Die Weiße Stadt Wie der Bauhausstil von Dessau nach Tel Aviv kam

Jeder kennt sie, die Autobahnschilder mit der Aufschrift: "Sachsen-Anhalt. Hier macht das Bauhaus Schule." Was viele jedoch nicht wissen: Der Bauhausstil, der vor fast 100 Jahren in Weimar und Dessau entstand, ist nirgends präsenter als in Tel Aviv. In der israelischen Metropole gibt es mehr als 4.000 Häuser, die nach den Ideen des Bauhaus-Gründers Walter Gropius entstanden sind. Ein Besuch vor Ort.

von Stephan Schulz, MDR SACHSEN-ANHALT

Gebäude mit Balkonen im Bauhausstil in Tel Aviv.
Prägend für den Bauhausstil in Tel Aviv sind die große Balkone. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Auf dem Rothschild Boulevard in Tel Aviv pulsiert das Leben. Die Prachtstraße mit ihren gemütlichen Cafés lädt tagsüber zum Flanieren und nachts zum Feiern ein. Links und rechts der Straße stehen Häuser mit großen runden Balkonen. Jüdische Architekten hatten sie in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts auf Sanddünen errichtet. Sie hatten sich unmittelbar von den Ideen des Bauhauses in Dessau inspirieren lassen. Einige von ihnen hatten sogar bei den Bauhausdirektoren Walter Gropius und Hannes Meyer studiert und waren nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten nach Palästina ausgewandert.

So viel Bauhaus wie nirgendwo

Im Zentrum von Tel Aviv errichteten sie über 4.000 Wohnhäuser, die von den Ideen des Bauhauses inspiriert sind. Sie stehen teilweise auf Stelzen, damit die Luft zirkulieren kann. Das Besondere sind die großen, runden Balkone. Als es noch keine Klimaanlagen gab, dienten sie den Bewohnern von Tel Aviv in heißen Sommernächsten als Schlafplatz. In keiner anderen Stadt der Welt gibt es so eine große Ansammlung von Häusern im Bauhausstil wie in Tel Aviv. Sie wird als Weiße Stadt bezeichnet und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Bauhaus in Tel Aviv Die Weiße Stadt

Gebäude im Bauhausstil in Tel Aviv.
In Tel Aviv wurden in den 1930er-Jahren über 4.000 Wohnhäuser auf Sanddünen gebaut. Die Architekten hatten sich vom Bauhaus in Dessau inspirieren lassen. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz
Gebäude im Bauhausstil in Tel Aviv.
In Tel Aviv wurden in den 1930er-Jahren über 4.000 Wohnhäuser auf Sanddünen gebaut. Die Architekten hatten sich vom Bauhaus in Dessau inspirieren lassen. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz
Das Zentrum von Tel Aviv ist geprägt von neuen und alten Gebäuden.
Heute stehen im Architekturviertel der "Weißen Stadt" moderne Hochhäuser neben Gebäuden im Bauhausstil. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz
Ministerpräsident Reiner Haseloff und Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch auf einer Führung durch Tel Aviv.
Dem Bauhaus auf der Spur: Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch und Ministerpräsident Reiner Haseloff schauen sich die Gebäude vor Ort an. Die architektonischen Besonderheiten der Gebäude erklärt ihnen die Leiterin des Denkmalschutzprogramms "White City Center", Sharon Golan-Yaron (r.). Bildrechte: MDR/Stephan Schulz
Bauhausarchitektur in Tel Aviv.
Die Gebäude der "Weißen Stadt" fallen durch ihre großen, runden Balkone auf. Bildrechte: imago/Danita Delimont
Gebäude mit Balkonen im Bauhausstil in Tel Aviv.
Als es noch keine Klimaanlagen gab, schliefen die Bewohner von Tel Aviv im Sommer oft auf diesen Balkonen oder nutzten sie für Familienfeste. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz
Gebäude mit Balkonen im Bauhausstil in Tel Aviv.
Der Großteil der Bauhaus-Gebäude ist sanierungsbedürftig. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz
Max-Liebling-Haus in Tel Aviv.
Die deutsche Bundesregierung fördert den Erhalt der Gebäude im Bauhausstil. So kann auch das Max-Liebling-Haus saniert werden.

Das Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. Mai 2018 | 11:10 Uhr
Quelle: MDR/sp
Bildrechte: MDR/Stephan Schulz
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Den Bauhausstil erhalten

Die Bundesregierung ist am Erhalt des deutsch-israelischen Erbes interessiert. Sie gibt fünf Millionen Euro in einem Zeitraum von zehn Jahren für die Pflege der Bauhaustradition. Forschungsprojekte werden mit dem Geld verwirklicht. Außerdem wird das Max-Liebling-Haus saniert. Es soll im nächsten Jahr zum 100-jährigen Bauhausjubiläum eröffnen. In Israel gibt es kaum Handwerker. Deswegen finden im Max-Liebling-Haus Seminare mit Restauratoren aus Deutschland und anderen Ländern statt. Die Tel Aviver können sich informieren, wie ein Bauhaus erhalten werden kann. Viele der 4.000 Häuser sind in einem schlechten Zustand.

Werben für 100-jähriges Jubiläum

Ministerpräsident Reiner Haseloff und Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch in Tel Aviv.
Ein Spaziergang durch Tel Aviv: Ministerpräsident Haseloff besucht Gebäude im Bauhausstil. Bildrechte: MDR/Stephan Schulz

Auf seiner Israel-Reise hat Ministerpräsident Reiner Haseloff am Montagabend an einer Fachdiskussion zum Thema Bauhaus in Tel Aviv teilgenommen. Am Dienstagnachmittag sprach er auf dem Rothschild-Boulevard mit Tourismusexperten aus Israel, um für das Bauhausjubiläum im kommenden Jahr zu werben.

In Tel Aviv lebt das Bauhaus. Wir haben großes Interesse daran, dass deutsch-israelische Erbe zu bewahren und hoffen natürlich, dass viele Israelis zum 100-jährigen Bauhausjubiläum 2019 nach Sachsen-Anhalt kommen.

Ministerpräsident Reiner Haseloff

Auch die Stiftung Bauhaus hofft zum Jubiläum auf Touristen aus Israel. Direktorin Claudia Perren sagte: "Die Israelis sind sehr reiselustig und ich bin ganz sicher, dass wir viel Besuch aus Israel haben werden." Sie rechnet zudem damit, dass das Interesse an Sachsen-Anhalt 2019 sehr groß sein werde.

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Quelle: MDR/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. Mai 2018 | 11:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2018, 20:59 Uhr

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1 Kommentar

16.05.2018 23:38 part 1

Walter Gropius war irgendwie ein Genie, doch leider verrät uns der Artikel nicht wie viele Häuser in seinen Stiel auf annektierten Gebiet gebaut wurden, wie viele Brunnen zugeschüttet wurden, wie viele Olivenbäume gefällt wurden, wie viele Palästinenser, unter ihnen auch Kinder, inhaftiert wurden oder wie vielen Menschen die Menschnrechte entzogen wurden, weil sie nur Araber sind...
Bei 50 getöteten Palestinensern letzlich ist dieser Artel enorm instinktlos.