Eine Weide
Seit 2009 ist die Oranienbaumer Heide Nationales Naturerbe. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Experiment geglückt Oranienbaumer Heide: Vom Truppenübungsplatz zum Naturerbe

Vergrabene Munition, unwegsames Gelände, wuchernde Büsche – als die Oranienbaumer Heide bei Dessau 2009 zum Nationalen Naturerbe erklärt wurde, wusste niemand so recht, wie sich der frühere Truppenübungsplatz entwickeln würde. Inzwischen hat sich die größte zusammenhängende Weidefläche des Landes in eines der artenreichsten Gebiete Sachsen-Anhalts verwandelt und ist zum beliebten Naherholungsgebiet geworden.

von Martin Krause, MDR SACHSEN-ANHALT

Eine Weide
Seit 2009 ist die Oranienbaumer Heide Nationales Naturerbe. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Fünf Autominuten von Dessau sind es bis ins Paradies. Plötzlich lichtet sich der Wald und gibt den Blick frei auf eine atemberaubende Heidelandschaft. Tausende Sand-Strohblumen leuchten gelb zwischen kleinen Kiefern und silbrig weißen Birkenbäumchen. Bunte Schmetterlinge flirren durch die Luft, Vögel zwitschern, es duftet nach Sommer.

Eine Frau steht auf einer Weide und hält ein Pflänzchen in der Hand.
Katrin Henning, Doktorin im Fachbereich Landschaftsentwicklung Bildrechte: MDR/Martin Krause

"Es ist wundervoll hier, die Ruhe, die Natur, einfach schön", sagt eine Spaziergängerin. "Wir kommen oft in die Heide, es ist einfach erholsam", ergänzt ihr Mann. Die beiden laufen den schmalen Sandweg entlang. Links und rechts herrscht "Lebensgefahr". Schilder warnen vor dem Verlassen der Wege. Die Oranienbaumer Heide ist "kampfmittelbelastet". Als die Sowjetarmee 1992 den Standort verließ, zeigte sich auf weiten Flächen des Truppenübungsplatzes ein hohes Naturpotential. "Das Gebiet lag dann aber 20 Jahre brach", sagt Katrin Henning, Doktorin im Fachbereich Landschaftsentwicklung an der Hochschule Anhalt in Bernburg. Die Oranienbaumer Heide drohte zu verwildern, ihren einzigartigen Charakter zu verlieren.

Weide statt Heide

Pferde stehen auf einer Koppel.
Etwa 50 Konikpferde leben nun hier. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Traditionelle Pflegemaßnahmen mit technischen Großgeräten sind im munitionsbelasteten Areal nicht umsetzbar. Die Wissenschaftler starteten daher ein einzigartiges Projekt. Ein Experiment. Aus der Heide wurde kurzerhand eine Weide, erklärt Henning: "30 Kilometer Weidezäune wurden auf der 800 Hektar großen Fläche gezogen." Hier leben nun etwa 50 Konikpferde und gleichviele Heckrinder. Die robusten, pflegeleichten Tiere durchstreifen ganzjährig die Fläche zwischen Dessau-Roßlau, Oranienbaum und Möhlau, halten Gras und Gehölze kurz.

Die Herden sind zudem beliebtes Fotomotiv. Die zutraulichen Konikpferde lassen sich sogar streicheln. "Die Tiere sorgen dafür, dass die Heidelandschaft erhalten bleibt", sagt Henning.

Mehr als 800 Pflanzenarten

Das Experiment ist geglückt. Der Lebensraum für seltene und bedrohte Arten konnte bewahrt werden. Mehr als 800 Pflanzenarten kommen in der Heide vor, darunter Berg-Haarstrang, die Heide-Nelke oder das zierliche Schillergras. Auch Tierarten, die auf eine solche Kulturlandschaft angewiesen sind, haben sich hier angesiedelt, wie der Wiedehopf, die Heidelerche und der Ziegenmelker. "Wir registrieren sogar eine Zunahme der Artenzahl", bilanziert Wissenschaftlerin Hennig.

Die Oranienbaumer Heide hat sich in zehn Jahre als Nationales Naturerbe wundervoll entwickelt. Ein echtes Naturparadies. Fünf Autominuten entfernt von Dessau. 

Eine Birke mit einem Hinweisschild am Stamm.
Schilder weisen auf die Kampfmittelbelastung hin und warnen davon, vom Weg abzuweichen. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. Juli 2019 | 14:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2019, 11:33 Uhr

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1 Kommentar

13.07.2019 14:09 Roswitha 1

Ich wohne in Jüdenberg.Es ist gut, dass eine geringe Nutzung wieder möglich ist. Aber sollte nicht der Verursacher für die Beseitigung der Kampfmittel verantwortlich sein? Das nervt mich auch jedesmal wenn es um amerikanische und englische Fliegerbomben geht.Diese Kosten müssten den sog. Siegermächten in Rechnung gestellt werden.Ganz abzusehen von der Gefahr für die Kampfmittelbeseitiger.

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