Laub harken im Herbst
Die Gefangenen aus dem offenen Vollzug haben in Dessau kräftig mit angepackt. Unter anderem haben sie die Grünanlagen gepflegt. (Symbolbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Verlegung des offenen Vollzugs nach Halle Die Helfer von Dessau-Roßlau sind weg

Das Gefängnis in Dessau-Roßlau steht schon länger leer. Nun werden auch die Gefangenen des offenen Vollzugs nach Halle verlegt. Das wird in Dessau-Roßlau eine große Lücke hinterlassen. Denn die Strafgefangenen haben in der Stadt jahrelang gemeinnützige Arbeiten verrichtet. Nun sind diese Helfer weg.

von Martin Krause, MDR SACHSEN-ANHALT

Laub harken im Herbst
Die Gefangenen aus dem offenen Vollzug haben in Dessau kräftig mit angepackt. Unter anderem haben sie die Grünanlagen gepflegt. (Symbolbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sie waren in Dessau-Roßlau nicht zu übersehen: die fleißigen Helfer in ihren roten Arbeitsanzügen. Wo Not am Mann war, haben die Strafgefangenen aus dem offenen Vollzug angepackt. Sehr zur Freude der Dessau-Roßlauer. "Ist doch schön, wenn alles gepflegt aussieht in der Stadt", sagt eine Frau Mitte 50. "Viele Dreckecken sind verschwunden. Das haben die Häftlinge gut gemacht", ergänzt ihr Mann.

"Lieber Schwitzen statt Sitzen" – unter diesem Motto haben etwa 85 Strafgefangene des offenen Vollzugs gemeinnützige Arbeiten erledigt. Arbeiten, die sonst niemand gemacht hätte: Grünanlagen gepflegt, Bänke gestrichen, Papierkörbe repariert.

Friedhof auf Vordermann gebracht

JVA Dessau
Das Gefängnis in Dessau ist seit 2015 geschlossen. Bildrechte: IMAGO

Vor allem aber hätten sie den historischen Friedhof in Dessau-Süd auf Vordermann gebracht, sagt der Justizvollzugsbeamte Mario Pinkert. Er hat das Projekt begleitet. "Die Gefangenen haben mehrere Gebäude instand gesetzt – und den extrem maroden Zaun erneuert." Fast 14.000 Holz-Latten hätten die Häftlinge dafür zusammengenagelt.

Fünf Jahre lief das Projekt – in dieser Art das einzige in Sachsen-Anhalt. Und nie sei ein Häftling abgehauen, die Strafgefangenen seien stets mit Herzblut bei der Sache gewesen, so Pinkert. "Arbeiten finden sie doch schöner, als den ganzen Tag in ihrer Zelle zu hocken." Nicht selten hätten sich auch Dessauer bei den Helfern für die tolle Arbeit bedankt. "Das steigert das Selbstwertgefühl bei den Häftlingen", weiß der Justizbeamte.

Offener Vollzug Den offenen Vollzug gibt es schon seit dem 19. Jahrhundert und bietet laut Land Sachsen-Anhalt unter allen Vollzugsformen die größten Erfolgsaussicht, straffällig gewordene Menschen wieder in die Gesellschaft zu integrieren.

Nach § 22 JVollzGB LSA soll ein Gefangener im Vollzug untergebracht werden, wenn nicht zu befürchten ist, dass er den Vollzug nutzt, um beispielsweise zu fliehen. Rund 10 bis 20 Prozent der Gefangenen erfüllen die Anforderungen für den offenen Vollzug.

In Sachsen-Anhalt gibt den offenen Vollzug in Magdeburg, Halle und Schkopau (früher Raßnitz).

Einwohner fürchten negative Auswirkungen

Nun sind die Verträge aber ausgelaufen, der offene Vollzug in Dessau-Roßlau ist Geschichte. Die Helfer sind bald weg. Und die Einwohner befürchten negative Auswirkungen. Ein älterer Mann sagt: "Wenn das hier niemand weiterpflegt, wird es bald wieder schlimm aussehen." Eine Frau sorgt sich um das künftige Erscheinungsbild in der Stadt: "Gerade zum Bauhausjubiläum sollte es doch schön aussehen in Dessau-Roßlau."

Wie das Fehlen der fleißigen Helfer kompensiert werden soll, bleibt unklar. Im Dessauer Rathaus wollte sich trotz mehrfacher Nachfrage niemand zu diesem Thema äußern.

Neue Helfer für Halle

Die Gefangenen aus dem offenen Vollzug in Dessau werden demnächst in Halle untergebracht. Hans-Jürgen Stach ist Leiter der Justizvollzugsanstalt Halle mit insgesamt 26 Plätzen im offenen Vollzug. Die Gefangenen dort erledigen bereits Hausarbeiten oder fertigen in einer Fabrik Verpackungen an.

Auch für die Häftlinge aus Dessau werden Aufgaben gesucht. Das die Gefangenen weiterhin zum Arbeiten nach Dessau fahren, hält der Anstaltsleiter für unwahrscheinlich. Schließlich, so Stach, gebe es ja auch in Halle viele gemeinnützige Aufgaben zu erledigen.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. Januar 2019 | 11:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2019, 10:42 Uhr

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10 Kommentare

19.01.2019 14:39 kritiker 10

Die Stadt Dessau-Roßlau hätte ja auch einmal Minijobs dafür ausschreiben können die über den Eigenbetrieb Stadtpflege Dessau-Roßlau laufen ! Oder vermehrt Bundesfreiwilligendienststellen ausschreiben können ! Es sind Helfertätigkeiten ! Oder 1,50€ Jobs als Arbeitsgelegenheit AGH MAE !!!

18.01.2019 21:26 Magdeburger1963 9

@part...mir kommen fast die Tränen, die armen Mörder, Vergewaltiger, Körperverletzer...mussten sie alle tatsächlich arbeiten? Furchtbar – ich finde sie hätten im angemessenen Umfang Sozialleistungen verdient, natürlich ohne zu arbeiten! Es ist schließlich Aufgabe des Steuerzahlers für das Wohlergehen der Verbrecher zu sorgen!

18.01.2019 18:03 Paule 8

Zwangsarbeit?