Prozess Dessau
Seit Ende November wird der Mordprozess vor dem Dessauer Landgericht verhandelt. Bildrechte: MDR/Martin Krause

32. Prozesstag Staatsanwaltschaft will Mutter des Angeklagten als Zeugin hören

Die Mutter des Angeklagten hat bis zum Fund der Leiche 40 Mal mit ihrem Sohn telefoniert. Die Staatsanwaltschaft will die Polizeibeamtin als Zeugin hören – und klären, was die beiden besprochen haben. Dazu stellte die Anklage neue Anträge.

von Martin Krause, MDR SACHSEN-ANHALT

Prozess Dessau
Seit Ende November wird der Mordprozess vor dem Dessauer Landgericht verhandelt. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Als der Angeklagte den Saal 118 betritt, geht ein Raunen durch die Zuschauerreihen. Der 21-Jährige hat seinen Schädel in der Haftanstalt kahl rasiert. "Furchteinflößend sieht der aus", flüstert eine Frau zu ihrer Nachbarin.

Dann betritt die vorsitzende Richterin den Saal, die Verhandlung beginnt. Es geht um das amtsärztliche Attest der Mutter des Angeklagten. Dem Attest nach ist die Frau vernehmungsunfähig. Die Staatsanwaltschaft fordert, die Kriminalbeamtin doch als Zeugin zu laden. Die Anklage verweist dabei auf die Möglichkeiten, während der Vernehmung der Mutter die Öffentlichkeit oder auch ihren Sohn zeitweise von der Verhandlung auszuschließen oder von einer Video-Aufzeichnung Gebrauch zu machen. Die Nebenklagevertreter schließen sich diesem Antrag geschlossen an. "Wir wollen klären, warum die Polizeibeamtin nach der Tat bis zum Auffinden der Leiche mit ihrem Sohn 40 Mal telefoniert hat", sagt Sven Peitzner, der die Eltern der getöteten Chinesin vor Gericht vertritt.

Auch die Amtsärztin, die der Mutter die Vernehmungsunfähigkeit bescheinigt hatte, soll vor Gericht vernommen werden. Die Kammer hat nun zwei Wochen Zeit, um über die Anträge zu entscheiden.

Verhandlung dauerte nur eine halbe Stunde

Am 20. Juni soll der Prozess fortgesetzt werden. Die Verhandlung am Dienstag dauerte nur eine knappe halbe Stunde, in der vergangenen Woche war ein Prozesstag bereits nach sieben Minuten beendet. "Das ist nicht ungewöhnlich", sagt Frank Straube, der Sprecher des Landgerichts Dessau-Roßlau. Die einzelnen Verhandlungstage verliefen nicht immer vorhersehbar. Zudem könnten von den Prozessbeteiligten immer wieder neue Anträge gestellt werden, die Einfluss auf das weitere Verfahren hätten. Zu guter Letzt müsse das Gericht auch bestimmte Fristen wahren. Laut Straube sei für solche Prozesse genau geregelt, wie viel Zeit zwischen den einzelnen Verhandlungstagen maximal vergehen dürfe.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 06.06.2017 | 16:30 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 06.06.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/rj

Zuletzt aktualisiert: 06. Juni 2017, 15:42 Uhr

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4 Kommentare

21.06.2017 16:03 Kumpaneiistlumpanei 4

Charakterlos.
Gerade jetzt könnte die Dame, in Bezug auf ihrem Sohn, eine klare Linie fahren und ihm Ganzen setzten.
Indem nicht mehr vertuscht, verheimlicht und beschönigt wird.
Ihm deutlich gemacht wird, daß Lügen nicht mehr akzeptiert werden und er für diese zutiefst widerliche Tat gerade stehen muß.
Auch was den Einfluß der "Schwiegertochter" angeht, hätte sie für neue Erkenntnisse sorgen können. Beide waren beteiligt und Xenia I. versucht sich durch ihr Opfergebaren aus der Affäre zu ziehen.
Sie jedoch tut nichts, hält weiter die Hand über den Täter. Wozu das geführt hat, ist bekannt.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

08.06.2017 17:58 Babara D. 3

Es ist nur eine Frage der Zeit ! Wir müssen nur warten können. Die Welt schaut zu -China . Fehler dürfen nicht mehr gemacht werden .
Vergessen wir nicht das noch keine Bäume in den Himmel gewachsen sind .
Es ist jeder daran interessiert ,der die Kommentare geschrieben hat , das dieser Mensch seine gerechte Strafe erhält. lebenslang -für immer .

07.06.2017 15:17 Kichererbse 2

Die Mutter soll vorgeladen und als Zeugin vernommen werden. Jetzt braucht man wohl bloß einmal anstatt 3x zu raten, wie das ablaufen wird. Als Mutter des Angeklagten hat sie das Recht, die Aussage zu verweigern. Sie wird also den Teufel tun, vor dem Gericht wie eine Nachtigall zu singen. Nun ist sie aber auch vom Fach. Als Polizeibeamtin war sie ja ständig bestrebt, Verbrechen zu verhindern, bzw. zu erkennen, festzustellen und aufzuklären. Mit etwas Ehrgefühl könnte sie zur Wahrheitsfindung beitragen. Wie gesagt, mit dem Ehrgefühl einer Polizeibeamtin. Als Mutter wird sie bestimmt kein Ehrgefühl aufbringen (müssen). Aber ihres Sohnes schämen darf sie sich. Meinetwegen, bis ans Lebensende.