Mit Flexibilität durch die Coronazeit Nicht schön, aber wirksam: Infektionsschutz "Made in Dessau"

Die Corona-Krise trifft viele Handwerksunternehmen in Sachsen-Anhalt mit voller Wucht: Aufträge brechen weg, Einnahmen fehlen, Beschäftigte werden in Kurzarbeit geschickt. So ergeht es auch der Möbelbaufirma Vetter in Dessau. Aber das Traditionsunternehmen hat schnell reagiert - und eine Marktlücke entdeckt. Ein selbst entwickelter Infektionsschutz "Made in Dessau" findet reißend Absatz.

Möbelhaus Vetter
Dieser mobile Infektionsschutz wird seit Kurzem in Dessau produziert. Bildrechte: MDR/ Martin Krause

Einen Schönheitspreis auf der Möbelmesse wird die neueste Kreation nicht gewinnen, sagt Henning Vetter lachend. "Es ging uns auch nicht drum, das Rad neu zu erfinden", vielmehr so der Juniorchef war wichtig, schnell ein passendes Produkt auf den Markt zu bringen. Das ist gelungen. Der 40-Jährige hält in der Hand, was vielerorts in diesen Tagen dringend gebraucht wird. "Es ist ein Nies- und Tröpfchenschutz, eine Plexiglasscheibe montiert in stabilen Holzfüßen."

Die Konstruktion kann überall leicht aufgebaut werden: an Verkaufstheken, Schaltern und Beratungstischen. Eine Apothekerin hatte nach so einem Gestell gefragt. Die Dessauer Möbelbauer haben die Idee sofort umgesetzt. "Wichtig war, dass wir zügig liefern konnten", sagt Vetter. Und das gelang. Morgens bestellt, konnten Kunden schon am Mittag ihr Schutzgestell abholen.

Riesige Nachfrage

Und die Nachfrage nach der simplen, aber wirksamen Konstruktion ist riesig. Arztpraxen, Tankstellen, Rezeptionen, Bäckereien, Imbissgeschäfte. Auch ein großes Kreditinstitut war interessiert. "Die haben gleich 20 Stück geordert und damit ihre Filialen in Ostdeutschland ausgerüstet", sagt Henning Vetter nicht ohne Stolz.

Möbelhaus Vetter
Das Möbelhaus Vetter ist ein Familienbetrieb, der seit 100 Jahren besteht. Bildrechte: MDR/ Möbelhaus Vetter

In der Werkstatt des Familienunternehmens stehen überall fertige Gestelle, warten auf Abholung. In der Manufaktur werden normalerweise exklusive Möbelstücke gefertigt. Die 20 Mitarbeiter sind aber flexibel. "Mit Plexiglas haben wir als Möbeltischler normalerweise nicht so viel zu tun, aber das kriegen wir schon hin", sagt Enrico Schneider, der die Arbeiten plant und vorbereitet. Statt maßgenaue Schränke und Küchen werden nun im Akkord die Schutzgestelle produziert. "Wir haben die passenden Maschinen, es läuft gut", so Schneider.

Verkauf ersetzt Verluste nicht komplett

Etwa 180 Gestelle haben die Dessauer schon verkauft, knapp 200 Euro müssen Kunden für die Konstruktion aus dem Hause Vetter berappen. Und die Nachfrage lässt nicht nach. "Täglich kommen neue Anfragen rein, der Infektionsschutz ist inzwischen unser meistverkauftes Produkt", sagt Henning Vetter, der das Familienunternehmen bereits in vierten Generation führt und aktuell "von schwierigen Zeiten" spricht. Das Corona-Virus macht der Firma gehörig zu schaffen. Den Dessauer Möbelbauern sind etwa 15 Prozent der Aufträge weggebrochen, von den 20 Beschäftigten sind auch einige bereits in Kurzarbeit.

Die Verluste kann auch der neue Verkaufsschlager nicht gänzlich kompensieren. "Aber es ist eine wichtige Einnahme und damit können wir auch gut haushalten", ist der Juniorchef überzeugt und nimmt bereits die nächsten Bestellungen für den Infektionsschutz auf. In Krisenzeiten ein Fünkchen Hoffnung für das Dessauer Traditionsunternehmen, das vor genau 100 Jahren gegründet wurde.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. April 2020 | 12:00 Uhr

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