126.000 Hektar groß 40 Jahre Artenschutz: Biosphärenreservat Mittelelbe feiert Geburtstag

Alles fing an mit einem Wettrennen zwischen DDR und BRD: Diesem Wetteifern ist es zu verdanken, dass das Biosphärenreservat Mittelelbe seit 40 Jahren streng geschützt ist. Entlang der Elbe liegen Europas letzte naturnahe Flusslandschaften. Zum Geburtstag wirft MDR SACHSEN-ANHALT einen Blick auf die Anfänge des Biosphärenreservats.

Es ist knapp 126.000 Hektar groß, erstreckt sich über Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern sowie Schleswig-Holstein – und trägt seit 40 Jahren den Schutzstatus "Biosphärenreservat". Die Rede ist vom Biosphärenreservat Mittelelbe.

Als die Unesco im Herbst 1979 den Antrag der DDR-Regierung abnickt, das Naturschutzgebiet Steckby-Lödderitzer Forst zum Biosphärenreservat zu erklären, ist das damals 3.850 Hektar große Naturschutzgebiet das erste Biosphärenreservat Deutschlands. Es liegt in der DDR, nicht in der BRD. Und weil auch das Vessertal in Thüringen zum Biosphärenreservat erklärt wird, hat die DDR auf einen Schlag gleich zwei solcher strengen Schutzgebiete. Erich Honecker hat sein Ziel erreicht. Er hat das Wettrennen mit der BRD gewonnen. 2:0.

Der erste hauptamtliche Naturschützer der DDR

Auch Peter Ibe erinnert sich an diese Zeit. Er, der gelernte Geflügelzüchter, der einst auf der Vogelschutzwarte Steckby bei Zerbst aushalf und später zum ersten hauptamtlichen Naturschützer der DDR werden sollte, sagt rückblickend: "Das war schon etwas Besonderes, dass wir zwei Biosphärenreservate hatten und die BRD nicht."

Der ehemalige Mitarbeiter in der Biosphärenratsverwaltung Mittelelbe und anerkannte Biberexperte Peter Ibe steht vor dem Aussichtsturm der Biberfreianlage nahe des Verwaltungssitzes bei Dessau-Roߟlau.
Natürschützer Peter Ibe Bildrechte: dpa

Biosphärenreservat wird man nicht einfach so. Das muss man sich hart erkämpfen und auch heute noch immer wieder verteidigen.

Peter Ibe Erster hauptamtlicher Naturschützer der DDR

Grund für die Ernennung zum Biosphärenreservat war und ist, dass es in dem Naturschutzgebiet den letzten erhaltenen Hartholzauenwald in Mitteleuropa gibt. Ibe betont, dass im Reservat schon vor der Ernennung einiges für den Natur- und Artenschutz unternommen wurde. "Wir hatten damals einige Verordnungen, die dem Naturschutz gut taten", sagt Ibe. So habe es beispielsweise einen Schutzstatus für besonders bedrohte Arten gegeben.

40 Jahre später ist die Natur im Biosphärenreservat Mittelelbe weitaus strenger geschützt. Zu den Aufgaben des Biosphärenreservats gehört es, die hier ansässigen Arten zu schützen und zu erhalten. Das gilt auch für die vorhandenen Ökosysteme und den Hartholzauenwald.

Kurz erklärt: Das Biosphärenreservat Mittelelbe

Das knapp 126.000 Hektar große Biosphärenreservat Mittelelbe hat sich im Laufe der vergangenen 40 Jahre Schritt für Schritt ausgeweitet. Heute gehören neben der Elbe auch Mulde, Saale und Havel dazu, ebenso die Mündungsbereiche von Schwarzer Elster, Aland, Tanger und Ohre sowie Tausende Klein- und Stillgewässer. Einst von der Ausrottung bedroht, leben im Biosphärenreservat heute allein rund 1.200 Elbebiber.

Ibe weiß: 80 Prozent des Waldes entlang der gesamten Elbe stehen im Biosphärenreservat Mittelelbe, genauer zwischen Magdeburg und Wittenberg. Das zu erhalten, ist der Ansporn von Menschen wie dem 71-Jährigen. Im Laufe der Jahre hat Ibe sich als Biberexperte einen Namen gemacht. Entlang der Elbe in Anhalt und Wittenberg hat er etwa 500 Biber gefangen und sie für Wiederansiedlungsprojekte ins Saarland oder in die Niederlande gebracht – dorthin, wo die Nager als Landschaftsgestalter benötigt wurden.

Biber
Im Biosphärenreservat Mittelelbe leben heute rund 1.200 Elbebiber. (Archivfoto) Bildrechte: Colourbox

Und auch im Biosphärenreservat Mittelelbe hat der Biber noch heute eine große Bedeutung. Einst von der Ausrottung bedroht, leben heute wieder rund 1.200 Elbebiber hier. Auch deshalb ist die Referenzstelle Biber an die Reservatsverwaltung angeschlossen. Sie kümmert sich um Monitoring, Schutz und Wiederansiedlungen von Bibern.

Zufall ist es also nicht, dass auf dem Jubiläumslogo des Biosphärenreservats Mittelelbe ein Biber zu sehen ist. Um den Nager herum ist eine blaue 40 gezeichnet, darunter der Schriftzug 1979 – 2019. Das Biosphärenreservat Mittelelbe feiert Geburtstag.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. November 2019 | 11:40 Uhr

1 Kommentar

Strafrechts-Profit-eur vor 32 Wochen

Ich habe den Elberadweg vor über 10 Jahren von Bad Schandau bis zum Mittellandkanal abgefahren.

Es ist eine sehr schöne Flußlandschaft, die unbedingt erhalten werden muss.

Niemals darf man solche Fehler machen, wie am Rhein, der völlig zerstört wurde und heute nur noch ein hässlicher Schiffahrts- und Abwasserkanal ist.

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