Arbeiter in Warnkleidung zersägen an einem Teich in Wittenberg Baumstämme.
Krach von Kettensägen, Lärm vom Schredder – so beschaulich wie sonst war es am Donnerstag am Wittenberger Schwanenteich nicht. Bildrechte: MDR/Jana Müller

Kritik von Umweltschützern und Anwohnern Große Baumfällung am Wittenberger Schwanenteich

Am Schwanenteich in Wittenberg werden seit Donnerstagmorgen Bäume gefällt – insgesamt 46 fallen den Kettensägen zum Opfer. Für die Umgestaltung gibt es Fördergelder, deshalb drängt die Zeit. Spaziergänger und Anwohner sind entsetzt.

Arbeiter in Warnkleidung zersägen an einem Teich in Wittenberg Baumstämme.
Krach von Kettensägen, Lärm vom Schredder – so beschaulich wie sonst war es am Donnerstag am Wittenberger Schwanenteich nicht. Bildrechte: MDR/Jana Müller

"Es ist eine Schande", "Jetzt werden die ganzen Vögel vertrieben und es sind gesunde Bäume", "Wir fanden es bis jetzt schön, das Grün überall" – die Wittenberger und ihre Besucher sind nicht sonderlich erfreut über die Veränderungen am Schwanenteich: Dort hat eine Gartenbaufirma im Auftrag der Stadt am Donnerstag mit ersten Baumfällungen begonnen. Bis Ende Februar sollen etwa 40 Bäume verschwinden und bis zum Ende des Jahres noch einmal einige folgen. Insgesamt geht es um 46 Bäume.

An einem Teichufer liegen gefällte Bäume.
Viele Bürger finden es schade, dass auch ältere Bäume abgeholzt werden. Bildrechte: Jana Müller

Die Bäume müssen weichen, weil das Areal um den Schwanenteich umgestaltet werden soll. Es geht laut Stadt darum, frühere Sichtachsen wiederherzustellen, den Altbaumbestand zu stärken und die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Die Neugestaltung wird fast ausschließlich mit Fördermitteln bezahlt, immerhin 1,5 Millionen Euro, so Baubürgermeister Jochen Kirchner. Deshalb dränge auch die Zeit: Baumfällungen sind wegen des Naturschutzes nur bis Ende Februar erlaubt. Kirchner verwies auf den straffen Zeitplan, der eingehalten werden müsse.

Ich weiß nicht, was sich die Stadt dabei denkt. Also was daran schöner und attraktiver werden soll

Spaziergängerin am Schwanenteich

Der Schwanenteich von oben

Bäume standen schon vor 70 Jahren

Blick auf einen idyllischen Teich.
Der Schwanenteich grenzt direkt an Wittenbergs historische Altstadt. Bildrechte: Jana Müller

Bei einigen Stadträten, Umweltschützern und Anwohnern kommen die Fällungen nicht gut an. Ein Rentner, der am Donnerstag während der Arbeiten auf dem Spazierweg um den Teich unterwegs war, sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Ich bin 1944 in die August-Bebel-Schule gleich am Schwanenteich gekommen. Da standen die Bäume schon! Die Bäume haben uns das ganze Leben lang begleitet."

Und eine junge Frau, die hier fast täglich unterwegs ist, war den Tränen nahe: "Wenn ich das jetzt sehe, das ist ganz schlimm. Hier brüten Enten, hier ist ein Eulen-Pärchen, es sind Amseln, Meisen. Ich weiß nicht, was sich die Stadt dabei denkt. Also was daran schöner und attraktiver werden soll!"

Mehrere Männer in Arbeitskleidung zerschreddern Äste.
Die Arbeiten sollen schon in der nächsten Woche abgeschlossen sein. Im Spätherbst stehen dann noch einmal Fällungen an. Bildrechte: Jana Müller

Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 14. Februar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2019, 16:01 Uhr

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8 Kommentare

16.02.2019 13:04 H.Fritsche 8

Inkompetenz halt, aber fragen wo wohl Insekten und Vögel hin sind. Solcher Irrsinn will mir nicht mehr in den Kopf.

15.02.2019 20:27 Pe57 7

@6 Dr. R.H.
...Danke für die Aufklärung ihrerseits. Ich wusste leider nicht, dass die Beschlüsse des Stadtrates soweit zurückliegen.
Sorry, aber natürlich kennen wir uns, trotzdem bleibe ich in diesem Forum immer anonym. Alles Gute.

15.02.2019 14:54 Dr. Reinhild Hugenroth 6

Ich weiß ja wirklich nicht, wer Pe57 ist, aber er oder sie scheint mich zu kennen. Anonyme Kommentare sind feige, wenn man den anderen mit Namen anspricht. Vielleicht wissen Sie es nicht, aber ich bin nicht im Stadtrat. Wichtige Frage wäre: Wann hat der Stadtrat mit welchen Stimmen beschlossen, dass die nördlichen Wallanlagen ein "Gartenbaudenkmal" seien und die Baumsatzung nicht greift? Bei Denkmalschutz nützt keine einstweilige Verfügung und kein Anketten. Die Stadtväter haben es vor Jahren entschieden und schon beim Schloß so geholzt. Mit grünen Grüßen Dr. Reinhild Hugenroth, Kreisvorsitzende BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN