Entlastung für Krankenhauspersonal Klinikum Dessau testet autonom fahrenden Transportroboter

Schwestern und Pfleger in Krankenhäusern arbeiten häufig am Limit. Zur Entlastung des Personals testet das Städtische Klinikum Dessau einen Transportroboter, der sich autonom bewegt. Es ist deutschlandweit das erste Krankenhaus, das diesen Versuch macht.

Ein Transport-Roboter fährt über einen Gang
Helfer auf Knopfdruck: Roboter "Matze" bekommt seine Aufträge per Smartphone oder Computer. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Cornelia Lobereit streichelt "Matze" liebevoll. Die Schwester hat den neuen Klinik-Roboter schon fest in ihr Herz geschlossen. "Der ist niedlich, klein und handlich, eine absolute Bereicherung", so Lobereit. Sie arbeitet auf der kardiologischen Station im Dessauer Klinikum. Die 32 Patientenbetten sind hier fast immer voll belegt. Das bedeutet Dauerstress für das 15-köpfige Team aus Schwestern und Pflegern. "Wir müssen auch oft ins Labor, wir können Unterstützung gut gebrauchen", findet Lobereit.

"Matze" kann Türen öffnen

Box innerhalb eines Roboters
Acht Liter Stauraum befindet sich im Inneren des Roboters. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Da kommt "Matze" gerade recht. Der moderne Klinik-Roboter ist aus grauem Plastik, sieht aus wie ein größerer Papierkorb auf Rollen, unter seinem Deckel befindet sich eine Box mit einem Fassungsvermögen von acht Litern, auf dem Bildschirm steht "Matze". Die Bezeichnung ist Zufall. Ein Mitarbeiter mit dem Namen lief bei der ersten Testfahrt am Roboter vorbei und wurde gerufen, erklärt Sascha Witt.

Witt ist seit zehn Jahren für die Logistik in Kliniken zuständig und kennt den Roboter von einer Messe. "Matze fährt vollkommen autonom, findet seine eigene Wege im Haus, kann dabei auch selbständig Türen öffnen", erklärt Witt den wichtigsten Unterschied zu bislang in Krankenhäusern genutzten Transportrobotern. Die ersten Probefahrten sind Witt zufolge gut gelaufen. "Matze" habe den Stationsschwestern zum Einstand Bonbons gebracht.

Roboter transportiert Medikamente und Proben

Beinahe lautlos rollt der Roboter im Schritttempo durch die Gänge. Kameras knapp über den Rollen weisen ihm den Weg. Seine Aufträge bekommt der Roboter vom Personal. Ganz einfach per Computer oder mobil über das Handy. "Matze" rollt sofort dahin, wo er gebraucht wird. Kleinteile aus dem Wirtschaftslager holen, Medikamente auf Station bringen oder Proben ins Labor schaffen – für "Matze" kein Problem, meint Witt.

Nach jedem Auftrag fährt der Roboter von allein zurück zu seiner Ladestation und wartet auf die nächste Tour. "Unbefugte können den Deckel nicht öffnen, der Inhalt bleibt immer geschützt", erklärt Witt. Falls unerwartet Patienten seinen Weg kreuzen, bleibe der Roboter stehen. "Er erkennt Hindernisse und weicht aus", so der Logistikleiter des Dessauer Klinikums.

Klinik Dessau testet Roboter als erstes Krankenhaus

Leiter der Logistik-Abteilung Sascha Witt
Sascha Witt leitet die Logistik-Abteilung der Klinik. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Bei den Patienten kommt der Roboter gut an. Viele staunen über das technische Meisterwerk. "Super, hier gibt's ein R2-D2", sagte einmal ein Patient in Anspielung an die Figur aus den Star-Wars-Filmen. Aber "Matze" ist Realität.

In Krankenhäusern in der Schweiz und in den Niederlanden verrichten diese Roboter längst ihren Dienst. "Wir sind die ersten, die ihn in Deutschland testen dürfen", sagt Witt nicht ohne Stolz.

Weitere Entlastung des Personals geplant

Dabei ist der Prototyp nicht mal sonderlich kostenintensiv. "Etwa 2.000 Euro Leasing pro Monat", schätzt der Leiter der Logistikabteilung. Dafür stehe der Roboter 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Perspektivisch erwägt das Städtische Klinikum in Dessau mehrere Roboter anzuschaffen, um die 1.400 Mitarbeiter weiter zu entlasten.

Das wäre dringend nötig und sehr schön, sagt Schwester Loberereit. "Jeder Gang den 'Matze' für uns macht, entlastet und spart kostbare Minuten". Zusätzliche Zeit, in der sich Schwestern und Pfleger fürsorglich um Patienten kümmern könnten.

Quelle: MDR/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. September 2020 | 10:40 Uhr

2 Kommentare

ElBuffo vor 4 Wochen

Für dieses Geld hat man früher bestenfalls 2 Zivis bekommen. Jedenfalls, wenn ich auch noch das Verpflegungs- und Kleidergeld, den Mobilitätszuschlag, das Weihnachtsgeld, das Entlassungsgeld sowie den bezahlten Urlaub und die Freistellungen für Seminare und Lehrgänge abziehe. Und ganz sicher hätte sich der Sold in den letzten 10 Jahren auch etwas fortentwickelt. Diese zwei Zivis wären dann allerdings nicht mal zusammen annähernd 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr verfügbar gewesen.
War aber glaube ich auch gar nicht Ziel, darüber an billige Arbeitskräfte zu kommen. Die Kosten spielte da wohl eine untergeordnete Rolle.

ottovonG vor 5 Wochen

Kann der auch A. abwischen oder Arzt spielen. Für 2000Eu im Monat hätte man früher 4 Zielvildienstleistende gehabt, von denen jeder 5 mal so schnell gewesen wäre. Sollen die mal lieber ausreichend Personal eisntellen und marktgerechet Löhne Zahlen. Roboter sind nicht die Lösung für verwaiste Zonenklitschen. Vielleicht nehmen sie aber bald den Amazon Leuten die Arbeit weg->industrielle Revolution 4.0 ...

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