Mehrere Personen stehen im Gerichtssaal des Landgerichts Dessau
Ein 27-Jähriger steht seit Freitag wegen mutmaßlichen Kindesmissbrauchs vor Gericht. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau

Vorfall in Roßlau Prozessbeginn nach mutmaßlichem Kindesmissbrauch: Angeklagter schweigt

Am Freitag hat der Prozess im Fall eines mutmaßlichen Kindesmissbrauchs in Roßlau begonnen. Vor Gericht steht ein 27-jähriger Verdächtiger, der sich am Pfingstsonntag an einem Mädchen vergangenen haben soll. Der Mann hat sich am ersten Prozesstag nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Mehrere Personen stehen im Gerichtssaal des Landgerichts Dessau
Ein 27-Jähriger steht seit Freitag wegen mutmaßlichen Kindesmissbrauchs vor Gericht. Bildrechte: MDR/Grit Lichtblau

Am Landgericht Dessau-Roßlau hat am Freitag der Prozess gegen einen 27-Jährigen begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann aus Niger schweren sexuellen Missbrauch von Kindern in Tateinheit mit Vergewaltigung und Körperverletzung vor.

Zu Prozessbeginn wurde vor dem Landgericht die Anklage verlesen. Der Mann schwieg zu den Vorwürfen. Die Vorsitzende Richterin appellierte mehrfach an den Angeklagten, eine Aussage zu machen. Es seien Spuren gefunden worden und ein Geständnis wirke strafmindernd, sagte sie.

Was war geschehen?

Zum Prozessbeginn kommt der 27-jährige Angeklagte (M) in den Gerichtssaal beim Landgericht Dessau-Roßlau neben seinem Pflichtverteidiger Daniel Großmann (l)
Der Tatverdächtige soll sich an einer Neunjährigen vergangen haben. Bildrechte: dpa

Der Tatverdächtige soll sich am 9. Juni dieses Jahres auf den Elbwiesen in Roßlau an einem neunjährigen Mädchen vergangenen haben. Nach der Tat war der Mann auf einem Fahrrad geflüchtet, konnte aber von Zeugen gestellt und bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten werden. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde gegen den Tatverdächtigen in der Vergangenheit schon mehrmals ermittelt. Jedoch kam keines der Verfahren vor Gericht.

Demonstration nach Bekanntwerden

Zugang zu Elbwiesen Roßlau
Zugang zu den Elbwiesen Roßlau, wo sich die Tat ereignet haben soll. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der 27-Jährige hat vor der Tat in der Flüchtlingsunterkunft in Vockerode gelebt. Da ein Asylantrag des Mannes jedoch abgelehnt wurde, wäre seine Duldung in der Woche nach der Tat ausgelaufen. Das hätte jedoch nicht automatisch bedeutet, dass der Tatverdächtige abgeschoben worden wäre, wie ein Sprecher des Landkreises Wittenberg mitteilte. Dafür müssten bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.

Nach Bekanntwerden des Falls hatte es noch am Pfingstsonntag eine Demonstration in Roßlau gegeben. Laut Polizei nahmen damals knapp 120 Personen daran teil. Die Polizei rechnete einige Teilnehmer dem rechtsextremen Spektrum zu.

Verhandlung bis Mitte September

Das Gericht wies im Vorfeld auf das hohe Tempo der Ermittlungsbehörden hin, so dass die Verhandlung nun knapp zehn Wochen nach der Tat beginnen könne. Für den Prozess sind Verhandlungstermine bis Mitte September angesetzt.

Quelle: MDR/fl,mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. August 2019 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. August 2019, 10:57 Uhr

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14 Kommentare

19.08.2019 00:03 aus Dresden 14

@6 Simone
Wer derartige Taten verhindern möchte, wird naturgemäß diese Tat instrumentalisieren. Die Tat geschah nicht völlig außerhalb gesellschaftlicher Gegebenheiten und diese zu ändern, ist unter anderem Ziel der Instrumentalisierung.

Letztlich instrumentalisiert das Strafrecht seit Plato mit dem wohl erstmals von Plato formulierten Ziel der Abschreckung begangene Straftaten und die darauf gegründete Verurteilung der Straftäter.

@9 Thorsten
Rechtsstaat muss ein, aber die Strafen dürfen und sollten aus Opferschutzgesichtspunkten durchaus um einiges und tw. (bei Delikten wie Mord, Totschlag, Vergewaltigung von 9jährigen Mädchen etc.) auch um ein vielfaches härter ausfällen, als sie es jetzt tun.

Dem kleinen Mädchen und der Familie wünsche ich, dass es ihr gelingt soweit wie möglich über die Tat hinwegkommt.

17.08.2019 10:10 der_Silvio 13

Diese Tat an sich ist schon schlimm genug!
Was es m.E. schlimmer macht, ist, daß der mutmaßliche Täter ein Mann ist, der hier "Schutz sucht" und dann solches Leid verursacht! Sein Schweigen spricht nicht unbedingt für seine Unschuld.

@2 MediaTor;
Da sie so gerne die PKS erwähnen, hier mal 2 Lesetips:
Welt vom 01.04.2019; 'Zahl der Straftaten auf Tiefstand – aber was heißt das wirklich?'
und:
Welt vom 09.04.2019; 'Gewalt von Zuwanderern gegen Deutsche nimmt zu'

Was spricht dagegen, daß 'Schutz suchende' verurteilte Täter ihre Strafe in ihrem Herkunftsland absitzen? M.E. nichts.

17.08.2019 10:03 Franz Deutsch 12

Geständnis wirkt strafmildernd-angebracht?

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