Schließung Ende Januar Karstadt-Aus in Dessau: Suche nach Nachfolger für Rathaus-Center schwierig

Ende Januar schließt Karstadt nach 26 Jahren seine Filiale in Dessau mit rund 60 Beschäftigten. Grund dafür sind eingebrochene Umsatzzahlen, heißt es von der Konzernleitung. Bei vielen Dessau-Roßlauern herrscht Unverständnis. Gesucht wird schon seit längerem nach einem Nochfolger.

Rathauscenter mit Karstadt in Dessau
Schließung des Rathaus-Center in der Dessauer Innenstadt Ende Januar. Bildrechte: MDR/ Martin Krause

Nach 26 Jahren schließt Karstadt Ende Januar seine Filiale im Dessauer Rathaus-Center. Grund dafür sind eingebrochene Umsatzzahlen, heißt es von der Konzernleitung. Zur Filiale gehören rund 60 Beschäftigte, die Verkaufsfläche erstreckt sich über 12.000 Quadratmeter.

Die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich daher schwierig. Immerhin gilt es, eine Verkaufsfläche auf fünf Etagen neu zu vermieten. Karstadt war seit 1994 Mieter im Dessauer Rathaus-Center. Um Leerstand nach dem Karstadt-Rückzug Ende Januar zu verhindern, sucht Centermanager Hans-Jörg Bliesener bereits seit längerer Zeit nach neuen Interessenten für das Objekt.

Fokus liegt vorerst auf Erdgeschoss und erstes Obergeschoss

Bei den Verhandlungen derzeit gehe es vor allem um das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss. Mit jeder Etage sinkt die Kundenfrequenz, sagt Bliesener. Er hält es daher für nicht unwahrscheinlich, dass die zweite, dritte und vierte Etage erst einmal leer bleiben werden.

Dass nur ein Unternehmen die gesamte Karstadt-Fläche anmietet, hält Bliesener ebenfalls für unwahrscheinlich:  "Es gibt aber einige Mieter im Rathaus-Center, die gerne mehr Fläche hätten. Es haben sich zudem auch Interessenten gemeldet, die bisher noch keine Mieter bei uns sind."

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Seit Tagen gibt’s nur noch ein Thema: Es wird gegen Corona geimpft. Wir schauen uns im Podcast „Der Tag in Sachsen-Anhalt“ an, wie der Impfstoff gelagert und verteilt wird. Am Mikrofon: Luca Deutschländer

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Mi 30.12.2020 17:00Uhr 13:12 min

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Erschwerte Suche durch Corona

Durch Corona ist die Suche zusätzlich erschwert worden. Wegen der Pandemie haben einige Unternehmen ihre Erweiterungspläne vorerst zurückgestellt. Der Centermanager ist trotzdem optimistisch: "Ich glaube, wir werden irgendwann erfolgreich sein", sagt er.

Namen möchte Bliesener noch nicht nennen: "Wir verkünden erst, wenn die Tinte trocken ist", sagt der Centermanager.

Die Innenstadt verliert einen zentralen Anlaufpunkt

Oberbürgermeister Peter Kuras (FDP) hatte im Sommer noch versucht, die Karstadt-Geschäftsführung umzustimmen, jedoch vergeblich. Für Kuras ist dies ein Rückschlag für den Einkaufsstandort Dessau, sagte er gegenüber MDR-SACHSEN-ANHALT.

Gerade bei Karstadt hätten viele Kunden eingekauft, das hätte man an den Kfz-Kennzeichen erkennen können. Der Oberbürgermeister befürchtet, dass diese Kunden künftig fern bleiben werden.

Quelle: MDR/mf

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | Der Tag in Sachsen-Anhalt | 30. Dezember 2020 | 18:00 Uhr

5 Kommentare

Bundesbuerger1712 vor 2 Wochen

Die Kommune und das Land , aber nicht das Kapital haben drei Jahrzehnte Zeit gehabt, die notwendige Kaufkraft vor Ort zu erzeugen. Stichwort aktivierende Politiksteuerung... Dafür müssen die Entscheider offen sein für Neues, Fremdes und auch Risiko. Das hier zitierte Kapital schließt nunmehr die mit umsatzschwächste Filiale bundesweit, auch aus Jahrzehnte langem Mangel an der Offenheit. Da hilft auch kein #moderndenken an den Schildern der Landesgrenzen.

ElBuffo vor 2 Wochen

Zwei solche Einkaufscenter so nahe beieinander könnte ja auch nicht gut gehen. Das Teil an der Museumskreuzung steht irgendwie gefühlt auch halbleer. Ist wohl nur eine Frage der Zeit, wem da zuerst die Puste ausgeht. Saturn könnte ja zwei Etagen von Karstadt übernehmen. Aber die sind selber so gut wie pleite und die Mitarbeiter reißen sich auch kein Bein mehr aus. Dann eben noch mehr bei Amazon bestellt. Vielleicht sollte man im Rathauscenter auch mal überlegen, ob das Parken wirklich etwas kosten muss. Oder ob man eventuell die Parkflächen etwas vergrößert. Die derzeit geringe Auslastung wäre eine super Gelegenheit dafür.

part vor 2 Wochen

Wenn das Wettgeschäft auf Wertschöpfung, oftmals vertreten durch einzelne Mehrheitsinhaber nicht die erhofften Dividenten bringt, dann zählt die reine Immobilie mehr im Verkauf als die Bewirtschaftung dieser. Das scheue Reh des Kapitals hastet oftmals in Pfade, die in Zeiten des Wirtschaftsabschwungs oft nur auf Betongold setzen, nur auch diese Blase in einen zyklischen Krisensystem ist nicht unendlich. Innenstädte, die zudem autofahrerunfreundlich gestaltet werden durch Amtsleiter, die mehr Schaden anrichten als der gesamte Stadtrat, bieten dann eben weniger Anreize für Konsumenten, wobei sie die gleichen minderwertigen Waren auch online erstehen können mit Verzögerung und Aufschlag. Die Zeiten großer Kaufhäuser sind eh ein Relikt aus dem vergangenem Jahrhundert, heute bietet die Kleinteiligkeit im Einzelhandel bessere Möglichkeiten und Anbieterwechsel, abgelöst durch Einkaufszentren auf der großen Wiese mit kostenlosen Parkmöglichkeiten. Die Zerschlagung von Karstadt war aber geplant

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