100 Jahre Bauhaus: Museum eröffnet Merkel würdigt Bauhaus Museum in Dessau als "wunderbare Sache"

Das Bauhaus Museum in Dessau ist eröffnet. Bei einem Festakt am Sonntag sprach Kanzlerin Angela Merkel von einer "wunderbaren Sache". In Sachsen-Anhalt hoffen die Stadt Dessau und das Land nun auf eine weitere Belebung der Innenstadt. Der Oberbürgermeister spricht gar vom wichtigsten Tag des Jahres für Dessau.

Nach dem Banddurchschnitt zur Eröffnung des Bauhaus Museums Dessau hält Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einen Abschnitt über den Tänzerinnen und Tänzern der Palucca Schule. Mit einem Festakt wird das Museum nach zweijähriger Bauzeit im Jubiläumsjahr 100 Jahre Bauhaus eröffnet. Die Ausstellung trägt den Titel "Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung". Gezeigt werden rund 1000 Exponate, die das Besondere und den weltweiten Einfluss der legendären Schule für Architektur, Kunst und Design darstellen. Der Neubau für 28,5 Millionen Euro wurde nach einem Entwurf spanischer Architekten errichtet. Die Dessauer Bauhaussammlung gilt weltweit als zweitgrößte.
Offiziell eröffnet: Kanzlerin Angela Merkel schneidet mit Ministerpräsident Reiner Haseloff (von links), Claudia Perren von der Stiftung Bauhaus und Oberbürgermeister Peter Kuras symbolisch das rote Band durch. Bildrechte: dpa

Das Bauhaus Museum in Dessau ist offiziell eröffnet. Nach zweieinhalbjähriger Bauzeit wurde das rund 28 Millionen Euro teure Museum am Sonntagvormittag mit einem Festakt eingeweiht. Unter den Gästen war auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die CDU-Politikerin schnitt unter Applaus symbolisch ein rotes Band durch.

Bundeskanzlerin Angela Merkel läuft in Dessau an Mikrofonen vorbei.
Kanzlerin Merkel am Sonntag bei ihrer Ankunft im Bauhaus Museum in Dessau Bildrechte: MDR/Sebastian Mantei

Merkel sagte, es sei eine "wunderbare Sache", dass mit dem Museum in umfassender Weise das Bauhaus und seine Leistungen – von der Architektur bis hin zu Haushaltsgegenständen – gezeigt würden. "Wir spüren die Faszination des Projekts Bauhaus", sagte Merkel. Die Kunst und das Design beeinflusse bis heute, "wie wir bauen, wohnen und gestalten". Sie sei berührt, dass so viele Dessauer am Sonntagvormittag aufgestanden und zum neuen Bauhaus Museum gekommen sein, sagte Merkel. Die Menschen fühlten, dass sich im Zentrum der Stadt etwas verändere; dass Dessau ein neues Zentrum bekomme.

Der Stiftung Bauhaus Dessau und ihren Mitarbeitern wünsche sie, dass sie den "besonderen Geist des Bauhauses lebendig halten", sagte die Kanzlerin.

Ministerpräsident "stolz" auf Dessau und das Museum

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sprach von einem neuen Kapitel in der Geschichte des Bauhauses. Die Palette der Bauhauskunst werde sich nun einer interessierten Öffentlichkeit erschließen, sagte Haseloff und verwies auf die rund 49.000 Exponate zählende Sammlung der Stiftung Bauhaus Dessau.

Menschen stehen in der Innenstadt von Dessau-Roßlau hinter einer Absperrung wegen der Eröffnung des Bauhaus Museums
Vor dem Bauhaus Museum warteten viele Menschen auf die Ankunft von Kanzlerin Merkel. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

In dem neuen Museum sieht der Regierungschef einen "Lern- und Diskursort". Für ihn verkörpere das Bauhaus die Utopie einer besseren Gesellschaft, sagte Haseloff. Er sei stolz auf das Museum und auf Dessau, so Haseloff, der betonte, dass das Museum ohne Verzögerung und wie geplant fertig gebaut worden ist. "Wir haben das Projekt gut zu Ende bekommen. Das ist ein guter Tag für Dessau und für Sachsen-Anhalt."

Das ist ein großartiger Tag für unsere Stadt. Für Dessau-Roßlau ist das der wichtigste Tag des Jahres.

Peter Kuras, Oberbürgermeister von Dessau-Roßlau

Dessau-Roßlaus Oberbürgermeister Peter Kuras (FDP) dankte dem Bund und dem Land Sachsen-Anhalt für die "Finanzierung dieses Millionenprojekts". Ohne die finanzielle Hilfe wäre der Bau des Museums nicht möglich gewesen, sagte Kuras. In dem Bauhaus Museum sieht der Rathauschef einen Impuls für die weitere Belebung der Innenstadt. "Mit der Umgestaltung der Kavalierstraße haben wir ein modernes Umfeld geschaffen, das dem neuen Standort gerecht wird", sagte Kuras. Dass das Museum mitten in der Stadt seinen Platz gefunden hat, sei die "absolut richtige Entscheidung" gewesen.

Festakt, Führungen und Co. Eindrücke von der Eröffnung des Bauhaus Museums in Dessau

Die Fassade des neuen Bauhaus Museums in Dessau, fotografiert mit einem Fischauge.
Dieses Gebäude stand am Sonntag in Dessau im Mittelpunkt: das neue Bauhaus Museum. Nach zweieinhalbjähriger Bauzeit wurde es am Sonntag pünktlich eröffnet – im Jubiläumsjahr 100 Jahre Bauhaus. Bildrechte: MDR/Gaby Conrad
Die Fassade des neuen Bauhaus Museums in Dessau, fotografiert mit einem Fischauge.
Dieses Gebäude stand am Sonntag in Dessau im Mittelpunkt: das neue Bauhaus Museum. Nach zweieinhalbjähriger Bauzeit wurde es am Sonntag pünktlich eröffnet – im Jubiläumsjahr 100 Jahre Bauhaus. Bildrechte: MDR/Gaby Conrad
Ein Mann im Sakko steht lächelnd im neuen Bauhaus Museum in Dessau.
Für Architekt Roberto Gonzalez aus Barcelona ohne Zweifel ein besonderer Moment. Der Entwurf seines Architekturbüros hatte sich aus weltweit mehr als 800 Entwürfen durchgesetzt. Bildrechte: MDR / Gaby Conrad
Dessaus Oberbürgermeister Peter Kuras steht neben einer Kamera und Mikrofonen.
Ein besonderer Tag war der Sonntag auch für Peter Kuras. Der Oberbürgermeister von Dessau-Roßlau sprach beim Festakt zur Eröffnung des Museums von einem "großartigen Tag". Für Dessau sei dieser Sonntag der wichtigste Tag des Jahres. Bildrechte: MDR / Gaby Conrad
Menschen stehen in der Innenstadt von Dessau-Roßlau hinter einer Absperrung wegen der Eröffnung des Bauhaus Museums
Entsprechend groß war auch das Interesse der Dessauer. Nach Schätzungen der Polizei warteten rund 1.000 von ihnen am Sonntagvormittag auf die Ankunft... Bildrechte: MDR/Olga Patlan
Ministerpräsident Reiner Haseloff steht mit Menschen an einer Absperrung.
...von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Auch die Regierungschefin hatte sich nämlich zur Eröffnung angesagt. Um die Wartezeit zu verkürzen, plauderte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) mit wartenden Menschen vor dem Bauhaus Museum. Bildrechte: MDR / Gaby Conrad
Ministerpräsident Reiner Haseloff steht mit Menschen an einer Absperrung und gibt einer MDR-Reporterin ein Interview
Nebenbei gab der Regierungschef MDR SACHSEN-ANHALT-Reporterin Susanne Reh noch ein Interview. Später im Festakt sagte Haseloff, er sei stolz auf Dessau und das Museum. Das sei ein guter Tag für die Stadt und für Sachsen-Anhalt insgesamt. Bildrechte: MDR / Gaby Conrad
Menschen mit Hüten und in Kleidern vor dem neuen Bauhaus Museum in Dessau
Auch sie warteten darauf, das neue Bauhaus Museum besichtigen zu können. Bildrechte: MDR/Olga Patlan
ein Hubschrauber im Himmel
Und dann näherte sich die Kanzlerin: Angela Merkel war am Vortag noch auf Reise in China, nach Dessau wurde sie per Hubschrauber gebracht. Bildrechte: MDR / Gaby Conrad
Sicherheitsleute begleiten Bundeskanzlerin Angela Merkel in Dessau vom Auto zum Bauhaus Museum
Vom Publikum in Dessau wurde sie mit Applaus empfangen. Bildrechte: MDR / Gaby Conrad
Kanzlerin Merkel steht mit Claudia Perren von der Stiftung Bauhaus, Ministerpräsident Reiner Haseloff und Dessaus Oberbürgermeister Peter Kuras vor dem neuen Bauhaus Museum
Klar, dass dann erst einmal die Zeit des obligatorischen Gruppenfotos gekommen war. Es zeigt Merkel mit der Direktorin der Stiftung Bauhaus, Claudia Perren (links), Ministerpräsident Haseloff und Dessaus Oberbürgermeister Kuras. Bildrechte: MDR / Gaby Conrad
Ministerpräsident Reiner Haseloff steht neben der Direktorin der Stiftung Bauhaus, Claudia Perren
Auch Reiner Haseloff und Claudia Perren wurden noch einmal gemeinsam abgelichtet. Bildrechte: MDR / Gaby Conrad
laudia Perren spricht vor Gästen im neuen Bauhaus Museum, neben ihr stehen die Europa-, die Deutschland und die Sachsen-Anhalt-Flagge
Und dann ging es los: Claudia Perren hieß im Eingangsaal des neuen Museums die Gäste willkommen. Sie dankte Bund und Land für die Finanzierung des Bauhaus Museums. Insgesamt sind 28 Millionen Euro in das Museum gesteckt worden. Bildrechte: MDR / Gaby Conrad
Dessaus Oberbürgermeister Peter Kuras spricht im neuen Bauhaus Museum vor Gästen
Ähnlich äußerte sich auch Peter Kuras. Der Oberbürgermeister betonte zudem, dass es die richtige Entscheidung gewesen sei, das Museum im Zentrum der Stadt anzusiedeln. Darüber war lange Zeit kontrovers gestritten worden. Kuras hofft nun auf eine weitere Belebung von Dessau. Bildrechte: MDR / Gaby Conrad
Kanzlerin Merkel und andere Gäste applaudieren im neuen Bauhaus Museum in Dessau
Beim Publikum des Festaktes kamen diese Worte gut an. Bildrechte: MDR / Gaby Conrad
Ein Mann spricht im neuen Bauhaus Museum vor Gästen.
Gleiches gilt für die Festrede von Prof. Hans Ulrich Gumbrecht, der an der Stanford University in Kalifornien lehrt. Er war zur Eröffnung des Museums am Sonntag nach Dessau gekommen. Bildrechte: MDR / Gaby Conrad
Das Publikum hört einem Redner zu.
Zu sehen bekam er – wie die anderen Gäste auch – einen offen gestalteten Eingangsbereich. Für diesen wird übrigens auch kein Eintritt verlangt. Der Eingangsbereich samt Café soll die Dessauer einladen, hereinzukommen und im Museum zu verweilen. Einzig die Ausstellung kostet Eintritt. Bildrechte: MDR / Gaby Conrad
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Kein einheitliches, kein homogenes Bauhaus-Bild

