Feuertod in Dessauer Polizeizelle Neue Details im Fall Oury Jalloh

Aus den Ermittlungsakten im Fall des verstorbenen Asylbewerbers Oury Jalloh sind neue Einzelheiten veröffentlicht worden. Nach Informationen der Mitteldeutschen Zeitung hält der frühere leitende Oberstaatsanwalt Bittmann eine Vertuschungstat durch Polizisten für möglich. Das geht aus einem Aktenvermerk aus dem April 2017 hervor. Diese Akten dürfen nun auch Landtagsabgeordnete einsehen. Im Oktober wurden die Ermittlungen zu dem Fall eingestellt.

Im Fall des verbrannten Asylbewerbers Oury Jalloh sind neue Details aus den Ermittlungsakten bekannt geworden. Die "Mitteldeutsche Zeitung" berichtet über einen Aktenvermerk vom April 2017, wonach der Dessauer Oberstaatsanwalt Folker Bittmann eine Vertuschungstat von Polizisten für möglich hält. So könnten Beamte den Häftling angezündet haben, um zuvor zugefügte Verletzungen zu vertuschen. Ebenfalls hätten Ermittlungen zu zwei früheren Todesfällen im Umfeld der Dessauer Polizei verhindert werden sollen, heißt es in dem Bericht weiter.

Auch politisch soll der Fall neu aufgerollt werden. Am Mittwoch gab Regierungssprecher Matthias Schuppe bekannt, dass Landtagsabgeordnete die Ermittlungsakten einsehen dürfen. Aus Sicht der Fraktion "Die Linke" war nach einem Bericht des ARD-Magazin "Monitor" eine erneute Debatte nötig geworden. Die Nachricht, wonach der langjährige leitende Dessauer Staatsanwalt Bittmann im April einen Mord an Jalloh für wahrscheinlich hielt, sei für die Öffentlichkeit neu gewesen. Ende November hatte das Parlament nach einer langen Debatte die Akteneinsicht gefordert.

Auch mehr als 12 Jahre nach dem Tod des Mannes aus Sierra Leone ist weiterhin unklar, was genau in der Dessauer Polizeizelle geschah. Im Oktober hatte die Staatsanwaltschaft Halle die Ermittlungen zum Verbrennungstod des Asylbewerbers Oury Jalloh eingestellt. Zur Begründung hieß es, dass es keine ausreichenden Anhaltspunkte für eine Beteiligung Dritter beim Ausbruch des Feuers gebe. Oberstaatsanwältin Heike Geyer sagte, eine weitere Aufklärung sei nicht zu erwarten.

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Quelle: MDR/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07. Dezember 2017 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2017, 10:02 Uhr

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61 Kommentare

09.12.2017 14:33 augu 61

Nur wenn mit nahezu 100% Wahrscheinlichkeit durch neue Begutachtung ausgeschlossen werden kann, dass O.Jalloh sich selbst angezündet hat, wird das Gerichtsverfahren neu aufgenommen. Besteht aber eine sehr kleine Wahrscheinlichkeit, dass er sich tatsächlich selbst angezündet hat, gibt es keinen Strafprozess gegen die beteiligten Polizeibeamten, weil dieser keine Aussicht auf Erfolg hätte, denn es heißt" im Zweifel für den Angeklagten".
Im Klartext: wenn einmal über den Fall entschieden , reicht es nicht, wenn es viele Indizien gibt ,dass sich der Vorfall anders abgespielt hat, als im alten Prozess angenommen. Eine damals angenommene entscheidende Tatsache muss durch neue Begutachtung sich als "unmöglich" erweisen, sonst gibt es kein Neubefassen eines Gerichts mit dem Vorfall.
Grundsätzlich ist diese hohe Hürde gegen die Wiederaufnahme eines Gerichtsverfahren vielleicht berechtigt, im vorliegendem Fall habe ich damit aber arge Bauchschmerzen.

09.12.2017 12:16 Kritischer Bürger 60

@58: Nun nehme man noch dazu; wie tief und verwurzelt der Glaube bei solchen Menschen eines anderen Kontinentes ist. Vergleiche es mit der heutigen Zeit und der Stellenwert des Glaubens in unserem Land D dann kommt man sicherlich auch selbst darauf was so manche "anstellen" um sich religiös nicht zu schaden! War in Europa im Mittelalter wohl gang und gebe wo NUR DIE KIRCHE das zu sagen hatte was die Menschen dieser Zeit befolgen sollten. In einigen Kontinenten ist eine solche Glaubensbefolgung heute noch wichtiger als Schule und Alphabet zu lernen! Würde jetzt noch auf Beschränktheit von Menschen mit entsprechenden Voraussetzungen im Vergleich zu hiesigen (in D) gut gebildeten Großteil mit anführen, doch das würde zu weit gehen!

09.12.2017 09:16 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 59

Zitat 58:
***Wie wäre es mit dem Glauben selbst im Rausch: Habe zwei Frauen belästigt. Bin daher in eine Zelle verwahrt worden was ja nun meinem Stolz als Mensch auf das schlimmste verletzt und daher ist ein "Freitot" (so würde man es als Deutscher sagen) zum Einen =Sühne=, zum Anderen eine =Erlösung= da man ja damit rechnen musste nach solcher (nur mal Alkohol) Abhängigkeit in der Heimat als Aussetziger angesehen wird.***

Da müßte man als 'Deutscher' schon fast "Chapeau!" sagen! Wenn ich sage: "Mensch, gestern wieder ordentlich einen gebrannt und dann saßen da zwei schnuckelige Häschen...", wird man doch enttäuscht als 'Loser' abgestempelt, wenn man den Satz mit einem "... und dann bin ich halt (allein!) nach Hause gegangen und habe mich schlafen gelegt, weil ich ja heute früh wieder pünktlich auf Arbeit erscheinen wollte." abschließt.

Ein 'lustiges Anquatschen' auf 2 Promille kann von der Gegenseite durchaus als 'Belästigung' wahrgenommen werden.