100 Jahre Kulturstiftung Dessau-Wörlitz Ein Gartenreich für Jedermann

Mehr als eine Million Besucher kommen jährlich in den Wörlitzer Park bei Dessau. Die Gäste spazieren durch die Gartenanlagen, lassen sich mit Gondeln über die Kanäle schippern oder bestaunen die Pracht im Wörlitzer Schloss. Das Gartenreich gehört zum Welterbe der UNSECO und ist öffentlich zugänglich für Jedermann. Das war nicht immer so, denn die Schlösser, Parks und Gärten gehörten einst dem Fürstenhaus Anhalt. Doch vor 100 Jahren ging die Verwaltung der Anlagen in eine Stiftung über.

Der Erste Weltkrieg ist vorbei. Deutschland wird eine Republik. Die Monarchen, die in den einzelnen Kleinstaaten bis dahin regiert haben, müssen abdanken. So auch im Fürstentum Anhalt. Dort verzichtet Prinzregent Aribert für seinen noch minderjährigen Neffen Joachim Ernst im November 1918 offiziell auf den Thron. Das Vermögen der Familie geht an das Land über – genauer gesagt in eine Landesstiftung.

MDR MUSIKSOMMER 2018 Wörlitz Federspiel
Einst war der Park im Besitz des Adels. Bildrechte: MDR/Stefan Hoyer

Letztlich seien die Schlösser und Gärten in diese Stiftung übergangen, aber auch Land- und Forstwirtschaft sowie Kunstsammlungen, damit diese Stiftung auch lebensfähig sei, erklärt die heutige Direktorin der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Brigitte Mang. Einen Teil der Kunstsammlungen habe die Familie behalten dürfen, ein Teil sei an das Land gegangen, so die Direktorin.

Man muss dazu sagen, dass die Familien genug behalten konnten, um standesgemäß zu leben. Man hat sie nicht verarmt aus dem Land gejagt.

Brigitte Mang Direktorin der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz

Pragmatismus anstelle eines Festakts

Am 30. Dezember 1918 unterschreibt der Prinzregent die Stiftungsurkunde. Mang vermutet, dass es sich dabei damals um keinen festlichen Akt gehandelt habe. Vielmehr sei Pragmatismus im Spiel gewesen.

In den Turbulenzen des Endes des Ersten Weltkrieges und des Endes der Monarchien war das vermutlich eine einfache Unterschrift in einem Büro und überhaupt nicht festlich. Es war auch gar nicht so, dass es eine große Geste der Fürstenfamilie war, sondern vielmehr politische Notwendigkeit, politischer Druck.

Brigitte Mang

Das sei in allen Adelshäusern so gewesen. Auch bei den Wittelsbachern und Hohenzollern habe es durchgehend diesen Verzicht gegeben. Der Stiftung Dessau-Wörlitz sollen laut Gründungsurkunde Liegenschaften im Wert von acht Millionen Mark zugeordnet werden.

Onkel und Neffe sichern sich als Vorstand weiter Mitspracherecht in Stiftungsfragen. Sie zeigen ansonsten jedoch wenig Interesse an der Arbeit. Joachim Ernst und sein Onkel Aribert waren eine zeitlang noch Vorsitzende des Kuratoriums, aber entschuldigten sich immer für die Sitzungen. Joachim Ernst ist kurz nach dem Zweiten Weltkrieg sehr jung verstorben und die Familie aus politischen Gründen in den Westen gegangen.

Fohlenweide im Luisium in Wörlitz
Bildrechte: MDR/Kathrin Heyer

Auch in DDR-Jahren bleibt die Kulturstiftung erhalten

Zuständig für die Staatlichen Schlösser und Gärten Wörlitz, Oranienbaum und Luisium ist zu DDR-Zeiten der Kreis Gräfenhainichen. Die DDR hatte laut Mang ein nationales Interesse an den Kulturgütern. Das habe die Anlagen gerettet. Gerade in der DDR-Zeit sei viel Personal da gewesen, um alles zu erhalten.

Keine Zerstörungen, kein Abriss, keine Umnutzungen, dieses Kunst- und Kulturgut ist gesichert worden.

Brigitte Mang

UNSECO-Weltkulturerbe seit 18 Jahren

Seit dem Jahr 2000 gehören die Parks und Schösser in Dessau und Wörlitz zum UNSECO Weltkulturerbe. Es fließen jährlich Millionen, um die Schlösser und Anlagen zu erhalten. Im Frühjahr 2019 erscheint die offizielle Chronik der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz. In ihr findet sich auch die Gründungsurkunde vom 30. Dezember 1918, unterzeichnet von Prinzregent Aribert von Anhalt.

Brigitte Mang Die Landschaftsarchitektin Brigitte Mang ist seit Februar 2017 Direktorin der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz. Brigitte Mang wurde 1959 geboren. An der Technischen Universität Wien studierte sie Architektur mit den Schwerpunkten Landschaftsarchitektur, Städtebau und Gartengestaltung. Anschließend arbeitete sie unter anderem als wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Landschaftsplanung und Gartenkunst, sowie als freischaffende Landschaftsarchitektin. Von 2004 bis 2016 war Brigitte Mang Direktorin der Österreichischen Bundesgärten. Dazu gehören die ehemaligen Gärten der Habsburger: Der Belvedere-Garten in Wien, der Schloss- und der Burggarten sowie die Gärten an der Hofburg, der Augarten und der Innsbrucker Hofgarten und Schlosspark.

Quelle: MDR/ahr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 23. Dezember 2018 | 11:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Dezember 2018, 08:35 Uhr

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1 Kommentar

30.12.2018 13:37 Beton 1

@MDR: "Das Gartenreich gehört zum Welterbe der UNSECO und ist öffentlich zugänglich für Jedermann. Das war nicht immer so, denn die Schlösser, Parks und Gärten gehörten einst dem Fürstenhaus Anhalt."
Das heutige Gartenreich war überwiegend von Anfang an für Jedermann und Jederfrau öffentlich zugänglich. Das ist u.a. in der Art der riesigen Landschaftsparks mit ihrem offenen Übergang in die Umgebung selbst begründet.

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