Lkws parken bei Nacht
Nachtstellplätze sind Mangelware. Bei der Planung der Autobahnen waren die heutigen Verkehrs- und Warenströme per Lkw nicht abzusehen. Bildrechte: imago/biky

Park-Problem Dessauerin verschafft Lkws Nacht-Parkplätze

Lkw-Fahrer ist schon lange kein Traumjob mehr: Termindruck, Maut, Drängler, Staus und am Ende eines langen Tages findet der Fahrer keinen Parkplatz zum Übernachten. Da kommt Denise Schuster ins Spiel. Die 38-Jährige ist gebürtige Dessauerin, hat lange in München gelebt und ist jetzt heimgekehrt. In Dessau betreibt sie die Online-Plattform "park-your-truck".

MDR-Reporter André Damm
Bildrechte: André Damm

von André Damm, MDR SACHSEN-ANHALT

Lkws parken bei Nacht
Nachtstellplätze sind Mangelware. Bei der Planung der Autobahnen waren die heutigen Verkehrs- und Warenströme per Lkw nicht abzusehen. Bildrechte: imago/biky

Die Geschäftsidee der Dessauerin Denise Schuster hört sich plausibel an. Über ihre Internet-Plattform können Speditionen für ihre Lkw-Fahrer einen Parkplatz für die Nacht reservieren - bisher war das entlang den Autobahnen reiner Zufall. Denn an deutschen Autobahnen sollen bis zu 30.000 Lkw-Parkplätze fehlen. Nach einer Studie steuern die Fahrer vier- bis fünfmal mögliche Stellplätze an, finden aber meist keine Lücke. Sie dürfen aber wegen der Lenk-und Ruhezeiten auch nicht ewig weiterfahren.

Denise Schuster
Bildrechte: MDR/André Damm

Wenn sich die Speditionen bei 'park-your-truck' melden, geht es dagegen ruckzuck. Der Parkplatzbetreiber wird informiert, wann welches Fahrzeug ankommen wird. Und der Fahrer bekommt gleichzeitig eine SMS aufs Handy, wo sich sein Parkplatz für die Nacht befindet.

Denise Schuster, Unternehmerin

Die Buchungsplattform für Brummis scheint zu funktionieren, weil Denise Schuster in ganz Deutschland Parkplätze aufgespürt und in ihr Buchungssystem aufgenommen hat. Sie hat inzwischen 112 Areale mit tausenden Stellflächen unter Vertrag, darunter viele in Sachsen-Anhalt. "Wir haben in Dessau zwei große Parkflächen, wir haben 80 Parkplätze in Calbe auf dem Gelände eines ehemaligen Betonmischwerkes. Es gibt aber auch gesicherte Flächen in Bad Kösen, Möckern und Magdeburg."

Firma vermittelt gegen Provision freie Flächen

LKWs parken auf dem Rastplatz.
Nicht für alle Lkws ist Platz auf den regulären Rastplätzen an den Autobahnen. Bildrechte: imago/Jochen Tack

Die Spedition zahlt zehn bis 15 Euro für die Buchung, die Firma von Denise Schuster erhält eine Provision in Höhe von vier Euro pro Buchungstag. Seit einem Jahr ist die Online-Plattform "park-your-truck" geschaltet – bei der Auslastung gibt es aber noch Luft nach oben. Die Dessauerin ist deshalb unermüdlich auf Achse, betreibt Überzeugungsarbeit. Sie will erreichen, dass Lkw-Fahrer nicht mehr in Ausfahrten, auf  Seitenstreifen und vor Supermärkten parken müssen: "Zur Zeit haben wir mehr Buchungen durch osteuropäische Speditionen. Bei vielen deutschen Unternehmen muss noch ein Umdenken stattfinden. Die Speditionen müssen begreifen, dass sie nicht nur für ihre Ladung, sondern auch für ihre Fahrer Verantwortung tragen müssen. Es geht darum, zu sagen: Meine Fahrer sind es mir wert, dass sie die Nacht sicher verbringen."

Um ihre Ziele zu erreichen, hat sich Denise Schuster zuletzt einflussreiche Verbündete gesucht: Es gibt inzwischen Kooperationen mit dem Mineralölkonzern Shell, mit dem Lkw-Versicherer Kravag und dem Verkehrsplaner PTV. Gemeinsam wollen sie für mehr sichere Parkplätze für Lkw-Fahrer sorgen.

Quelle: MDR/ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 17. Mai 2019 | 11:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2019, 15:45 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

8 Kommentare

19.05.2019 07:17 Charlie 8

Da es bald keine Fahrer gibt,die in ihren LKW übernachten dürfen,so die Planung der Regierung,hat sich doese Geschäftsidee auch demnächst erledigt.

19.05.2019 04:23 filou 7

Ich schließe mich den Kommentaren 1-3 sehr gern an und finde diese Idee enorm wichtig und gut. Denn auch wir PKW Fahrer profitieren gut davon, wenn dadurch die Sicherheit für alle dadurch etwas mehr steigt, indem die Einfahrten nicht blockiert oder verstellt werden. Respekt und Hut ab, das es noch LKW Fahrer gibt, die unter diesen Bedingungen und nicht mehr Zeitgemäßen Lohn Fahren. Ich wünsche allen allzeit eine gute und Unfallfreie Fahrt, sowie mehr Respekt unter und gegenüber allen Kraftfahrern. Mehr Miteinander !!
Denn wichtig ist ein tägliches und gesundes ankommen am Ziel, sowie zu Hause bei der Familie.

18.05.2019 09:26 M.K.aus L 6

@hotdog Der Herr Engelhard soll mir mal zeigen,
wo denn ein Fahrer 3000€ verdient. Wäre mal interessant. 3000€???? Ich kann da nur sagen: Träum weiter, Herr Engelhard. Das ist reine Dummschwätzerei. Ich kenne einige Fahrer die haben mal in den 90ern 3000 D-Mark verdient, und jetzt hängen die bei 1500- 1750 € "Gehalt". Aber so lange große Deutsche Speditionen Sub-Unternehmer aus Osteuropa Monatelang draussen herumfahren lassen und denen das ziemlich egal ist, wo die armen Teufel campieren, wird sich so schnell nix ändern. Da kann sich der Herr Engelhard noch so oft heraus reden und meinen, den Fahrern gehts doch gut und verdienen ordentlich. Elende Heuchlerei von Funktionären.
Wie gut das ich in keiner Gewerkschaft bin.

Mehr aus Dessau-Roßlau, Anhalt und Landkreis Wittenberg

Mehr aus Sachsen-Anhalt