Die Direktorin der Stiftung Bauhaus in Dessau, Claudia Perren, sagte, in dem Museum solle vor allem die Geschichte der Schule Bauhaus in Dessau erzählt werden. "Sie werden beim Rundgang feststellen, dass sich dabei kein einheitliches homogenes Bauhausbild ausmachen lässt", erklärte Perren. Die Chefin der Stiftung Bauhaus dankte unter anderem den mehr als 50 beteiligten Firmen, die in den vergangenen zweieinhalb Jahren am Bauhaus Museum gearbeitet haben.

In das Museum haben der Bund und das Land Sachsen-Anhalt je rund 14 Millionen Euro gesteckt. Auf 1.500 Quadratmetern ist nun endlich Platz für die rund 49.000 Exponate aus der Sammlung der Stiftung Bauhaus in Dessau. Eine größere Bauhaus-Sammlung gibt es weltweit nur in Berlin.

Ausstellungskuratorin Regina Bittner sagte, die Geschichte des Bauhauses solle Besuchern "anders" nahegebracht werden, nicht chronologisch. Das Bauhaus soll nach Bittners Worten als eine Schule, als Lehr- und Lerngemeinschaft gezeigt werden – und als eine Art Versuchsstätte.

Errichtet wurde das Bauhaus Museum nach dem Entwurf des spanischen Architekten Roberto Gonzalez und dessen Büro addenda architects aus Barcelona. Der Entwurf hatte sich aus insgesamt 831 Vorschlägen aus der ganzen Welt durchgesetzt.

Die Öffnungszeiten des neuen Museums Vom 9. September bis 31. Oktober gelten Sonderöffnungszeiten: Täglich von 9 bis 18 Uhr kann die Ausstellung besucht werden. Ab dem 1. November öffnet das Museum täglich von 10 bis 17 Uhr.

Doch bei aller Euphorie: Die Menschen in Dessau sind nicht restlos zufrieden mit ihrem neuen Museum. Vor Jahren schon hatte es zahlreiche Kontroversen um den Bau und vor allem den Standort des Museums mitten im Stadtpark gegeben. Diese Diskussionen sind auch heute nicht vorbei.

Viele Besucher erwartet

Wer das frisch eingeweihte Museum besuchen will, hat dazu ab Sonntagnachmittag die Gelegenheit. Seit dem Nachmittag steht das Museum allen Interessierten offen. Der Eintritt ist frei – allerdings müssen Besucher sich vor Ort registrieren. Am Sonntag darf jeder nämlich nur für rund 30 Minuten ins Innere des Bauhaus Museums – wegen des erwarteten Besucherandrangs.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 08. September 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. September 2019, 13:16 Uhr

35 Kommentare

Jana vor 9 Wochen

Einspruch: Das Argument gegen das Simone argumentiert hat war eine Rente auf Sozialhilfeniveau. Ihre Zahlen belegen, dass so etwas weder im Osten noch im Westen dem Durchschnitt entspricht. Wenn die Menschen im Westen dann noch weitere Rentenbausteine haben, dann ist das umso besser.

Ist doch toll, dass die Frauen in der DDR so viele Arbeitsjahre haben. Ging ja nicht anders ohne Automatisierung und bei der strafandrohung des § 249 StGB der DDR. Die Frauen im Westen waren übrigens nicht fauler. Wenn es keine Kinderbetreuungsinfrastruktur gibt, dann bleibt einem wenig anderes übrig als zu Hause zu arbeiten.

Jana vor 9 Wochen

Was verstehen sie denn unter "adäquat antworten"? Erwachsene und gebildete Menschen sollten es doch auch hinkriegen ihre Kritik ohne Bedrohung oder Beleidigung zu äußern. Was sonst sollte der MDR den noch bei einer persönlichen Kritik herausfiltern?

Noch einmal für sie: Wenn sie Deutscher sind, dann ist Frau Merkel ihre Kanzlerin und wenn sie in diesem Land leben, dann ist unser Strafgesetzbuch auch für sie maßgebend und unsere Verfassung ist auch die ihre. Alles andere ist schlicht und ergreifend kindisch und zeigt, dass man weniger auf unsere Gesetez hält als man gerne behauptet. Niemand kann sich raussuchen, welche Gesetze er akzeptiert und im Zweifelsfall sind die Begriffe Religionsfreiheit und Menschenwürde durch das Verfassungsgericht und nicht durch irgendwelche rechten Demagogen definiert.

Wenn sie erns genommen werden wollen, dann rate ich ihnen zu Argumenten. Was wissen sie denn von unserer Kanzlerin seit 2015? Dass sie wie seit 2005 erneut eine Krise gemeistert hat?

aus Elbflorenz vor 9 Wochen

"Entschuldigung, aber die ständigen DDR Vergleiche aus der rechten Ecke in Bezug auf die Bundesregierung oder unser ganzes Land sind doch völlig lächerlich."
Also ich vergleiche die jetzige BRD gar nicht ständig mir der DDR.
Bin ja zugezogener Wessi und habe neben der DDR auch Rumänien (wo ja auch deutschsprachige Medien in den Touristenorten verkauft wurden) kennengelernt. Daher vergleiche ich die jetzige BRD unter Merkel auch gerne mit der Sozialistischen Republik Rumänine unter Ceaușescu.

Tatsächlich handelt es sich um gesellschaftliche Prozesse, bei denen es um ganz grundlegendere Fragen geht, welche in der DDR (von Rumänien mal ganz zu schweigen) einfach ausgeprägter und besser zu erkennen waren (wie jetzt auch in der Merkel-BRD) als in der Bonner BRD.

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