Grafik: 43,61 Prozent der Kommentare wurden beim Todesfall in Köthen auf der Homepage des MDR SACHSEN-ANHALT nicht veröffentlicht.
43,61 Prozent der Kommentare konnten nicht veröffentlicht werden. Bildrechte: MDR/mdrklärt

#mdrklärt Nicht freigegeben: Hasskommentare zum Todesfall in Köthen

Trauer, Hass, Unverständnis – der Tod des 22-Jährigen in Köthen hat viele Sachsen-Anhalter stark beschäftigt. Das zeigen die vielen Kommentare, die auf der Homepage des MDR SACHSEN-ANHALT zu den Artikeln geschrieben wurden. Allerdings konnten nicht alle Kommentare freigegeben werden. Ein redaktioneller Einblick.

von Johanna Daher, MDR SACHSEN-ANHALT

Grafik: 43,61 Prozent der Kommentare wurden beim Todesfall in Köthen auf der Homepage des MDR SACHSEN-ANHALT nicht veröffentlicht.
43,61 Prozent der Kommentare konnten nicht veröffentlicht werden. Bildrechte: MDR/mdrklärt

"Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten", heißt es zu Beginn des fünften Artikels des Grundgesetzes. Das Grundgesetz steht in seiner Bedeutung als höchste Rechtsnorm über allen anderen Gesetzen und ist damit für die Demokratie und eine mündige Gesellschaft von oberster Bedeutung. Allerdings hat die freie Meinungsäußerung auch ihre Grenzen – und zwar, wenn beispielsweise andere Menschen beleidigt werden und somit ihre Ehre verletzt wird. Denn das widerspricht dem ersten Artikel des Grundgesetzes: "Die Würde des Menschen ist unantastbar."

Deshalb dürfen erst einmal alle Nutzer die Online-Artikel des MDR SACHSEN-ANHALT kommentieren. Redakteure lesen diese Beiträge und geben sie frei. Dieses Freischalten erfolgt nur, wenn sie den Regeln, also der Netiquette, entsprechen und beispielsweise keine Beleidigung enthalten. Der Todesfall des 22-Jährigen in Köthen hat viele Sachsen-Anhalter emotional sehr stark bewegt, weshalb auch eine hohe Anzahl an Hasskommentaren verfasst wurde. Diese konnten nicht freigegeben werden.

Welche Kommentare wurden nicht freigegeben?

Von den über 1500 Kommentaren zu Artikeln mit Bezug zum Todesfall in Köthen wurden 43,61 Prozent abgelehnt. Das bedeutet, dass nur etwa die Hälfte der Kommentare freigeschaltet werden konnte. Diese Werte sind sehr hoch, denn durchschnittlich wurden bisher – bezogen auf alle Online-Artikel des MDR SACHSEN-ANHALT – knapp 17 Prozent aller Kommentare nicht veröffentlicht. Keine Freigabe haben im aktuellen Fall beispielsweise diese Beiträge bekommen:

#mdrklärt Hasskommentare zu Tod in Köthen: Diese haben wir nicht freigeschaltet

Beispielhafter Kommentar, der nicht freigeschaltet werden konnte.
Die Online-Artikel des MDR SACHSEN-ANHALT zum Tod des 22-Jährigen in Köthen wurden von vielen Sachsen-Anhaltern kommentiert. Allerdings konnten 43,61 Prozent der Kommentare nicht freigeschaltet werden, da sie beleidigend und/oder ausländerfeindlich sind. Diese drei Beispiele sollen stellvertretend einen Einblick geben. Bildrechte: MDR/Johanna Daher
Beispielhafter Kommentar, der nicht freigeschaltet werden konnte.
Die Online-Artikel des MDR SACHSEN-ANHALT zum Tod des 22-Jährigen in Köthen wurden von vielen Sachsen-Anhaltern kommentiert. Allerdings konnten 43,61 Prozent der Kommentare nicht freigeschaltet werden, da sie beleidigend und/oder ausländerfeindlich sind. Diese drei Beispiele sollen stellvertretend einen Einblick geben. Bildrechte: MDR/Johanna Daher
Beispielhafter Kommentar, der nicht freigeschaltet werden konnte.
Die Social Media-Redakteure des MDR SACHSEN-ANHALT lesen die Homepage-Kommentare und schalten diese frei. Dafür müssen sie die Netiquette, also gewisse Regeln, erfüllen. Beleidigungen und Hetze wird demnach nie freigeschaltet. Bildrechte: MDR/Johanna Daher
Beispielhafter Kommentar, der nicht freigeschaltet werden konnte.
MDR-Juristin Luise Schönwald sagt, dass Hasskommentare angezeigt werden können. Je nach Inhalt werden Geld- oder Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren in Betracht gezogen. Bildrechte: MDR/Johanna Daher
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Wie werden Hasskommentare juristisch eingeordnet?

