Veranstaltungsort und Industriedenkmal Festivalgelände Ferropolis von Insolvenz bedroht

Das Veranstaltungsgelände Ferropolis bei Gräfenhainichen ist akut von Insolvenz bedroht. Laut Geschäftsführer sind rund 400.000 Euro Einnahmen weggebrochen, weil wegen der Corona-Pandemie zahlreiche große Veranstaltungen ausfallen müssen. Die Betreiber hoffen auf die nächste Saison und Camping als alternatives Geschäftsmodell.

Besucher des Melt! Festival im Ferropolis , Gräfenhainichen.
Die großen Festivals, wie das "Melt!" finden 2020 wegen Corona nicht statt. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO

Dem Veranstaltungsgelände Ferropolis bei Gräfenhainichen droht die Insolvenz. Das hat der Geschäftsführer Thies Schröder hat am Mittwoch bekannt gegeben. Die Lage sei akut und wäre nicht das Insovlenzrecht gelockert worden, hätte er eine Anmeldung bereits prüfen lassen müssen.

Ferropolis würden wegen der Corona-Pandemie rund 400.000 Euro Umsatz fehlen. Insbesondere seien die laufenden Kosten ein Problem, darunter der Erhalt der Industriedenkmäler. Zudem seien kurz vor der Pandemie noch rund 350.000 Euro in die "Stadt aus Eisen" investiert worden.

Hoffnung auf nächste Saison und Campinggeschäft als Alternative

Schröder sagte, er hoffe auf die nächste Saison. Im kommenden Jahr könnten die Musikfestivals "Melt!" und "Splash" wie gewohnt auf dem Gelände stattfinden. Für 2020 waren beide Festivals abgesagt worden – die Veranstalter haben sie auf 2021 verschoben.

Als weitere Maßnahme hatte Ferropolis in der vergangenen Woche angekündigt, dass das Gelände vorübergehend zum "Pop-up-Campingplatz" umfunktioniert würde. Einhundert Camper sollen zwischen den Baggern Platz finden. Rund 60 Campinggäste seien bereits auf dem Ferropolisgelände angekommen, bevor die Möglichkeit öffentlich beworben worden war.

So gut wie keine finanzielle Unterstützung für die Baggerstadt

Aber Camping und Autokino würden auch nicht das Geld in die Kassen spülen, so Thies Schröder. Und: Abgesehen von der Kurzarbeiterregelung habe man null Cent staatliche Hilfe erhalten. Weder Bund noch Land würden Zuschüsse geben, weil Ferropolis mehrheitlich der Stadt Gräfenhainichen gehört.

Und auch dort sei die Kassenlage angespannt. Bürgermeister Enrico Schilling sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Ferropolis sei ein Leuchtturm, den könne man nicht fallenlassen – aber ob die finanzklamme Stadt für die Verluste aufkommen könne und wolle, würden Stadtrat und die Kommunalaufsicht entscheiden.

Quelle: MDR/jh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 01. Juli 2020 | 09:00 Uhr

6 Kommentare

Grooveman vor 5 Wochen

Maria, das ist alles richtig, bin ich ganz bei Ihnen: Trotzdem, geht die Kultur baden, verliert ein Land seine Identität. Wir leben nun einmal nicht nur für´s Arbeiten und Konsumieren. Wir sind Menschen!

Peter vor 5 Wochen

Damit die Tränendrüsen nicht gar zu sehr fließen, sei angemerkt, dass die Blausee GmbH einer der Anteilseigner der Ferropolis Betreibergesellschaft ist. Und hinter der Blausee GmbH steckt die Merckle Unternehmensgruppe. Die Falilie Merckle (u.a. Pharmahandel, Maschinenbau, Zement, Baustoffe) ist eine der reichsten im Land.
Ich kann mir also kaum vorstellen, dass Merckle ein Investment, welches profitabel war, so einfach fallen lässt. Unternehmerisch wäre das eher unklug.

Guter Schwabe vor 5 Wochen

Solche Bilder wie das obere wird es auf lange Sicht nicht mehr geben. Einfach nur Schade, ist (oder besser war) eine tolle Atmosphäre dort.
Denke, politisch wird alles versucht werden, Großveranstaltungen bis zum Nimmerleinstag, zu verbieten.

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