Besucher auf dem Ausgrabungsgelände der Burg Kemberg
Bei Kemberg legen Archäologen derzeit eine Burganlage aus der späten Bronze- und frühen Eisenzeit frei. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Polnisch-deutsches Forschungsprojekt Archäologen legen 3.000 Jahre alte Burg in Kemberg frei

Archäologen arbeiten in Kemberg bei Wittenberg an einer etwa 3.000 Jahre alten Burg. Holzbalken ermöglichen es, das Alter der Anlage genau einzuordnen. Die Stadt Kemberg überlegt, die Funde dauerhaft auszustellen.

Besucher auf dem Ausgrabungsgelände der Burg Kemberg
Bei Kemberg legen Archäologen derzeit eine Burganlage aus der späten Bronze- und frühen Eisenzeit frei. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Polnische und deutsche Archäologen legen derzeit eine etwa 3.000 Jahre alte Burganlage am Rand von Kemberg im Landkreis Wittenberg frei. Die Anlage stammt laut Experten aus der späten Bronze- und frühen Eisenzeit. Aufgrund gut konservierter Balken des einstigen Holz- und Erdwalls um die Burg kann die Entstehungszeit der Anlage sehr genau bestimmt werden. Und auch ihr Ende: Die verkohlten Balken belegen laut Archäologe und Projektleiter Louis Nebelsick eine kriegerische Auseinandersetzung.

Ein Teil der erhaltenen Balken der Burg wurde bereits vor fünf Jahren entdeckt. Wegen der langanhaltenden Trockenheit konnten nun auch Proben der tieferliegenden Balken genommen werden. Bei den Grabungen sind auch Keramik und Tierknochen gefunden worden.

Archäologische Funde der Burganlage Kemberg

Eine Frau bei Ausgrabungen an der Burganlage bei Kemberg
Archäologen legen in Kemberg im Landkreis Wittenberg eine Burg aus der Eisenzeit frei. Die Ausgrabung ist eine polnisch-deutsches Kooperation. Archäologen und Studierende der Universität Warschau sowie Grabungstechniker vom Landesamt für Archäologie Halle arbeiten zusammen. Bildrechte: MDR/Martin Krause
Eine Frau bei Ausgrabungen an der Burganlage bei Kemberg
Archäologen legen in Kemberg im Landkreis Wittenberg eine Burg aus der Eisenzeit frei. Die Ausgrabung ist eine polnisch-deutsches Kooperation. Archäologen und Studierende der Universität Warschau sowie Grabungstechniker vom Landesamt für Archäologie Halle arbeiten zusammen. Bildrechte: MDR/Martin Krause
Überreste eines Holzwalls der Burganlage bei Kemberg
Die Grabungen haben 30 Balken eines Holzwalls zutage gefördert, der einst die Burg umgeben hat. Der Sumpf um Kemberg hat die Balken gut konserviert. Dadurch kann das Alter der Burg sehr genau bestimmt werden. Die äußere Palisade entstand demnach vor fast 3.000 Jahren. Damit handelt sich in Kemberg um die älteste genau datierbare derartige Anlage Mitteleuropas. Bildrechte: MDR/Martin Krause
Ausgrabungsstücke aus der Burganlage bei Kemberg
Bei den Grabungen fanden die Archäologen auch Keramik, teils aus der späten Bronzezeit, sowie eine gelbe Öllampe aus der Neuzeit (Bildmitte). Bildrechte: MDR/Martin Krause
Archäologe und Projektleiter Louis D. Nebelsick im orangen Shirt mit Besuchern im Ausgrabungsgelände Kemberg
Archäologe und Projektleiter Louis Nebelsick (oranges Shirt) erklärt Besuchern, dass die Burg infolge kriegerischer Auseinandersetzungen mit einem Reitervolk aus der heutigen Ukraine fiel. Die Burg sei abgebrannt, wie die verkohlten Holzbalken belegten. Bildrechte: MDR/Martin Krause
Archäologe und Projektleiter Louis D. Nebelsick im orangen Shirt zeigt Besuchern Ausgrabungsfunde von Kemberg
Die Burg von Kemberg war bereits vor fünf Jahren entdeckt worden. Aber erst jetzt konnte sie freigelegt werden. Bildrechte: MDR/Martin Krause
Besucher auf dem Ausgrabungsgelände der Burg Kemberg
Auf dem Burggelände sollen mehrere hundert Menschen gelebt haben. Dort, wo die Burg genau gestanden haben soll, können die Archäologen nicht graben: Dort befindet sich der Friedhof von Kemberg.

Dieses Thema im Progamm:
MDR SACHSEN-ANHALT Das Radio wie wir | 18.07.2019 | 14:30 Uhr

Quelle: MDR/mh,dpa
Bildrechte: MDR/Martin Krause
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Möglicherweise dauerhafte Ausstellung der Funde

Dem Projektleiter Nebelsick zufolge ist die Burg von Kemberg aus archäologischer Sicht etwas Besonderes. "Nirgendwo in Mitteldeutschland gibt es eine exakt, das heißt mit Baumringen datierte, burgseitige Festung." Zudem sei die Anlage sehr gut erhalten und man habe den Wall in verkohltem Zustand vorgefunden. Das seien Situationen, die ganz selten in Europa seien – und einmalig in Mitteldeutschland.

Die Stadt Kemberg will die Funde möglicherweise dauerhaft ausstellen. Die stellvertretende Bürgermeisterin Ilona Merseburger sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Das ist ein Herausstellungsmerkmal für unsere Stadt." Man müsse weitersehen, wie sich das Ganze entwickele und wie genau man es der Öffentlichkeit zugänglich machen könne.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18. Juli 2019 | 14:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2019, 17:06 Uhr

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