Jan „Monchi“ Gorkow
Die Konzert-Absage des Bauhauses Dessau hatte ein deutschlandweites Echo. Bildrechte: dpa

Brauhaus statt Bauhaus Dessau Neuer Auftrittsort für "Feine Sahne Fischfilet"

Die Punkband "Feine Sahne Fischfilet" hat einen neuen Spielort für ihr Konzert in Dessau gefunden. Unter dem Motto "Brauhaus statt Bauhaus" wird die Band am 6. November in einem Brauhaus spielen. Indes zieht die Debatte um die Bauhaus-Absage weitere Kreise: Der frühere Bauhaus-Direktor, Philipp Oswalt, äußert Kritik und Künstler protestieren in einem offenen Brief.

Jan „Monchi“ Gorkow
Die Konzert-Absage des Bauhauses Dessau hatte ein deutschlandweites Echo. Bildrechte: dpa

Nach der Absage des Konzerts von "Feine Sahne Fischfilet" im Bauhaus Dessau hat die Band einen neuen Auftrittsort gefunden. Wie sie am Donnerstag auf ihrer Facebook-Seite mitteilte, wird sie nun auf dem Gelände einer Brauerei in Dessau spielen. Die Location sei fünfmal so groß, wie das Bauhaus. Die Bühne müsse allerdings erst in die leere Location gebaut werden.

Die Band bedankte sich öffentlich für die Hilfe, die sie in der vergangenen Woche seit dem Bekanntwerden der Absage, bekommen hat. "Wir freuen uns extrem darüber, dass wir in den letzten Tagen Leute aus Dessau und Umgebung kennenlernen durften, die uns hart unter die Arme greifen. Ohne die würde nicht viel gehen." Auch freue sich die Band darüber, dass sich "die Stadt Dessau so klar positionierte und uns ihre Hilfe anbot." 

Erneute Kritik äußerte "Feine Sahne Fischfilet" am Verhalten der Bauhaus-Stiftung. Der Umgang mit der Kritik an der Absage sei "peinlich", so die Band in ihrem Facebook-Statement. "Wenn sie in Interviews davon redet, dass sie Fehler gemacht haben, sich anders hätten positionieren müssen, ... dann hätte man die Absage einfach zurückziehen können", so die Musiker. Der Vorverkauf für das Konzert am 6. November startet am Freitag. Der Erlös des Konzerts solle an "Dessau Nazifrei" gehen, so die Band.

Indes zieht die Debatte um die Absage des Konzerts am Dessauer Bauhaus weitere Kreise. Viele Politiker und Kulturschaffende befürchten, dass das Bauhaus Dessau durch die Konzertabsage schweren Schaden genommen hat. Auch der frühere Bauhausdirektor Philipp Oswalt hat im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT harsche Kritik geäußert.

Das Dessauer Bauhaus gebe ein trauriges Bild ab, findet Oswalt. Er vermisse Führungsstärke. Zudem beklagt der ehemalige Direktor eine Bevormundung durch die Politik. Das sei ein Armutszeugnis, gerade mit Blick auf das anstehende 100-jährige Bauhaus-Jubiläum, das im Jahr 2019 gefeiert wird.

Schwerer Imageschaden

Besonders kritisierte Oswalt die Erklärung, die Band auszuladen, weil man Rechtsradikalen vor dem Bauhaus keine Plattform bieten wolle. Würde die Begründung, das Bauhaus sei unpolitisch, zutreffen, dann könne das Bauhaus auch nicht in die Gesellschaft hineinwirken. Die Absage und die sich nachziehende Debatte sieht Oswalt als schweren Imageschaden.

Philipp Oswalt
Der ehemalige Bauhaus-Direktor Philipp Oswalt (Archivbild) Bildrechte: dpa

Der frühere Bauhaus-Direktor, dessen Vertrag im Jahr 2014 ausgelaufen war, fordert neue Strukturen. Einrichtungen wie das Bauhaus müssten seiner Meinung nach wieder eigenständiger werden, denn sie sollten ein Ort für Pluralismus sein. So sollen Kontrollgremien nicht mehr ausschließlich politisch besetzt werden. Diese Kritik richtet sich gegen den Stiftungsrat des Bauhauses, in dem nur Politiker sitzen. Oswalt fordert, Kontrollgremien zur Hälfte von Experten zu besetzen.

Direktorin räumt Fehler ein

Die Konzert-Absage hat auch die Vorstellung des Programmes zum Bauhaus-Jubiläumsjahr am Mittwoch in Berlin überschattet. Im Anschluss gab es eine Diskussion zur der Entscheidung. Bauhausdirektorin Claudia Perren verteidigte den Schritt erneut, räumte aber Fehler bei der Kommunikation ein: "Das ist wirklich ganz schief gelaufen."

200 Kulturschaffende und Architekten protestieren unterdessen mit einem Offenen Brief gegen die Konzert-Absage. Darin bezeichnen sie die Absage angesichts der Historie des Bauhauses als geschichtsvergessen. Die Landesregierung und die Bauhaus-Stiftung hätten "der Demokratie und dem kulturellen Leben in unserem Lande schweren Schaden zugefügt", heißt in dem Schreiben. Es sei besorgniserregend, wie die Politik durch offenkundige Weisungen in eine kulturelle Einrichtung hineinregiert. Der Berliner Künstler Clemens Krauss hat angekündigt, aus Protest seine Werke im Bauhaus Dessau abzuziehen.

Quelle: MDR,dpa/cw,pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 25. Oktober 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2018, 19:47 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

25 Kommentare

27.10.2018 19:51 Benutzer 25

26.10.2018 19:46 Dresdnerin

wo toben den die Rechten?

Finden sie die texte toll von dieser Band?

27.10.2018 08:38 Didd 24

Wie kann man einer so asozialen Band eine Plattform geben. Das sagt vieles über Bauhaus aus.

26.10.2018 19:46 Dresdnerin 23

Muhaha, wie die Rechten hier toben.
FSF bedankt sich auch bei euch für die kostenlose PR. Gibt es vielleicht einen Präsentkorb zu gewinnen?
Der 20-Sekunden-Kartenverkauf in Dessau zeigt doch: Auch Sachsen-Anhalt ist noch nicht "komplett im Arsch".
Herrlich ...

Mehr aus Dessau-Roßlau, Anhalt und Landkreis Wittenberg

Mehr aus Sachsen-Anhalt

Im Bild sind Fahnen mit der Aufschrift Love is Love zu sehen.
Liebe ist Liebe – egal, ob zwischen Mann und Frau, Mann und Mann. Seit 2017 können gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland auch heiraten. (Symbolbild) Bildrechte: imago images / Christian Spicker