Mehrere Personen in schwarzer Kleidung sitzen in einem Gerichtssaal.
Das Landgericht Dessau hat die vier Akgeklagten zu langen Haftstrafen verurteilt. Bildrechte: MDR/André Damm

Gewaltsamer Tod eines Informatikers Hohe Haftstrafen für angeklagte Litauer

Vor rund fünf Jahren wurde ein Informatiker aus München auf einem Rastplatz an der A9 bei Coswig brutal misshandelt. Sechs Tage später tauchte seine Leiche in einem Wald auf. Am Donnerstag wurden die Peiniger vom Landgericht Dessau-Roßlau in einem zweiten Prozess zu hohen Haftstrafen verurteilt.

Mehrere Personen in schwarzer Kleidung sitzen in einem Gerichtssaal.
Das Landgericht Dessau hat die vier Akgeklagten zu langen Haftstrafen verurteilt. Bildrechte: MDR/André Damm

Das Landgericht Dessau hat im zweiten Prozess um den gewaltsamen Tod eines Informatikers an der A9 ein Urteil gefällt. Nach Informationen von MDR SACHSEN-ANHALT wurde gegen alle vier Angeklagten unter anderem wegen versuchten Totschlags Haftstrafen zwischen zweieinhalb und zehn Jahren und drei Monaten verhängt.

Die Strafen fielen damit niedriger aus als im ersten Urteil. Sie blieben auch hinter den Forderungen der Staatsanwaltschaft zurück. Diese hatte Strafen von knapp vier Jahren bis zu zwölfeinhalb Jahren Haft gefordert. Die Angeklagten selbst hatten bestritten, am Tod des Mannes schuldig zu sein.

Leiche Tage später im Wald entdeckt

Angeklagt waren vier Männer aus Litauen im Alter zwischen 26 und 38 Jahren. Nach Überzeugung der Richter hatten sie im Januar 2012 auf einem Autobahnparkplatz an der A9 bei Coswig einen 39-jährigen Informatiker aus München überfallen, verschleppt und zu Tode gequält, um an seine Geldkarten zu kommen. Spaziergänger hatten die Leiche sechs Tage nach dem Überfall auf dem Parkplatz an einem Waldstück entdeckt. Sie war mit Klebeband gefesselt. Das Verbrechen hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt.

Erstes Urteil vom Bundesgerichtshof aufgehoben

Der Prozess hatte im Mai 2016 begonnen, nachdem der Bundesgerichtshof in Karlsruhe ein vorheriges Urteil der Dessauer Richter kassiert hatte. Bereits 2014 hatte das Landgericht die Angeklagten zu Haftstrafen verurteilt, sah dabei aber keine Tötungsabsicht. Dagegen legten sowohl die Verteidiger als auch die Familienangehörigen des Opfers Revision ein.

Schließlich hob der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil gegen vier der insgesamt fünf Männer im Januar 2016 auf. Nach seiner Ansicht hatte das Landgericht unter anderem nicht genug berücksichtigt, dass die Beschuldigten den Tod ihres Opfers in Kauf genommen haben könnten. Der BGH hatte darauf hingewiesen, dass möglicherweise auch eine Verurteilung wegen eines Tötungsdelikts in Betracht käme und damit sowohl an Mord und auch an Totschlag zu denken sei.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wird | 07. Detember 2017 | 11 Uhr

Quelle: MDR/cw

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2017, 14:34 Uhr

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15 Kommentare

07.12.2017 16:43 Knuffl 15

bei der Vielzahl an schweren Straftaten die seit ein paar Jahren bei uns in Deutschland so begangen werden, muss eben noch ein bisschen Luft nach oben sein.

Der junge Kurde der seine Ex am Auto durch die Stadt gezogen hatte bekam 14 Jahre anstatt wie von der Staatsanwaltschaft geordert Lebenslänglich.

da muss noch Luft nach oben sein beim Strafmaß.

07.12.2017 13:56 Simon60 14

Zu Anmerkung @1 MDR SACHSEN-ANHALT:

Ein Beweis, dass Nationalität oder Religion Einfluss auf ein Urteil haben ist im Einzelfall nie beweisbar. Insoweit ist es erst einmal der Glaube des Users: Jochen!

Weitgehend unbestritten ist indes dass es den sogenannten Islamrabatt bei deutschen Gerichten gibt. Auch wenn dies im Einzelfall nie nachweisbar ist, zeigt die Statistik, dass bei gleicher Anklage Muslime mit einer geringeren Strafe davon kommen.

Sie könnten sich ja einmal die Mühe machen und z.B. alle Urteile des letzten Jahres, im Zusammenhang mit Vergewaltigung zu analysieren.

Zurück zu diesem Fall. Es fällt zumindest auf, dass die geringste Strafe in etwa der entspricht die beim Anschlag auf die Wohnung des sächsischen Justizministers Gemkow verhängt wurde.

Und wie viele Menschen wurden dabei gleich verletzt? Etwa gar niemand?

