Konzertabsage Das Bauhaus setzt seinen guten Ruf aufs Spiel

Vor gut einer Woche hat eine Konzertabsage das Dessauer Bauhaus in seinen Grundfesten erschüttert. Das Bauhaus untersagte den Auftritt der Punkband "Feine Sahne Fischfilet" – aus Furcht vor rechten Protesten. Die Folge war starke mediale Kritik. Es folgten Künstler-Proteste und politische Debatten. Und im Zentrum der Kritik stand das Dessauer Bauhaus, das am Freitagabend seine Pressesprecherin freistellte. Wie groß ist jetzt die Krise? Eine Einschätzung unseres Reporters im Studio in Dessau.

von André Damm, MDR SACHSEN-ANHALT

Projektion ZDF@BAUHAUS
Im Zentrum der Kritik: die Stiftung Bauhaus in Dessau Bildrechte: IMAGO

Eine Woche hat ausgereicht, um einen international guten Ruf aufs Spiel zu setzen. Doch das hat das Dessauer Bauhaus selbst zu verantworten. Ohne Not wurde eine Debatte über den Auftritt einer Punkband angezettelt, die vielen bisher unbekannt war. Als "Feine Sahne Fischfilet" Ende August in Ferropolis spielte, gab es kaum mediale Resonanz. Warum nun also der Aufschrei beim Klubkonzert in der Reihe ZDF@Bauhaus?

Lag es an der Empörung, die Vertreter der AfD frühzeitig äußerten? Oder hatte es mit aufgebrachten Kommentaren aus dem rechtsextremen Lager zu tun, die in sozialen Medien die Runde machten? 

Pressesprecherin muss gehen Die Diskussion um das abgesagte Konzert im Bauhaus hat erste personelle Konsequenzen: Wie die Stiftung Bauhaus am Freitag mitteilte, wurde Pressesprecherin Helga Huskamp freigestellt. Dies sei eine temporäre Entscheidung, hieß es. Zu den Gründen äußerte die Stiftung sich nicht.
Stiftungsdirektorin Claudia Perren hatte bereits vor einigen Tagen in der "Zeit" kommunikative Fehler eingeräumt. "Wir hätten sehr viel direkter kommunizieren müssen, was die zwei Gründe für diese Absage sind", so Perren.

Wie auch immer – das Bauhaus als Vermieter der Bauhaus-Bühne hätte die Größe haben müssen, dem ZDF als langjährigen Partner zu vertrauen. Und es hätte auch die Größe haben müssen, dem Staat zu vertrauen, der im Zweifel die Veranstaltung hätte absichern müssen. Stattdessen wurde die große Keule hervorgeholt: ein Auftrittsverbot; die Kontroverse mit dem ZDF; der Verweis auf das Hausrecht. Begründet wurde der ungewöhnliche Schritt mit schwammigen Erklärungen: Man wolle jeglicher Aggression keine Plattform bieten, außerdem sei das Bauhaus ein unpolitischer Ort. 

Das Bauhaus hat sich weithin blamiert

Mit diesen Aussagen, die mit dem Stiftungsvorsitzenden, Staatsminister Rainer Robra, wohl abgestimmt waren, hat sich das Bauhaus weithin blamiert. Da war die spätere verbale Kehrtwende, dass man sehr wohl politisch sei und weiterhin gesellschaftliche Zeichen setzen wolle, nur ein peinlicher Versuch der Schadensbegrenzung.

Dr. Claudia Perren, Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau
Die Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau, Claudia Perren, steht in der Kritik. Bildrechte: dpa

Künstler, Architekten, Museumsleiter aus dem In-und Ausland reagierten zu Recht mit Unverständnis. Vollkommen richtig war auch die Diskussion darüber, wie politisch die Stiftungsräte sein dürfen. Beim Dessauer Bauhaus sitzen nur Politiker im Stiftungsrat. Profunde Sachkenntnis ist offenbar nicht vonnöten. Vielleicht hat die unselige Konzertabsage dazu beigetragen, dass die Struktur der Kontrollgremien reformiert wird. Denkbar wäre eine paritätische Besetzung aus Vertretern der Politik und der Zivilgesellschaft.

