Peter Fitzek
Peter Fitzek muss für drei Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Prozess am Landgericht Halle Fast vier Jahre Haft für "König von Deutschland"

Peter Fitzek, der selbsternannte "König von Deutschland", ist zu drei Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt worden. Ihm wurde schwere Untreue vorgeworfen. Fitzek sitzt seit Juni 2016 in Untersuchungshaft.

Peter Fitzek
Peter Fitzek muss für drei Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Prozess gegen den selbst ernannten "König von Deutschland", Peter Fitzek, ist am Mittwoch das Urteil gefallen. Er muss drei Jahre und acht Monate in Haft. Der Wittenberger musste sich seit Oktober 2016 vor dem Landgericht Halle verantworten. Ihm wurden schwere Untreue in 42 Fällen und Verstöße gegen das Kreditwesen vorgeworfen.

Hohe Fluchtgefahr

Fitzek sitzt bereits seit Juni 2016 in Untersuchungshaft. Diese Zeit wird auf das Urteil angerechnet. Der Haftbefehl wurde nach Angaben des Gerichtssprechers Wolfgang Ehm aufrechterhalten und in Vollzug gelassen. Das Gericht sehe nach wie vor eine hohe Fluchtgefahr. Ein Teil der Gelder sei bis heute nicht auffindbar. Diese könnten dem Angeklagten die Flucht erleichtern.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer am Dienstag vier Jahre Haft für Fitzek gefordert. Seine Verteidiger wollten einen Freispruch. Ob eine der beiden Seiten Revison oder Einspruch einlegt, ist noch nicht klar.

Krankenkasse und Bankgeschäfte

Der frühere Koch, Karatelehrer und Videothekar Peter Fitzek hat dem Gericht zufolge zwischen 2009 und 2013 in Wittenberg ohne die erforderliche Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Bankgeschäfte betrieben. Zwangsgelder und Strafen in Millionenhöhe zahlte er nicht.

Über 500 Menschen legten Geld bei Fitzek an. 2,3 Millionen Euro kamen so zusammen. Laut Urteilsbegründung soll Fitzek 1,3 Millionen Euro für eigene Zwecke verwendet haben.

Zeugen beschrieben Fitzek im Untreue-Prozess als jemanden, dem man vertraut. Bis zu sechsstellige Beträge haben ihm Menschen jeden Alters für seine Bank zukommen lassen. Die Anleger zahlten laut Staatsanwaltschaft auf Sparbücher ein – im Vertrauen darauf, das Geld jederzeit wieder abheben zu können. Einen Großteil der Summe soll er jedoch aus "egoistischen Gründen" ausgegeben haben, so die Staatsanwaltschaft. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Fitzek eine Bank betrieben und Vermögensbetreuungspflichten verletzt habe. Zu diesen Pflichten gehöre unter anderem eine sauber Buchhaltung. Weil es die nicht gab, ist bislang auch unklar, wofür das Geld ausgeben wurde.

Ein Gerichtsprecher sagte zur Urteilsbegründung, die Anleger hätten sich den Verbleib ihrer Gelder anders vorgestellt. So hätten einige Anleger bewusst Anlagen und Schenkungen vorgenommen, um zu zeigen, dass das angelegte Geld nicht zur freien Verwendung gedacht sei.

Fitzek betrieb auch eine Art Krankenkasse mit gut 500 Mitgliedern und eine eigene Rentenversicherung. Auch dafür hatte er keine Genehmigung.

Der Reichsbürger Fitzek

Der Verfassungsschutz zählt Fitzek zu den sogenannten Reichsbürgern. Die Bewegung leugnet die Existenz der Bundesrepublik und deren Gesetze. Er selbst streitet das vehement ab. Gleichwohl betonte er früher, dass er keine Dokumente der Bundesrepublik benötige. Mit diesem Land unterhalte er keine Rechtsbeziehungen.

Fitzek sieht sich als "Diener Gottes" und als Opfer. Er habe immer für das Gemeinwohl gehandelt, sagte er vor Gericht. Der psychiatrische Gutachter kam zu einem anderen Schluss: Fitzek sei materiell eingestellt – und voll schuldfähig. Für Staatsanwaltschaft und Gericht ist es unerheblich, ob Fitzek zur Reichsbürgerbewegung gehört oder nicht. Die Richterin sagte im Laufe des Prozesses, sie interessiere lediglich, ob er Gelder veruntreut habe oder nicht.