Hasskommentare können wegen ihres Inhalts angezeigt werden. "Eine Straftat liegt vor, wenn eine Beleidigung, Drohung oder Volksverhetzung, beispielsweise bei Ausländerfeindlichkeit, verfasst wurde", sagt Luise Schönwald, Juristin des MDR. So ist hier die klare Abgrenzung seitens der Meinungsfreiheit wichtig, es geht um Herabsetzungen und Ehrverletzungen, die über ein reines Werturteil hinausgehen.

Die Juristin erklärt, dass die Anzahl an Hasskommentaren im Allgemeinen in den vergangenen Jahren zugenommen hat. "Früher wurden Leserbriefe verschickt, die erstmal nur die Redaktion bekommen hat. Da waren Shitstorms noch nicht möglich. Ich habe das Gefühl, dass die Anonymität und der größere Verbreitungsraum im Internet dazu beitragen, dass die Sprache immer stärker verroht."

Welche Folgen können Hasskommentare für die Verfasser haben?

Je nach Inhalt müssen angezeigte Verfasser von Hasskommentaren mit einem unterschiedlichen Strafmaß rechnen. Für Beleidigungen und Drohungen sind Geldstrafen und eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr möglich. Volksverhetzung, die beispielsweise bei Ausländerfeindlichkeit in Betracht gezogen wird, kann eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis fünf Jahren zur Folge haben. Der MDR behält sich vor, Strafanzeige zu erstatten, sagt Luise Schönwald. In ein paar Fällen hat die Rundfunkanstalt davon in der Vergangenheit bereits Gebrauch gemacht.

Quelle: MDR/jd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 12. September 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2018, 18:55 Uhr

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51 Kommentare

15.09.2018 17:56 Eulenspiegel 51

Hallo Gottlieb 50
Sie tun hier so als wenn ich hier fest stehende Tatsachen anzweifeln würde. Das Gegenteil ist der Fall. Um es ganz klar zu schreiben: Kriminalität hat nichts mit der Herkunft zu tun denn in allen Gesellschaftsschichten und allen Herkunftsländern gibt es Kriminalität. Aber das zweifeln sie ja anscheinend an. Also ich kann ihnen nur empfehlen das noch ein mal zu überdenken.

15.09.2018 15:35 Gottlieb 50

@ Eulenspiegel (48)
"Und ich denke das gegenteil sollten sie erst ein mal Beweisen.". Und ich denke, daß sich jeder im Netz allgemein und in den Foren des MDR informieren kann. Ich möchte meine eignen Kommentare nicht mehrfach wiederholen. Aber es gehört zur Höflichkeit in einer Diskussion, die nicht erst seit gestern im Gang ist, das, was andere mitgeteilt haben, bei eigenen Kommentaren zu berücksichtigen. Dann muß man nicht immer wieder von vorn anfangen. Während Lale allerdings wohl noch neu in den Foren des MDR ist, ist Ihr Name schon häufiger aufgetaucht. Sie müßten also Bescheid wissen. Oder lesen Sie nur Ihre eigenen Kommentare?

15.09.2018 15:17 Ex - Thüringerin 49

@41. Werner - MDR komplett ohne Komm.-Spalten - da hätte die "Patrioten"-Fraktion viel mehr Zeit dafür, aktiv die polit. "Wende" in Sachsen und anders wo vorzubereiten - die "Deutschlandfeinde" dagegen hätten dann auch mehr Zeit für bürgerschaftliches Engagement.