Feine Sahne Fischfilet am 31.08.2018 in Ferropolis
Die Band "Feine Sahne Fischfilet" ist wegen ihrer politischen Texte umstrittenen. Bildrechte: MDR JUMP/Annekathrin Linge

Politischer Druck Bauhaus untersagt ZDF-Konzert von "Feine Sahne Fischfilet"

Live-Musik in historischer Location – regelmäßig werden Künstler vom ZDF zu der besonderen Konzertreihe zdf@bauhaus eingeladen. Der Band "Feine Sahne Fischfilet" wird dies jetzt verwehrt. Die Stiftung Bauhaus hat untersagt, dass das Konzert der politisch motivierten Band in Dessau stattfindet. Das sorgt nun für Diskussionen.

Feine Sahne Fischfilet am 31.08.2018 in Ferropolis
Die Band "Feine Sahne Fischfilet" ist wegen ihrer politischen Texte umstrittenen. Bildrechte: MDR JUMP/Annekathrin Linge

Die Stiftung Bauhaus hat dem ZDF die Austragung eines Konzerts mit Punkband "Feine Sahne Fischfilet" untersagt. Damit macht die Stiftung von ihrem Hausrecht Gebrauch. Das Konzert hätte im Rahmen der Konzert-Reihe zdf@bauhaus in der heutigen Mensa des Bauhauses in Dessau am 6. November aufgezeichnet werden sollen.

Stiftung nimmt Abstand von politischer Agitation

Die Stiftung begründete in einer Stellungnahme die Absage mit der politischen Ausrichtung der Band. Das Bauhaus solle nicht zum Austragungsort politischer Agitation und Aggression werden. "Politisch extreme Positionen, ob von rechts, links oder andere finden am Bauhaus Dessau keine Plattform, da diese die demokratische Gesellschaft – auf der auch das historische Bauhaus beruht – spalten und damit gefährden", teilte die Stiftung mit.

Die Stiftung habe unmittelbar nach der Veröffentlichung des Konzerts beobachtet, dass rechte Gruppierungen in sozialen Netzwerken dagegen mobilisieren. Das Bauhaus befürchte Demonstrationen vor der eigenen Tür. Die linksgerichtete Punkband "Feine Sahne Fischfilet", die vorübergehend vom Verfassungsschutz beobachtet worden war, hat zuletzt auf dem Konzert #wirsindmehr gegen Rechtsextremismus in Chemnitz gespielt.

ZDF bedauert den Schritt der Stiftung

Das ZDF reagierte mit Bedauern auf die Entscheidung der Stiftung Bauhaus Dessau. "Das ZDF plant weiterhin die Aufzeichnung eines Konzerts zum aktuellen Album der Band", hieß es am Donnerstag aus Mainz. Es werde derzeit nach einem alternativen Veranstaltungsort gesucht, das dem Sendungskonzept entspräche. Die zdf@bauhaus-Konzerte verbinden Live-Musik in intimer Atmosphäre mit journalistischen Interviews der Künstler.

Diskussion auch auf politischer Ebene

Der geplante Auftritt der Band hatte auch auf landespolitischer Ebene für Diskussion gesorgt. Laut Mitteldeutscher Zeitung sagte Regierungssprecher Matthias Schuppe: "Die Einladung der Band ist schwer bis nicht nachvollziehbar." Weder die Stiftung Bauhaus noch das Ministerium seien in die Programmplanung eingebunden gewesen.

Sven Schulze, Generalsekretär der CDU Sachsen-Anhalt und Abgeordneter der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament
Sven Schulze, CDU-Europaabgeordnete Bildrechte: Sven Schulze

Der CDU-Europaabgeordnete Sven Schulze äußerte sich am Donnerstag per Twitter ähnlich kritisch. Er schrieb: "Das im Bauhaus in Dessau auf Einladung des ZDF eine Band auftreten soll, in deren Texten es u. a. heißt: 'Die Bullenhelme, sie sollen fliegen, eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein' ist völlig zu Recht nicht akzeptabel. Dieses Konzert muss abgesagt werden!" Und begrüßte schließlich die Entschiedung der Stiftung "Gut und richtig, dass hier jetzt die Notbremse gezogen wird!"