Das "Königreich Deutschland"

Fitzek hatte im Herbst 2012 auf dem Gelände eines früheren Krankenhauses in Wittenberg sein "Königreich Deutschland" ausgerufen und sich zum Oberhaupt ernannt. Die Raten für das Gelände wurden aber nie abbezahlt. Höchstpersönlich schrieb er eine Verfassung für seinen "Staat". Darin standen 92 Artikel, die jeder Untertan kennen musste. Außerdem muss jeder Interessent ein Staatsbürgerseminar besuchen. Das kostete bei einer Dauer von sieben Stunden 400 Euro. Seine Anhänger sehen in Fitzek noch immer ihren König und versuchen, die "Amtsgeschäfte" des Fantasiereiches weiterzuführen.

Peter, der Redner 

Mit unendlich langen Reden und Schreiben versuchte Fitzek immer wieder die Gerichte bei seinen zahlreichen Prozessen zu beeinflussen. Im aktuellen Fall bat er die Richterin unter anderem, ihn mit "Peter der Erste, Sohn des Horst" anzureden. Sie lehnte ab. Sein Schlusswort im Untreue-Prozess dauerte vier Stunden und 18 Minuten. Normalerweise sprechen Angeklagte in einem Schlusswort wenige Minuten. Fitzeks Rekord liegt aber sogar noch höher. Als er in Hof vor Gericht stand, dauerten seine Ausführungen sechs Stunden.

Fitzek, der Führerscheinlose

Erst am Montag war Peter Fitzek vom Amtsgericht Wittenberg zu 32 Monaten Haft verurteilt worden. Damit wurden 27 Fälle von Fahren ohne Fahrerlaubnis geahndet. 2012 hatte er seinen Führerschein abgegeben. Mit einem angeblich aus Paraguay stammenden Dokument war er fortan unterwegs. Der Richter in Wittenberg hielt es für eine Fälschung. Zuvor war er schon zu weiteren Haftstrafen verurteilt worden, ebenfalls, weil er wieder und wieder ohne gültigen Führerschein erwischt wurde. Zum Teil hatte er dabei auch ein selbstgebasteltes Dokument des "Königreich Deutschland" präsentiert.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT-HEUTE | 14.03.2017 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 15.03.2017 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. März 2017, 14:50 Uhr

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16 Kommentare

17.03.2017 15:37 Dafehltdochwas 16

@Georg Findeisen:
Sie haben recht, ich habe den Text der Main-Post an folgender Stelle falsch interpretiert, an der es heisst: "Der [Waldorflehrer] soll auf einen Video zu sehen sein. Der Film zeigt, wie sich Peter F. ...".
Fake-News korrigiert! Der echte Lehrer war offenbar trotzdem "rechts".

Dass Schaub und Molau lange Zeit "unentdeckt" waren, geschenkt. Wie wäre es mit dem rechten Lehrer in Minden, jahrzehntelang "unentdeckt"? Dem rechten Lehrer von "Alfa" in Ulm? Die Haverbecks und ihr Nazi-Ausbildungszentrum?

Weiterführend: "Der Stern - Waldorf-Pädagogik. Auf Tüchfühlung mit dem rechten Rand." / "Die Weltwoche: Von Elfen, Gnomen und Rassisten"/ "Die Welt - Hitler schöpfte seinen Arierwahn und Judenhass auch aus den Werken Steiners" / "Deutscher Lehrerverband: Waldorfschulen basieren auf rassistischem Weltbild"/ "Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Schriften: Textpassagen Steiners sind als Rassen diskriminierend einzustufen" ... und so weiter und so fort.

17.03.2017 06:05 Georg Findeisen 15

@ Dafehltdochwas: Der "interessante Aspekt" von ist eine von Dafehltdochwas selbstproduzierte Fake-News:
Königreichsbürger Fitzek hat alles mögliche gemacht, er war aber weder im Norden noch im Süden Geschäftsführer von Waldorfschulen. Die Main-Post schreibt über einen Typen, der bei der "Krönungsfeier" aufgetaucht ist. Kein Wunder, dass dieser Mensch als Geschäftsführer rausgeflogen ist. Das widerlegt auch die Behauptung, Anthroposophen würden von rechten Umtrieben nichts mitbekommen. Der Rauswurf von Andreas Molau und Bernhard Schaub nach deren Enttarnung unterstreicht das nur.