Insoweit ist der Kommentar von Jochen m.E. zumindest nachvollziehbar.

07.12.2017 13:44 Die Hoffnung stirbt zuletzt - dann aber schnell 13

@07.12.2017 12:37 böse-zunge (sollte die lokale Sternstunde des investigativen Journalismus sich schon im Stendaler Wahlfälschungssumpf und den teuren Geburtstagsfeiern von Landräten erschöpft haben? Man könnte sich natürlich dagegen stemmen, wohlgemerkt - könnte...)

Sie vergessen Karrierepläne und Rundfunkräte.
Und allerallerspätestens nach dem Sommer 2015ff kann man das eigentlich garnicht mehr übersehen.
Da wird also nichts kommen.
Ausser Tiersendungen.

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Abgesehen davon, dass Sie – wie Ihr Vorredner auch schon – vom Thema abweichen: Sie tun gut daran, mal einen ausgiebigen Blick auf unsere Webseite, die MDR-Mediathek und all die anderen Angebote zu werfen. Dann werden Sie sehen, dass der MDR als Drei-Länder-Anstalt noch ein Vielfaches mehr zu bieten hat, als die von Ihnen angesprochenen "Tiersendungen". "Exakt – die Story" ist ein Beispiel für Hintergrundrecherchen (https://www.mdr.de/tv/programm/exaktdiestory100.html). Und damit würden wir Sie freundlich bitten, zum Thema des Artikels zurückzukommen.

07.12.2017 13:41 Zweierlei Maas 12

@07.12.2017 12:39 Ichich (7 Hohe Haftstrafen ? Soweit ich weiß, ist der Trottel der einen Brandanschlag auf ein leerstehendes Gebäude in Nauen - geplant als Asylheim - verübt hat, zu 8 Jahren Gefängnis verurteilt worden.)

Das ist so. Und die sich daraus zwingend ergebenden Schlüsse auf den Zustand der deutschen Judikative sind einfach verheerend: Gefälligkeitsurteile, offene Rechtsbeugung (z. B. im HypoRealEstate-Verfahren in München und VW), politische Demonstrationsurteile usf.. Hinzu kommt, man denke an Dessau und die Vorgeschichte des Verfahrens gegen den Mörder und Folterer der chinesischen Studentin, dass inzwischen offensichtlich auch persönliche Einflussnahme auf Gerichtsverfahren nicht mehr ausgeschlossen werden kann. Der Deutsche Richterbund ist ene gute Quelle für die professionelle Kritik an den sich heranmerkelnden Zuständen in der deutschen Justiz.

07.12.2017 13:21 Hannelore 11

Ganz ehrlich, die Nationalität eines Täters ist unerheblich, allerdings finde ich es unmöglich wie lasch hierzulande Straftaten abgeurteilt werden.

07.12.2017 12:56 was ist los in diesem land 10

warum beschäftigen sich die Leute nicht mit dem Problem in unseren Land?.Wir haben doch wohl genug Probleme,ich fasse es nicht.

07.12.2017 12:46 Sachse 9

Applaus! In keinem anderen Staat können sich so viele Kriminelle tummeln wie in der BRD. Bunt sein ums "verrecken".

07.12.2017 12:39 Ichich 8

Hohe Haftstrafen ? Soweit ich weiß, ist der Trottel der einen Brandanschlag auf ein leerstehendes Gebäude in Nauen - geplant als Asylheim - verübt hat, zu 8 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

07.12.2017 12:38 Rechtsprechung nach Dessauer Art 7

(Der BGH hatte darauf hingewiesen, dass möglicherweise auch eine Verurteilung wegen eines Tötungsdelikts in Betracht käme und damit sowohl an Mord und auch an Totschlag zu denken sei.)

Hochinteressant, was man in Dessau aus den Empfehlungen des BGH gemacht hat. Die Dessauer Justiz hat in Schland eine ganz spezielle Auffassung von Recht und Unrecht entwickelt. Offenbar wird dort ein Art Spezialrecht gesprochen, dessen Hintergründe von allerlei interessenlagen beeinflusst zu sein scheinen. Über die man begründet spekulieren könnte.

Dass Individuen, die gefoltert und den Tod des Opfers ohne weiteres in Kauf genommen haben, derart billig davonkommen, ist selbst Juristen kaum zu vermitteln.

07.12.2017 12:37 böse-zunge 6

Weswegen kassierte nochmal ein Oberhof das Dessauer Gerichtsurteil?
Wurde der dort monierte Aspekt diesmal zu Dessau gewürdigt?
Könnte es sein das dort auf "stur" geschaltet wird?
'Je öfter ihr kassiert, desto ...' ???
In diesem Zusammenhang sollte es den mdr betrüben das Hintergrundinfos aus Dessau zu Formaten der ard getragen werden - sollte die lokale Sternstunde des investigativen Journalismus sich schon im Stendaler Wahlfälschungssumpf und den teuren Geburtstagsfeiern von Landräten erschöpft haben?
Man könnte sich natürlich dagegen stemmen, wohlgemerkt - könnte...