Integration von Flüchtlingskindern Kitas und Horte in Dessau setzen auf Sprach- und Kulturmittler

Kindereinrichtungen in Sachsen-Anhalt sind laut, fröhlich und zunehmend multikulturell. Der wachsende Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund stellt Erzieher vor Herausforderungen: Unterschiedliche Sprachen und Kulturen sorgen manchmal für Verständigungsschwierigkeiten. In einem bemerkenswerten Projekt in Dessau-Roßlau helfen ausländische Frauen in Kitas und Horte als Sprach- und Kulturmittlerinnen. Ein Besuch im Hort am Akazienwäldchen.

von Martin Krause, MDR SACHSEN-ANHALT

Mehrere Hort-Kinder aus Dessau mit der Sprach- und Kulturmittlerin Simav Naser
Im Hort am Akazienwäldchen Dessau arbeitet Sprach- und Kulturmittlerin Simav Naser. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Maria jauchzt fröhlich. Das Mädchen mit den braunen Knopfaugen hat eben eine Sechs gewürfelt. "Ich spiele am liebsten Mensch-Ärger-Dich-Nicht", sagt sie. Die Achtjährige sitzt mit anderen Kindern an einem runden Tisch. Es geht lebhaft und laut zu.

Maria besucht seit zwei Jahren den Hort am Akazienwäldchen. Manchmal fallen dem Flüchtlingskind aus Syrien nicht gleich die richtigen Worte ein. Dann geht der hilfesuchende Blick sofort zu Simav Naser. Die 24-Jährige kommt ebenfalls aus Syrien und hilft seit kurzem als Sprach- und Kulturmittlerin im Hort. "Es macht mir viel Spaß. Wenn die Kinder ein Problem haben, kommen sie zu mir, dann rede ich Arabisch mit ihnen." Die schlanke Frau mit dem Zopf lacht freundlich, hilft dann einem kurdischen Jungen bei seinen Hausaufgaben.

Sprachbarrieren überwinden für besseres Verständnis

Sprach- und Kulturmittlerin Simav Naser unterhält sich mit einigen Kindern im Ort am Akazienwäldchen Dessau.
Simav Naser hilft den geflüchteten Kindern, wenn sie Schwierigkeiten mit deutschen Wörtern haben und tröstet auf Arabisch. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Es ist voll im Hort am Akazienwäldchen. 125 Mädchen und Jungen besuchen die Einrichtung in der Dessauer Innenstadt. Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund ist hoch, liegt bei 60 Prozent. "Wir haben viele Kinder aus Syrien, aber auch aus aller Welt", sagt Hortleiterin Cordula Reichardt. Die gelebte Vielfalt macht es den Erzieherinnen nicht immer leicht. "Es gibt große Unterschiede zwischen den Kulturen." Und natürlich die Sprachbarriere, sagt Reichardt. "Wenn ein kleines syrisches Mädchen dann aber Trost in der Muttersprache bekommt, geht ihnen das Herz auf."

Reichardt will auf die Unterstützung der beiden Kultur- und Sprachmittlerinnen nicht mehr verzichten. Seit September helfen Simav Naser und eine weitere junge Frau aus Syrien den Erziehern im Hort bei der täglichen Arbeit. "Gerade die Gespräche mit den Eltern laufen jetzt viel einfacher", erzählt die Hortleiterin. Das Verständnis werde besser, die Toleranz wachse.

Projekt soll erweitert werden

Das Projekt läuft für ein Jahr. Es hat sich schon bewährt, findet Doreen Rach vom Eigenbetrieb Dekita. "Früher haben wir stundenweise Dolmetscher engagiert, nun haben wir immer jemanden da, der bei Verständigungsproblemen helfen kann." Nicht nur im Hort am Akazienwäldchen: Insgesamt wurden schon zehn Sprach- und Kulturmittlerinnen eingestellt. Hauptsächlich dort, wo es viele Kinder mit ausländischen Wurzeln gibt.

Rach von Dekita will das Projekt erweitern. Schon im Frühjahr 2020 sollen in jedem Hort und in jeder Kita in Dessau ein oder zwei Sprach- und Kulturmittlerinnen beschäftigt sein. "Das wäre ein großer Gewinn", sagt die Dekita-Chefin. Denn in den zwanzig städtischen Einrichtungen werden fast 3.000 Kinder betreut.

Sprachmittler üben Deutsch

Unterstützt wird das Projekt von einem Bildungsträger, finanziert vom Jobcenter. "Die Sprach- und Kulturmittlerinnen verbessern während der Arbeit natürlich ihre Deutschkenntnisse, außerdem ist es gut für die berufliche Orientierung", sagt Anja Pannier vom Jobcenter Dessau-Roßlau.

Sie hofft, durch das Programm den überwiegend syrischen Frauen den Erzieherberuf nahe zu bringen und Interesse für eine Ausbildung zu wecken. Bei Simav Naser hat das schon funktioniert. Die 24-Jährige möchte später Erzieherin werden.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 08. Dezember 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2019, 15:06 Uhr

36 Kommentare

winfried vor 5 Wochen

MDR-Team, wieso ist Fridos Sicht zynisch ?
Meiner Meinung nach "sitzen Flüchtlinge auf gepackten Koffern".
Es ist alles zu unternehmen deren Heimkehr(willen) zu unterstützen.
Ansonsten hätte ich Probleme mit dem Attribut "Flüchtlinge".

Der Erfurter Bub vor 5 Wochen

Dann währe es eben so. Man kann sich den Kitaplatz doch aussuchen. Jedenfalls in Erfurt ist das durchaus möglich. Für unter 2 Jährige zwar schwierig aber ab 2 ohne Probleme. Ich weiß nicht genau wie es bei ihnen im Dresdner Raum aussieht, aber in Erfurt sind Kinder von Migranten eher die Ausnahme.

winfried vor 5 Wochen

Elbflorenz, die MDR-Stellungnahme bedeutet eigentlich ... ja.
Denn vergleichen Sie GG-Art.16a, Dublin III und Genfer Flüchtlingskonvention mit der Realität in DE.
Ich sehe infolge "per Mufti", oder heißt es richtiger "per Mutti(?), die Situation in DE
"Jeder darf rein, keiner muss raus".

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