Die Broschüre des Bundes der Waldorfschulen hat Dafehltdochwas auch gründlich missverstanden. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

Schulen, Lehrkräfte, Eltern und Schüler(innen) in allen Kontinenten und jeder Hautfarbe zeigen, dass die Vorurteile vom angeblichen "Wahn der Führerschaft der weißen Rasse" großer Quatsch sind.

16.03.2017 20:31 Stefan 14

@tim welche unbequemen Fragen soll er denn gestellt haben? Der hat nichts anderes gemacht als naive Leute beraubt. Von seinen rechtsbraunesoterischen geblubbert Mal abgesehen und seinem Operetten-titel bzw Königreich, der Typ ist psychisch gestört. Interviews hat er in Sekundenschnelle abgebrochen wenn ihn jemand Mal "unbequem"befragt hat, wie z.b. der Gesetzeslage betreffs seines Königreiches oder zu den verschollenen Finanzen. Wer aufsolche Scharlatane reinfällt, der kann nicht einmal einen Tintenfisch von einem Flugzeug unterscheiden

16.03.2017 20:22 Stefan 13

@11 Fitzek s Idee Menschen um ihr Geld zu bringen ist sicher nicht lieb. Der Mann ist ein geistig verwirrter Hochstapler, der Leute nach Strich und Faden verarscht hat und sich selbst bereichert. Das er auch schon Frauen auf dem Amt körperlich angegangen hat ist auch bekannt. Wie kann man so einen Scharlatan noch verteidigen. Da wird auch nichts verdreht oder falsch dargestellt. Aus Spaß an der Freude bekommt man nicht 4jahre. Auch wenn die Medien es verdrehen wöllten wie sie wollten

15.03.2017 22:44 Weinböhlaer43 12

@ 11, Neues Leben: Sie reden hier von "fairem" Zusammenleben? Haha.

Herr Fitzek hat schwere Untreue begangen mit dem Geld, das ihm hunderte naive Leute anvertraut haben. Ist das fair?

Fair vielleicht für den Täter selber. In voller Selbstgerechtigkeit erstmal über eine Million Euro aus der Kasse genommen. Woanders würde man sagen: Haltet den Dieb!

15.03.2017 22:15 NeuesLeben 11

die Berichterstattung in den Nachrichten ist zum Teil verdreht vom erlichen, und es sind viel kleine Tatsachen weggelassen wurden. Der Peter Fitzek hat eine sehr gute Idee in die Tat umgesetzt um wieder ein FAIRES zusammenleben unter Meschen zu ermöglichen. HUT AB über diese sehr lieben Menschen im KRD. Macht weiter so, das ist die Zukunft

15.03.2017 21:34 Trakehner2 10

@ 9, Tim: Das ist ja niedlich, wie Sie den Fall hier verharmlosen.

Der Mann hat den Staat und hunderte Anleger um Geld betrogen. Es geht um Millionen. Und hat er noch weitere Straftaten begangen. Dafür stand er nun vor Gericht und hat eine mehrjährige Gefängnis-Strafe bekommen. Zu Recht.

15.03.2017 20:33 Tim 9

Ekelhaft wie hier das Pöbeltum Hohn und Spott über einen Menschen auskippt, der nichts anderes getan hat, als unbequeme Fragen zu stellen und freiheitliche Gedanken zu hegen.

15.03.2017 17:13 Beobachter 8

Für mich gehört dieser sogenannte "König von Deutschland" nicht ins Gefängnis, sondern lebenslang in die geschlossene Psychatrie. Wer so einen geistigen Firlefanz verbreitet, sich gar als "Diener Gottes" sieht und davon auch noch felsenfest überzeugt ist (seine stundenlangen Vorträge vor Gericht dazu belegen das eindrucksvoll), hat keine andere Behandlung verdient.

15.03.2017 16:33 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 7

Der 'König von Deutschland' doch nur ein Betrüger???

Wer hätte das ahnen können???