Dürre in Sachsen-Anhalt Die große Angst vor neuen Waldbränden

Seit Wochen hat es kaum geregnet. Die Böden sind trocken und die Waldbrandgefahr, die normalerweise im Spätsommer akut wird, ist schon jetzt enorm. Philipp Nahrstedt, der das Forstamt im Landkreis Wittenberg leitet, bittet deshalb die Bevölkerung um Hilfe.

In Sachsen-Anhalt steigt die Waldbrandgefahr, in mehreren Landkreisen gilt die höchste Warnstufe. Seit Wochen fehlt in Sachsen-Anhalt der Regen. Viele Waldböden sind deshalb trocken, außerdem liegen trockenes Laub und kleine Äste aus dem vergangenen Jahr in den Wäldern. Philipp Nahrstedt leitet das Forstamt im Landkreis Wittenberg und befürchtet, dass es in diesem Jahr wieder sehr viele Waldbrände geben könnte. Deshalb bittet er im Interview auch die Bevölkerung um Mithilfe. Die Fragen stellte Oliver Leiste.

Wie ist die aktuelle Situation in den Wäldern im Landkreis Wittenberg?

Philipp Nahrstedt: Die aktuelle Situation ist äußerst kritisch. Schon seit drei Wochen haben wir eine ungewöhnliche Trockenheit, der Boden ist gänzlich ausgetrocknet. Seit letzter Woche haben wir Waldbrandwarnstufe 5. Die Angst, die wir vor neuen Waldbränden hatten, ist nun wieder akut geworden. Allein in diesem Jahr hatten wir schon sieben Brände.

Das sind mehr als vergangenes Jahr?

2018 hatten wir insgesamt 65 Waldbrände. Das ist der bisherige Höchstwert. Da war es zum jetzigen Zeitpunkt einer. Vor einem Jahr war die Trockenheitskonstellation ähnlich. Da waren es bis Ende April vier Waldbrände. Jetzt stehen wir bei sieben. Da ist also eine deutliche Steigerung erkennbar. Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir vor 2018 durchschnittlich etwa 15 Waldbrände pro Jahr im Landkreis Wittenberg hatten. Normalerweise ist der Höhepunkt der Waldbrandsaison im Spätsommer. Deswegen sind die derzeitigen Brände ein deutliches Zeichen für die vorherrschende Trockenheit.

Im Winter, aber vor allem im Februar hat es gefühlt sehr viel geregnet. Warum sind die Böden jetzt trotzdem schon wieder so trocken?

Wir hatten 2018 und 2019 starke Dürre-Erscheinungen. Der Boden ist bis zu einer Tiefe von zwei Metern komplett ausgedörrt. Und das Wasser, was gekommen ist, war dann doch gar nicht so viel. Am Ende war es nicht genug, damit der Boden-Wasser-Speicher wieder aufgefüllt wurde. Im Dezember hatten wir den Bereich der Dürre gerade so verlassen. Aber dann sind wir immer noch im Bereich der Trockenheit.

Das Erbe der vergangenen beiden Jahre wirkt immer noch nach. 2018 hat ein halber Jahresniederschlag gefehlt. Auch 2019 hat es 15 Prozent weniger geregnet als in durchschnittlichen Jahren. Deswegen hat auch der Februar nicht gereicht, um das wieder aufzufüllen. Beziehungsweise ist das Wasser gar nicht bei den Pflanzen angekommen. Die Laubbäume hatten noch keine Blätter, die das Wasser aufnehmen können. Und in die tieferen Bodenschichten, wo andere Pflanzen ihre Wurzeln haben, kam das Wasser gar nicht hin. Durch die lange Dürre seit dem ist auch der Oberboden wieder ausgetrocknet.

Was Dürre und Trockenheit bedeuten Die Dürre beschreibt einen langanhaltenden Zustand, in dem weniger Wasser verfügbar ist als erforderlich wäre. Trockenheit beschreibt einen kurzfristigen Zeitraum, der nicht so lange anhält.

Zwischen März und Ende September werden die Waldbrandwarnstufen erfasst. Was ist seit Herbst 2019 passiert, um die nun kommende Waldbrandsaison vorzubereiten?

Unsere erste Aufgabe ist es die Waldbrand-Windschneisen wieder zu aktivieren. Das ist auch passiert. Das sind drei Meter breite, vegetationsfreie Streifen entlang von Straßen und Bahnstrecken, die verhindern sollen, dass sich ein Feuer ausbreitet. Zudem haben wir die Löschwasserentnahmestellen kontrolliert, ob sie noch Wasser liefern und sie teilweise erneuert. Aufgrund des deutlich abgesunkenen Grundwassers sind aber viele Hydranten und Brunnen mittlerweile trocken. Da muss das Land handeln. Und demnächst bekommen wir große Löschwasserbehälter, die wir dort einsetzen können, wo wir keinen direkten Wasserzugang haben.

Durch Corona sind die Freizeitmöglichkeiten der Menschen extrem eingeschränkt. Im Wald spazieren gehen ist jedoch erlaubt. Sind derzeit deshalb mehr Menschen in den Wäldern unterwegs als sonst?

Meines Erachtens sind es mehr, die den Wald aufsuchen. Spaziergänger, aber auch Radfahrer. Die meisten halten sich an die gesetzlichen Regelungen, etwa das Rauchverbot. Mit der Waldbrandwarnstufe 5 darf der Wald zwar betreten werden, doch die Wege darf man nicht mehr verlassen. Das beobachten wir schon noch, dass einige die Wege verlassen. Da bitten wir um Hinweise, wenn das jemandem auffällt.

Müssen sich die Leute jetzt darauf einstellen, dass Wälder gesperrt werden?

Aktuell ist das nicht geplant. Auch 2018 haben wir das nicht gemacht. Wenn sich die Situation aber weiter verschärft, müssen wir darüber nachdenken.

Wie können die Menschen helfen, den Wald in dieser Dürreperiode zu schützen?

Wichtig ist, dass jeder, der in den Wald geht, auch sein Telefon mitnimmt. Denn wenn man einen Brand entdeckt, kann man schnell die Leistelle informieren. Da zählt jede Minute. Ansonsten sollten sich die Menschen an die Regeln halten – sprich, die Wege nicht verlassen und nicht im Wald rauchen.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 22. April 2020 | 17:00 Uhr

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