Jüdisches Leben Geld für Synagogen-Neubau in Dessau

Seit 1945 wurden auf dem Gebiet von Sachsen-Anhalt keine neuen Synagogen gebaut. Jetzt sind gleich zwei in Planung – neben Magdeburg auch in Dessau. Für letztere gab es nun knapp zwei Millionen Euro. Nach dem Anschlag von Halle liegt ein Fokus auch auf Sicherheit.

Ministerpräsident Reiner Haseloff überreicht einen Scheck an den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Dessau, Alexander Wassermann.
"Das Judentum gehört zu Deutschland", betonte Ministerpräsident Haseloff (r.) bei der Übergabe der Förderzusage. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Die Jüdische Gemeinde zu Dessau hat finanzielle Unterstützung für ihren geplanten Synagogen-Neubau erhalten. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) übergab am Mittwoch einen Fördermittelbescheid in Höhe von knapp 1,9 Millionen Euro. Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Mark Dainow, überreichte einen symbolischen Scheck über 100.000 Euro.

Haseloff sprach von einem besonderen Tag. Jüdisches Leben werde in Dessau wieder sichtbar, und zwar dort, wo einst die alte Synagoge stand. Darüber sei er sehr glücklich, so Haseloff.

Von Dessau geht heute eine sehr wichtige Botschaft aus: Das Judentum gehört zu Deutschland.

Ministerpräsident Reiner Haseloff

Ursprünglich waren rund 1,7 Millionen Euro an Fördermitteln vorgesehen. Weitere rund 100.000 Euro stellt das Land nun für die Finanzierung von "baulichen Sicherheitskosten" zur Verfügung, wie ein Sprecher auf Anfrage erklärte. Die Entscheidung dafür sei nach dem Terroranschlag auf die Synagoge von Halle getroffen worden. 700.000 Euro kommen vom Bund, der Rest wird durch Toto-Lotto-Einnahmen, Mittel der Stadt und private Spenden finanziert.

Nach Anschlag in Halle: "Wir lassen uns nicht vertreiben"

Mit Blick auf den Anschlag von Halle sagte Mark Dainow, Vize-Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland: "Trotz dem, was wir an Jom Kippur in Sachsen-Anhalt erlebt haben, sind wir immer noch hier. Wir bleiben hier und lassen uns von solchen Verrückten nicht vertreiben." Die Synagoge sei ein Signal, dass Toleranz und Vielfältigkeit in der Stadt leben, so Dainow.

Für Alexander Wassermann, den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Dessau, geht mit dem Synagogenbau ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: "Das ist unser Traum. Wir sind dankbar, dass wir von der Regierung Unterstützung für den Bau unserer Synagoge bekommen. Das ist wichtig für uns, für die Stadt und auch für den Tourismus."

Neubau auf historischem Gelände

Herbstlich gefärbte Bäume stehen auf einem Grundstück neben dem Haus der Jüdischen Gemeinde in Dessau.
Die Synagoge soll neben dem Haus der Jüdischen Gemeinde entstehen. Bildrechte: dpa

Die 1908 eingeweihte frühere Synagoge wurde am 9. November 1938 im Zuge der nationalsozialistischen Novemberpogrome ausgeplündert und niedergebrannt. Seit 1994 gibt es wieder eine Jüdische Gemeinde in Dessau, die von Zuwanderern gegründet wurde. Auf dem Grundstück der alten Synagoge soll nun bis Ende nächsten Jahres der Nachfolgebau entstehen – mit moderner Optik aus Stein und Glas.

Direkt daneben befindet sich das Gemeindehaus, das ebenfalls ausgebaut wird. Dort treffen sich die etwa 300 Mitglieder der Jüdischen Gemeinde aktuell regelmäßig in einem viel zu kleinen Gebetsraum.

Quelle: kna, dpa, MDR/olei,kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 12. Februar 2020 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2020, 18:57 Uhr

6 Kommentare

Peter vor 8 Wochen

Ich finde es angenehm, dass es wohl einen Konsens gibt, dass die Mitglieder anderer Glaubensrichtungen das Recht haben, auf deutschem Boden in einem eigenen Gotteshaus zu beten.

Dreibeiner vor 8 Wochen

Sehr guter und notwendiger Schritt für unseren inneren Frieden, denn wenn sich Magdeburger CDU von Rechtsextremen tolerieren lässt könnten diese Gelder für Synagoge stoppen.

Eulenspiegel vor 7 Wochen

Hallo Peter
Es ist nicht nur Konsens. Es ist auch verfassungsmäßig garantiertes Grundrecht.

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