deutschen Werkbundes und des Expressionismus auf: Schlichte Formen, neue Materialien und kunstvolles Handwerk prägten den Bauhaus-Stil.

Besonders formte das Bauhaus die Architektur und verhalf ihr zum Durchbruch der Moderne. Die Architekten des Bauhauses führten neue Baustoffe wie Stahl, Glas und Beton ein, ließen die ersten industrialisierten Wohnungsbauten für Menschen entstehen – auch aus ärmeren sozialen Schichten. Und sie entwickelten die Idee, dass ein Gegenstand zugleich einfach, schön, funktional und für alle zugänglich sein kann – eine Auffassung von Design, die heute allgegenwärtig ist.

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An einer orangefarbenen Wand hängen alte Bilder, davor stehen verschiedene Stühle.
Als Ideenschmiede des Bauhauses ist vor allem Dessau bekannt. Aber auch in Stendal in der Altmark werden Bauhaus-Möbel hergestellt. 1889 wurde die Eisenmöbelfabrik "L&C" am Stendaler Bahnhof gegründet. Bildrechte: MDR/Alexander Klos

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 30. Januar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2019, 18:20 Uhr

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1 Kommentar

28.02.2019 07:15 Basil Disco 1

Mit der bauhaus-Architektur ist die Unmenschlichkeit zum Gestaltungsprinzip erhoben worden. Die Folgen sieht man bis heute auch an den Scheußlichkeiten, die Magdeburg jetzt in seinen Stadtpark setzen will.

Mies van der Rohe, der Name war und ist Programm.

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