Einmaliges Museum Streit um Leitung der Synagoge Gröbzig

Das Museum Synagoge Gröbzig ist als kulturhistorisches Museum weit über die Grenzen Sachsen-Anhalts hinaus bekannt. Seit einiger Zeit aber schwelt ein Streit, wie es in der Synagoge weitergehen soll. Während Landkreis und Stadt mit der bisherigen Arbeit des Fördervereins unzufrieden sind, kann die Museumsleiterin die Kritik nicht nachvollziehen.

In Gröbzig im Landkreis Anhalt-Bitterfeld gibt es Streit um die Leitung des Synagoge-Museums. Weil Landkreis und Stadt unzufrieden mit der Arbeit des bisherigen Fördervereins sind, muss die langjährige Museumsleiterin Marion Méndez demnächst gehen – nach mehr als 20 Jahren.

Bernhard Böddecker, Landkreis Anhalt-Bitterfeld
Bernhard Böddeker vom Landkreis Anhalt-Bitterfeld ist unzufrieden mit der Arbeit des bisherigen Fördervereins. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bernhard Böddeker vom Landkreis Anhalt-Bitterfeld sagte MDR SACHSEN-ANHALT, weder Bewohner noch Stadt und Landkreis hätten sich im Museumsbetrieb wiedergefunden. Die Veranstaltungen im Museum seien in der Vergangenheit kaum von Menschen aus Gröbzig, Köthen oder der Region besucht worden. Stattdessen seien Besucher aus ganz Deutschland vor Ort gewesen. "Das ist ja auch schön. Es ist aber nicht das, wofür wir so viel Geld ausgeben wollen", sagte Böddeker.

Insgesamt 120.200 Euro stehen für dieses Jahr für das Museum bereit. Mehr als die Hälfte zahlt das Land Sachsen-Anhalt, den restlichen Anteil teilen sich die Landkreis und die Stadt Südliches Anhalt. Der Fördervertrag mit dem alten Verein lief vergangenes Jahr aus. Da es bislang keine ordentliche Übergabe gegeben hat, fließt derzeit auch kein Geld. Bis Ende des Monats soll diese Übergabe vollzogen werden, damit der neue Verein seine Arbeit aufnehmen kann.

Marion Mendéz, Leiterin des Museums Synagoge Gröbzig
Museumsdirektorin Marion Méndez kann die Kritik an ihrer Person nicht nachvollziehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die scheidende Museumsleiterin Marion Méndez kann die gegen sie erhobenen Vorwürfe allerdings nicht nachvollziehen. Sie sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man habe von Beginn an mit städtischen Einrichtungen zusammengearbeitet. Das Jugendblasorchester habe mehrfach im Museum gespielt, auch gebe es eine "sehr lebendige und aktive Kooperation" mit dem Schulzentrum Gröbzig. Beim jährlichen Museumsfest habe man verschiedene städtische Einrichtungen miteinbezogen, sagte Méndez.

Kulturministerium will Arbeit des neuen Vereins prüfen

Der öffentlichen Hand war das offenbar nicht genug. Sie hat gehandelt und einen neuen Förderverein gegründet. Das Land Sachsen-Anhalt hat seine Zustimmung signalisiert. Bedeutet: Künftig soll der neue Verein die Zuschüsse bekommen. Doch auch er wird sich an seiner Arbeit messen lassen müssen, kündigte die Staatskanzlei bei MDR SACHSEN-ANHALT an. Kultur-Staatssekretär Gunnar Schellenberger, CDU, sagte, man werde "knallhart kontrollieren" und Landesmittel nur bei Erfüllung der Qualitätskriterien herausgeben. "Das ist für uns eine wichtige Prämisse", sagte Schellenberger. Schon vergangenes Jahr war bekannt geworden, dass das Land seinen Anteil nur zahlt, wenn auch Land und Landkreis den bisherigen Förderverein unterstützen.

Das Museum Synagoge Gröbzig ist nach eigenen Angaben ein deutschland- und europaweitet einmalig. In Synagoge, Gemeindehaus, Schule und Friedhof wird sich mit dem jüdischen Erbe befasst. Wegen der ungeklärten Trägerschaft und fehlenden Finanzierung ist das Museum bis auf Weiteres geschlossen.

Innenansicht des Museums Synagoge Gröbzig
Zum Museum Synagoge Gröbzig gehört auch eine Schule. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 15.01.2018 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/ld

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2018, 07:45 Uhr

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3 Kommentare

16.01.2018 18:42 Heinrich 3

Klingt nach Trauriger Provinzposse.Was möchte man denn da "knallhart kontrollieren" ? im Zusammenhang mit einer Museumssynagoge die dem Andenken der Shoah dient ist schon diese Wortwahl etwas mehr als fragwürdig. Wenn bereits Schul- bzw. Bildungsarbeit geleistet wird, ein jährliches Museumsfest für die Stadt und ähnliches und das überregionale Interesse so groß ist, kann man sich schon fragen woher diese Härte kommt - zumal Gröpzig und selbst Köthen jetzt nicht die Metropolen sind aus denen die Menschen zu Tausenden herströmen könnten...

16.01.2018 14:07 Max W. 2

@16.01.2018 08:32 Otto Freundlich ("Die Veranstaltungen im Museum seien in der Vergangenheit kaum von Menschen aus Gröbzig, Köthen oder der Region besucht worden. Stattdessen seien Besucher aus ganz Deutschland vor Ort gewesen. "Das ist ja auch schön. Es ist aber nicht das, wofür wir so viel Geld ausgeben wollen", sagte Böddeker."
OK, Aufklärung gegen Antisemitismus hat offensichtlich keine regionale Lobby in manchen Gegenden Ostdeutschlands. Schade.)

Und daran wird ein "neuer Förderverein" nichts ändern - weil die Ursachen nicht angegangen werden bzw. worden sind.

16.01.2018 08:32 Otto Freundlich 1

"Die Veranstaltungen im Museum seien in der Vergangenheit kaum von Menschen aus Gröbzig, Köthen oder der Region besucht worden. Stattdessen seien Besucher aus ganz Deutschland vor Ort gewesen. "Das ist ja auch schön. Es ist aber nicht das, wofür wir so viel Geld ausgeben wollen", sagte Böddeker."
OK, Aufklärung gegen Antisemitismus hat offensichtlich keine regionale Lobby in manchen Gegenden Ostdeutschlands. Schade.