Bahnsteige und Schilder mit dem Namen Dessau und dem Zusatz Willkommen in der Bauhausstadt.
In Dessau gibt es immer wieder Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen – zuletzt hatte es am Hauptbahnhof eine Massenschlägerei gegeben. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO

Integration in Dessau Mit Perspektiven gegen Gewalt unter Flüchtlingen

In Dessau gibt es immer wieder Gewalt unter Flüchtlingen. Besonders Syrer und Afghanen stehen sich feindlich gegenüber. Die Streitthemen sind vielfältig. Nach Einschätzung eines Experten könnte mehr Teilhabe an der Gesellschaft die Lösung sein.

von André Damm, MDR SACHSEN-ANHALT

Bahnsteige und Schilder mit dem Namen Dessau und dem Zusatz Willkommen in der Bauhausstadt.
In Dessau gibt es immer wieder Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen – zuletzt hatte es am Hauptbahnhof eine Massenschlägerei gegeben. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO

Der Dessauer Oberbürgermeister Peter Kuras ist in Sorge. Mehrere schwere Auseinandersetzungen unter Flüchtlingen erschüttern die Bauhausstadt. Zuletzt war es mitten am Tag zwischen Dessauer Hauptbahnhof und Stadtpark zu einer Massenschlägerei gekommen. Neun Afghanen und bis zu 15 Syrer waren aufeinander losgegangen, schlugen und traten aufeinander ein. Es wurde auch zugestochen. Laut Polizei erlitten vier Afghanen Schnitt- oder Stichverletzungen. Darunter war ein 25-jähriger Afghane, der in Herznähe getroffen wurde und notoperiert werden musste. Der Rathauschef in Dessau ist bestürzt über die ausufernde Gewalt.

Peter Kuras
Peter Kuras Bildrechte: MDR/André Damm

Wir sind ja regelmäßig mit der Polizei im Gespräch, um solche Vorfälle zu verhindern. Andererseits zeigen solche Gewalttaten, dass wir mit der Integration erst am Anfang stehen.

Peter Kuras, Oberbürgermeister von Dessau

Warum aber stehen sich ausgerechnet Afghanen und Syrer so feindlich gegenüber? In Dessau hat es schon mehrere Zwischenfälle zwischen den beiden Seiten gegeben, aber auch in Dresden und Leipzig.

Religion, Kultur, Drogen – Streitthemen sind vielfältig

Die Ursachenforschung ergibt ein vielschichtiges Bild: Zum einen handelt es sich bei Syrern und Afghanen um die größten Flüchtlingsgruppen. Spannungen entstehen immer wieder bei Glaubensfragen, wenn beispielsweise unflätig mit dem Koran umgangen wird. Dazu kommen kulturelle Unterschiede. Eine große Rolle spielt der Neidfaktor: Viele Afghanen denken, dass die Syrer hierzulande bevorzugt behandelt werden, weil sie teilweise ein mehrjähriges Bleiberecht besitzen, Afghanen dagegen schnell abgeschoben werden können. Immer wieder ist auch der Drogenhandel ein Streitthema. Da wird ein Absatzgebiet schon mal bis zum Äußersten verteidigt. Doch manchmal geht es auch um ganz profane  Dinge:  Am Dessauer Marktplatz rangelten Afghanen und Syrer um ein Smartphone. Bilanz: zwei Schwerverletzte.

"Erlebtes lässt Hemmschwelle sinken"

Für Razak Minhel, den Leiter des Multikulturellen Zentrums in Dessau, liegt es daran, dass viele Täter traumatisiert sind.

Razak Minhel
Razak Minhel Bildrechte: MDR/André Damm

Bei den Syrern und Afghanen handelt es sich um junge Männer, die häufig aus Kriegsgebieten kommen und lange Fluchtwege überstehen mussten. Bei vielen liegt die Hemmschwelle sehr niedrig. Sie werden schnell aggressiv.