Beim Dessauer Bauhaus sitzen nur Politiker im Stiftungsrat. Profunde Sachkenntnis ist offenbar nicht vonnöten.

Ein übler Beigeschmack bleibt

Ein übler Beigeschmack bleibt dennoch. Überrascht hat nämlich auch die unverhohlene Häme der Bauhaus-Kollegen aus Berlin und Weimar, die sich sofort als Konzertstandort ins Gespräch brachten und dabei nicht mit Kritik sparten. Beim Ringen um Renommee und Aufmerksamkeit im Vorfeld des Großjubiläums "100 Jahre Bauhaus" im kommenden Jahr scheint die Bauhaus-Familie zerstritten wie nie. Berlin und Weimar bringen sich als die wirklichen Bauhaus-Zentren in Stellung, begünstigt durch den schweren Ausrutscher der Dessauer.

Und was macht eigentlich die Band Feine Sahne Fischfilet? Die Musiker werden trotzdem in Dessau spielen. Jetzt heißt es: Brauhaus statt Bauhaus.

MDR-Reporter André Damm
Bildrechte: André Damm

Über den Autor André Damm, geboren und aufgewachsen in der Lutherstadt Wittenberg, arbeitet seit 1998 für MDR Sachsen-Anhalt. Mit Vorliebe widmet er sich Themen aus Politik, Wirtschaft und Kirche.
Im Einsatz ist er vor allem in der Region Anhalt und Wittenberg, hauptsächlich für den Hörfunk, aber auch für Online und Fernsehen. André Damm hat 1990 bei der Mitteldeutschen Zeitung volontiert, danach an der Universität Leipzig Journalistik und Politikwissenschaften studiert. Seine ersten Radioerfahrungen machte er ab 1994 als Berichterstatter für MDR Radio-Sachsen in Leipzig und Görlitz; regelmäßig arbeitet er noch für MDR-Aktuell als Autor, Redakteur und Moderator. Der begeisterte Schach-und Tischtennisspieler lebt in Bad Schmiedeberg, tummelt sich viel in der Dübener Heide und natürlich in Wittenberg. Gern reist er auch nach Tangermünde, Wernigerode und nach Wörlitz - ein Höhepunkt ist immer wieder ein Besuch des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs.

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Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 27. Oktober 2018 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2018, 14:27 Uhr

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68 Kommentare

29.10.2018 14:21 Ralf Eckl 68

Nach 1933 haben es die Rechten wieder geschafft, Mitarbeiter des Bauhauses Dessau aus ihren Positionen zu entfernen!

So etwas darf in 2018 nicht passieren!

29.10.2018 13:20 ines 67

"Das Bauhaus setzt seinen guten Ruf aufs Spiel"
Das ist tendenziöse und vor-verurteilende Berichterstattung! Pfui an den MDR... !!!
Irgendwie müssen die "Schmierfinken" ja auf dem Rücken anderer Auflage machen.

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Es handelt sich um eine Einschätzung unseres Reporters, also um eine Meinungsäußerung. Die Schlagzeile ist sicher nicht vorverurteilend.

29.10.2018 11:50 Otto Freundlich 66

Die Stiftung Bauhaus Dessau entledigt sich seiner inhaltlichen Geschichte und wird zur Folklore. Das sagt einiges über den "Konservatismus" in Sachsen-Anhalt aus. Echte Inhalte wollen die Konservativen und andere Rechte gar nicht. Ihnen geht es immer um politisch befreite Folklore, idealerweise um damit ein "wir gegen die anderen" zu schaffen. "Folklore über alles", sozusagen.

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