Einweihung in Dessau-Roßlau Erste Helmut-Kohl-Straße in Sachsen-Anhalt

Die erste Helmut-Kohl-Straße Sachsen-Anhalts gibt es in Dessau-Roßlau. Das Straßenschild wurde am Mittwoch enthüllt. In Gedenken an den Altkanzler wurde ein Teil der Ludwigshafener Straße umbenannt. Diese Entscheidung erfreut allerdings nicht alle Dessauer.

Straßenschilder Helmut-Kohl-Straße werden enthüllt
Das Straßenschild wurde am Mittwoch enthüllt. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau

Dessau-Roßlau hat seit Mittwoch eine Helmut-Kohl-Straße. Wie eine Reporterin von MDR SACHSEN-ANHALT berichtet, wurden dazu entsprechende Straßenschilder aufgestellt. Die Straße zum Gedenken an den verstorbenen Altkanzler ist die erste in Sachsen-Anhalt. Proteste von Gegnern der Kohl-Straße hat es am Mittwoch nicht gegeben.

Straßenschilder Helmut-Kohl-Straße
Ein Teil der Ludwigshafener Straße wurde umbenannt. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Stadtrat, Eiko Adamek, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Kohl habe viele Verbindungen nach Dessau-Roßlau gepflegt. Er habe im Jahr 1988 die Städtepartnerschaft zwischen Dessau und Ludwigshafen maßgeblich initiiert. Dadurch habe die Stadt viel Unterstützung erfahren, nach der Wende oder beim Jahrhunderthochwasser 2002. Adamek verwies darauf, dass der Altkanzler außerdem lange Vorsitzender des Kuratoriums der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs gewesen sei und sich für die Rückkehr der Cranach-Bibel nach Dessau stark gemacht habe.

Dessauer wollen keine Kohl-Straße

Adamek und die CDU-Fraktion hatten seit Oktober vergangenen Jahres für den Namen Helmut-Kohl-Straße stark gemacht. Der Stadtrat hatte dem Vorschlag zugestimmt und eine Umbenennung beschlossen. Bürger und Gegner einer Helmut-Kohl-Straße machen seitdem gegen die Umbenennung mobil und haben Hunderte Unterschriften gesammelt. Anwohner müssen ihre Papiere laut Stadtverwaltung aber nicht ändern lassen. Die Dokumente behielten ihre Gültigkeit, hieß es. Es kommen daher keine Kosten auf die Bewohner zu.

Proteste auch in Burg

Auch in anderen Städten in Sachsen-Anhalt war zeitweise ein Gedenken an den verstorbenen Altkanzler geplant, darunter in Burg. Dort soll es nach dem Willen des Stadtrates künftig einen Helmut-Kohl-Platz vor dem Landratsamt geben. Ein entsprechender Bürgerentscheid dagegen war vergangenen Sonntag gescheitert, weil sich zu wenige Menschen an der Abstimmung beteiligt hatten. Die endgültige Entscheidung wird nun der Stadtrat von Burg treffen.

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Quelle: MDR/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 21. März 2018 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2018, 13:43 Uhr

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16 Kommentare

23.03.2018 23:06 Rasselbock 16

@Susan: Mit oder ohne Kohl, die Einheit wäre so oder so gekommen. Die ineffektive Wirtschaft der Sowjetunion und oft nicht weltmarktfähige Produkte der DDR Industrie, hervorgerufen durch planwirtschaftliche Fehler, haben dieEinheit verursacht. Die Sowjetunion hat ihre Besatzungszone verkauft, dachte mit dem Erlös kann sie sich selbst retten. Das funktionierte nicht. Man hätte die Wirtschaft reformieren müssen, eine Art sozialistische Marktwirtschaft hätte man gebraucht. Das war aber revisonistisch, wurde verteufelt aus ideologischen Gründen. Das damalige Modell eines sogenannten Sozialismus war so nicht zu retten, aus die Maus. Ihre linke Sozialromantik können Sie gerne pflegen, nur, sie ist so in die Vergangenheit gerichtet und wird scheitern.

23.03.2018 21:06 Susan 15

@13: Wenn es Kohl nicht gegeben hätte, hätte vermutlich wer anders früher oder später die lange geplante Annektion vollzogen, notfalls wohl irgendwann mit einem Krieg. Der kapitalistische Markt drängt immer danach, jedes Land, jedes Fleckchen zu vereinnahmen, zu verwerten. Wären die DDR-Bürger nicht so blöde gewesen, hätten wir unter Umständen hier nicht 15 Millionen Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, nicht rund eine Mio Obdachlose, nicht 6,3 Mio H4-Bezieher, und nicht Mio arme Rentnern. Wir hätten keine Leihfirmen, keine Tafeln. Und wir müssten unsere Arbeitskraft nicht an stinkreiche Kapitalbesitzer verkaufen. Betriebsleiter konnte man nämlich absetzen, wenn sie Mist gebaut hatten. Versuchen Sie das mal mit einem Großaktionär. Allerdings ist wirklicher Sozialismus in einem Land inmitten des kap. Marktes nie möglich, solange die Abhängigkeit mangels eigener Rohstoffe vom Markt bestehen bleibt und die Kapitalisten Waffen auf dieses Land richten.

23.03.2018 16:43 pickering 14

@13
Im Kontext der Benennung einer Strasse zu sagen:
"Dass Helmut Kohl nicht wollte, dass man nach ihm Strassen benennt, tut hier nichts zur Sache",
auch wenn sie es geringfuegig anders formuliert haben, ist schon sehr demagogisch.
An Helmut Kohl streiten sich die Geister, das ist nunmal Fakt.
Ich will die Pros und Kontras hier gar nicht aufzaehlen.
Es ist offensichtlich so, dass er das selber nicht wollte
(wobei ich genaugenommen keinen verlaesslichen Beleg dafuer habe),
aber wenn dem tatsaechlich so ist, dann sollte man dass auch respektieren,
zumal ich davon ausgehe, dass sich massiv Widerstand auftut,
ich sag nur Stichwort "Sachbeschaedigung".