Die SPD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalts zeigte sich besorgt über die Äußerungen der Staatskanzlei und der damit ausgelösten Reaktion. Die frühere Justizministerin Angela Kolb-Janssen bezeichnete es als "hoch problematisch", wenn von staatlicher Seite gegen ein Kulturprogramm vorgegangen werde. "Ich erwarte, dass niemand aus der Landesregierung versucht, in die Programmarbeit in Dessau inhaltlich hineinzuregieren", so die Sozialdemokratin.

Angela Kolb (SPD), ehemalige Justizministerin von Sachsen-Anhalt
Bildrechte: dpa

Ich erwarte, dass niemand aus der Landesregierung versucht, in die Programmarbeit in Dessau inhaltlich hineinzuregieren.

Angela Kolb-Janssen, SPD-Landtagsabgeordnete
Cornelia Lüddemann
Cornelia Lüddemann, Grünen-Fraktionsvorsitzende Bildrechte: privat

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Cornelia Lüddemann kritisierte den Schritt der Stiftung Bauhaus, dem ZDF das geplante Konzert zu untersagen und teilte mit: "Das Bauhaus ist 1932 auf Betreiben der Nazis aus politischen und ideologischen Gründen geschlossen worden. Jetzt aus politischen Erwägungen in die Programmgestaltung des ZDF einzugreifen, halte ich für gefährlich geschichtsvergessen", so die Grünen-Politikerin.

Stimmen aus der Opposition

Auch die Opposition in Sachsen-Anhalt ist bei der Debatte geteilter Ansicht. Die Stellvertretende Linken-Fraktionsvorsitzende Henriette Quade twitterte am Donnerstag: "Es ist so bitter. Die Nazis vertrieben das Bauhaus aus Dessau. Jetzt pöbeln die Nazis gegen ein Konzert einer linken Band und das Bauhaus reagiert mit einer Ausladung der Band. Nebenher greift die Staatskanzlei in Kunst- und Pressefreiheit ein."

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Andreas Mrosek, der selbst aus Dessau kommt, kritisierte die Einladung des ZDF bereits vor deren Absage mit den Worten: "Es ist ein Skandal, dass ein von Zwangsabgaben finanzierter und zur Ausgewogenheit verpflichteter öffentlich-rechtlicher Sender einer linksextremistischen Band ein solches Forum bietet." Nach Bekanntwerden der Absage kommentierte Mrosek diese bei Facebook mit "AFD wirkt!".

Die Band "Feine Sahne Fischfilet" hat sich bis zum Donnerstagabend nicht offiziell zur Entscheidung der Stiftung Bauhaus geäußert.

Quelle: MDR/pat,ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18. Oktober 2018 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2018, 20:20 Uhr

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193 Kommentare

21.10.2018 10:05 Anna Müller 193

Ich halte das für eine ganz profane Entscheidung.
Man möchte sich das frisch sanierte Bauhausgelände unmittelbar vor dem anstehenden Jubiläum nicht durch Chaoten aller Couleur zerlegen lassen.

Insoweit würde ich es verstehen, wenn es von diesen Musikern in Dessau gar keinen Auftritt geben würde.

21.10.2018 01:15 Nunske 192

So, nach dem ich fast alle Kommentare gelesen habe, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich nochmalig zu äußern:
Es ist schon toll, das es so viele Meinungen, egal ob für oder wider, zu diesem Thema gibt. Das zeugt von Interesse u. nicht "tot sein", Danke dafür.
Ich bin allerdings der Meinung, das diese Diskussion jetzt ausgeschöpft sein sollte, es ist alles gesagt. Vielmehr sollte sich unsere Energie auch anderen Themen zu wenden, die zwar sehr unbequem, aber nicht minder wichtig sind. Mich lässt das Gefühl nicht los, das unser Aufreiben über diese Sache, links oder rechtsextrem, so gewollt ist. Der "Mopp" reibt sich auf, vergisst u. verschwendet seine Kraft so nicht mehr für die existenziellen Dinge in unserer Gesellschaft, bzw Gesellschaftsordnung. Das Problem ist hausgemacht u. gewollt, um uns abzulenken von den Machenschaften, die uns kaputt macht. Die Demokratie existiert nicht mehr, wir werden nur noch für dumm verkauft. Kapital+ Macht=Kapitalismus! Augen auf+ aufgepaßt!!!

20.10.2018 20:12 Benutzer 191

20.10.2018 13:02 Lukas

aha. Nur weil man es nicht mehr spielt. Ist alles nicht mehr so schlimm.

Und warum schreiben sie immer nur von Polizeigewalt?

Interesant zu lesen wie sie Extremismus befürworten