#MDRklärt Todesfall in Köthen: Das sind die nächsten Schritte im Ermittlungsverfahren

Ermittlungen eingeleitet, Verdächtige befragt und ein vorläufiges Obduktionsergebnis – das Verfahren um den Todesfall eines 22-Jährigen in Köthen steht noch ganz am Anfang. Bis gegebenenfalls ein Urteil gesprochen werden kann, müssen noch einige juristische Schritte unternommen werden. Ein Überblick.

von Johanna Daher, MDR SACHSEN-ANHALT

Die einzelnen Schritte eines Strafverfahrens.
Im Überblick: Die einzelnen Schritte eines Strafverfahrens. Bildrechte: MDR/Johanna Daher

Jedes Strafverfahren unterteilt sich in vier Hauptpunkte: das Ermittlungs-, Zwischen-, Haupt- und Vollstreckungsverfahren. Je nach Fall können diese Teile unterschiedlich lange dauern. Zunächst gibt es eine Tat und einen Anfangsverdacht, die letztlich zur Einleitung des Ermittlungsverfahrens führen. Im Fall des toten Kötheners wurden parallel zur Ermittlung die Obduktion durchgeführt und ihre vorläufigen Ergebnisse genannt. "Es müssen nicht alle Details bekanntgegeben werden, manche Einzelheiten könnte auch nur der Täter wissen, weshalb sie nicht öffentlich gemacht werden", sagt MDR-Juristin Luise Schönwald.

Ermittlungsverfahren

Teil des Ermittlungsverfahrens ist es, dass die Staatsanwaltschaft gemeinsam mit anderen Behörden, zum Beispiel der Polizei, den Sachverhalt untersucht. Dabei werden Beweise erhoben, manchmal auch beschlagnahmt oder Durchsuchungen angeordnet. Das Ziel ist zu diesem Zeitpunkt bereits, herauszufinden, ob der Beschuldigte hinreichend verdächtig ist. Das bedeutet, dass genügend Details vorliegen, die zu seiner Verurteilung führen könnten. Dazu zählt auch, dass entlastende Beweise erhoben werden. An diesem Punkt steht aktuell das Verfahren um den toten 22-Jährigen aus Köthen. Ermittelt wird hier unter anderem wegen des Verdachts auf Körperverletzung mit Todesfolge.

Schließlich muss die Staatsanwaltschaft auf Grund der vorliegenden Informationen entscheiden, ob der Verdächtige bei einem Gerichtsverfahren verurteilt werden würde oder nicht. Wenn eine Verurteilung wahrscheinlicher als der Freispruch ist, erhebt die Staatsanwaltschaft eine Anklage. Wenn nicht, wird das Verfahren bereits an dieser Stelle eingestellt. Per Post erhält der Beschuldigte bei Anklage eine Vorladung.

Zwischenverfahren

Das sich anschließende Zwischenverfahren erfüllt eine Filterfunktion. Das Gericht prüft hier bereits, ob eine Verurteilung mittels der vorliegenden Beweise wahrscheinlich wäre. Sollte dies der Fall sein, eröffnet es das Hauptverfahren, ansonsten wird das Verfahren abgelehnt.

Hauptverfahren

Dieser Schritt nimmt den wesentlichen Abschnitt im gesamten Strafverfahren ein. Hier wird vor Gericht entschieden, ob der Angeklagte verurteilt oder freigesprochen wird. Der Angeklagte, die Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Zeugen kommen zu Wort. Im Anschluss verkündet der Richter sein Urteil. Das Verfahren wird rechtskräftig abgeschlossen, wenn keine Rechtsmittel wie Revision oder Berufung eingelegt werden. Dafür würde ein eigenes Rechtsmittelverfahren beantragt.

Vollstreckungsverfahren

Das Hauptverfahren liefert die Grundlage für das am Ende stehende Vollstreckungsverfahren. Dieses wird nur durchgeführt, wenn kein Freispruch verkündet wurde. Die Staatsanwaltschaft setzt die Rechtsfolgen der Tat aus dem Urteil durch, zum Beispiel eine Geld- oder Freiheitsstrafe.

Wie lange dauert ein Strafverfahren?

Die Dauer eines Strafverfahrens ist bei jedem Fall individuell. "Das hängt von Kriterien wie der Anzahl der Täter und ob sie überhaupt bekannt sind genauso wie von der Schwere der Straftat ab", sagt MDR-Juristin Luise Schönwald beispielhaft. Demnach lasse sich auch nicht sagen, wie lange das Verfahren rund um den Todesfall des 22-jährigen Kötheners dauern werde. Der Tathergang müsse lückenlos rekonstruiert werden, um ein angemessenes Urteil zu fällen.

Was ist ein beschleunigtes Verfahren?

Es gibt Strafverfahren, bei denen klare Sachverhalte vorliegen, also Tat und Täter eindeutig sind, wie beispielsweise zuletzt das Zeigen des Hitler-Grußes in Köthen und Halle. Die Staatsanwaltschaft kann hier mündlich oder schriftlich einen Antrag auf ein beschleunigtes Verfahren stellen. Dadurch fällt das Zwischenverfahren weg, es kommt nach einem verkürzten Ermittlungsverfahren direkt zum Hauptverfahren.

Quelle: MDR/jd

Zuletzt aktualisiert: 14. September 2018, 19:44 Uhr

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13 Kommentare

16.09.2018 08:34 Benutzer 13

15.09.2018 10:07 Mediator

sehen wieder immer das gleiche von ihnen. Ausreden, Parolen ...........

Hassprediger :D was sind dann für sie Linksextreme ? ;) predigen die kein Hass gegen andersdenkene?!

15.09.2018 20:31 Eulenspiegel 12

Ich denk das Problem ist gerade in diesem Fall das schon im Ermittlungsverfahren, zu einem Zeitpunkt also da man fleißig dabei ist genau zu klären was eigentlich Sache ist, viele Kommentatoren schon glaubten sie wüssten ganz genau was Sache ist. Ich denke man muss es mal ganz klar schreiben: Hier haben bestimmte rechtsradikale Gruppierungen den Tot diese jungen Mannes ganz klar gezielt ausgenutzt um gegen Flüchtlinge zu hetzen. Und man muss es noch ein mal schreiben der junge Mann ist an einem Herzinfarkt gestorben. Und was genau vor dem Herzinfarkt geschehen ist und ob das überhaupt einen Einfluss auf den Herzfakt hatte das wird das Ermittlungsverfahren und der Prozess klären. Die Frage ist natürlich auch kam es vor den Herzinfarkt zu einer Körperverletzung und wenn ja warum. Und muss diese mögliche Körperverletzung möglicherweise strafrechtliche Folgen haben.

15.09.2018 19:09 meta1960 11

Nach der Lektüre der Kommentare 1 bis 9 bin ich doch sehr verwundert. Sind wir inzwischen schon so weit gekommen, dass Kommentatoren, die keine AfD-nahe Meinung vertreten, schon als Teil des "Systems" betrachtet werden?
Der User "Mediator" wird also "gesteuert"?
Dann gehöre ich wohl auch dazu, weil ich mit ihm einer Meinung bin?

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