Razak Minhel, Leiter des Multikulturellen Zentrums in Dessau

Minhel spricht noch von Einzelfällen. Noch gebe es keine verhärteten Fronten. Damit es nicht dazu kommt, müssen sich mehr Sozialarbeiter um die jungen Flüchtlinge kümmern, so Minhel. Ihnen fehlt hier einfach eine Perspektive. Syrer und Afghanen seien fest in ihren Gruppen verankert, zu Deutschen gebe es kaum Kontakt. Das führe zu einer Unzufriedenheit, die schnell in Gewalt umschlagen kann. Es sei deshalb wichtig, gegenzusteuern. Minhel forderte zusätzliche Bildungs-und Jobangebote für junge Flüchtlinge.

Mehr zum Thema

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 13. März 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2018, 16:05 Uhr

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83 Kommentare

15.03.2018 17:05 Ralf 83

@78 nackter Krause:

"Ein Nazi, Neonazi, Rassist oder Religionsausgrenzer ist nun mal ein Nazi, Neonazi, Rassist oder Religionsausgrenzer und kein 'Besorgter'."

Schon mal interessant, wie Sie alles in einen Topf werfen.

Lesen Sie mal das:

"Desinteresse und kaum Aufklärung Gewalt gegen christliche Flüchtlinge"
(Quelle: br24.de vom 30.03.2016)

dann wissen Sie, wo der Hammer hängt.

Wie kann man nur so naiv und blind durch die heutige Zeit gehen wie Sie??????
Wenn wir nicht aufpassen, dann geschieht es uns wie den Indianer in Amerika einst.

15.03.2018 16:43 Wolfgang Nawalny 82

Wie hatte vor wenigen Tagen erst FDP-Lindner formuliert: "Ich glaube nicht, dass Flüchtlinge hier integriert werden müssen."

Er hat recht. Warum dieser ganze Integrationszirkus, wenn unsere BK Merkel 2016 sagte, sie denke in 3 Jahren werden diese Menschen wieder in ihre Heimatländer zurückkehren. Auf jeden Fall denken die hier schon länger Lebenden, dass "diese Menschen" nach den Bürgerkriegen und Kriegen in ihre Länder zurückkehren. Frau Wagenknecht bezeichnete "diese Menschen" übrigens als Gäste. Recht hat sie.

@Krause, Sie scheinen noch nicht mitbekommen zu haben, dass für das gleiche Gebäckstück in Schleswig ein ganz anderer Ausdruck gilt als in Bayern. Also was soll der Ost-West Unsinn ständig. In Deutschland werden landestypische Traditionen gepflegt und so sind auch traditionell andere Ausdrücke völlig normal.

15.03.2018 16:34 Mediator an IchIch(71) 81

Selbstverständlich kann ich Beispiele bringen, dass sich DDR Flüchtlinge in der BRD nach der Maueröffnung in Teilen genauso daneben benommen haben wie TEILE der Flüchtlinge heute auch.

Letztendlich haben sich DDR-Flüchtlinge und heutige Flüchtlinge ja in ähnlichen Situationen befunden. (Fehlende Perspektive, Frust, keine Privatsphäre in Notunterkünften, nichts zu tun)

Ich zitiere mal aus dem Spiegel 8/1990 'Warum kommen die noch'

"Jeden Tag kommt es in dem Notquartier zu Streit und Schlägereien, und nachts kann der Mann kaum schlafen, weil Betrunkene krakeelend durch die Gänge torkeln. Laubsch: "Es ist die Hölle.""

weiter: "Das Saarland hat letzte Woche als erstes Bundesland Konsequenzen gezogen und in sechs Notaufnahmestellen Polizeibeamte stationiert. Köln will demnächst spezielle Resozialisierungsheime für auffällige Übersiedler einrichten."

Von daher sollte man verstehen, dass die Umstände mesit die Probleme machen und nicht die Menschen an sich!