Kultur Wittenberg hat mehr zu bieten als nur Luther

Das Wittenberger Gefängnis war ein heimlicher Star des Reformations-Jubiläums 2017 in der Lutherstadt. Eine neue Kultstätte war entstanden. Dennoch steht sie seit zwei Jahren wieder leer.

Ein altes Gefängnis von Außen
Das alte Gefängnis in Wittenberg unweit war Schauplatz der Ausstellung "Luther und die Avantgarde". Bildrechte: MDR/André Damm

Das Wittenberger Gefängnis entpuppte sich während des Reformations-Jubiläums 2017 zu einer neuen Kultstätte. Fünf Monate lang war in dem grauen Gebäude unweit der Schlosskirche eine Ausstellung über moderne Kunst zu sehen.

"Luther und die Avantgarde" hieß die Schau. 67 Künstler aus dem In- und Ausland verwandelten karge Hafträume in Ateliers, schufen dort beeindruckende Kunstwerke. Unter ihnen der Krawall-Aktions-Künstler Jonathan Meese, der in einer ehemaligen Gefängniszelle mit roter Farbe wütete.

Erfolgsgeschichte soll fortgesetzt werden

Das Eingangstor einer alten Gefägniszelle ist mit roter Schrift beschrieben.
Künstler Jonathan Meese hatte die Wände einer Gefängniszelle mit roter Farbe versehen. Bildrechte: MDR/André Damm

Diese expressionistische Kunst zog das Publikum magisch an. Besucher kamen aus Hamburg, Berlin, München. Im Wittenberger Gefängnis-Innenhof tafelte ein Kölner Caterer auf, während am Abend regionale Bands spielten. Eine neue Kultstätte war entstanden.

Diese Erfolgsgeschichte wollte Oberbürgermeister Torsten Zugehör unbedingt fortsetzen. Zugehör sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Wir arbeiten momentan intensiv mit verschiedenen Partnern daran, dass wir vielleicht einen Kultursommer präsentieren, weil wir uns sehr wünschen, dass wir 'Luther und die Avantgarde' fortführen." Doch eine Wittenberg-Biennale kam bisher nicht zustande, auch nicht eine abgespeckte Variante mit osteuropäischer Kunst. Der Grund: Der finanzklammen Kommune fehlt das Geld, etwa eine Million Euro.

Das Geld fehlt

Land und Bund zeigen sich nach den Luther-Feierlichkeiten nicht mehr spendabel. Dennoch müsse Wittenberg dran bleiben und Druck machen, fordert zumindest der ehemalige Oberbürgermeister Eckhard Naumann, der in den neuen Stadtrat gewählt wurde.

Was man kann und mit welchen Objekten und Projekten man wirklich in die erste Liga aufsteigen kann, hat das Gefängnis gezeigt. Und die Stadt – das kann man schon so sagen – muss sich ein bisschen befreien aus der Historie.

Eckhard Naumann, ehemaliger Oberbürgermeister von Wittenberg

Auch Buchautor Mathias Tietke findet, Wittenberg müsse zeigen, dass es mehr als Luther zu bieten hat. Denn die Stadt stecke voller Schätze. Tietke sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Das alte Gefängnis gehört definitiv dazu, also so ein denkmalgeschütztes Gebäude." Dafür sei es aber erforderlich, dass sich jemand Gedanken über eine Konzeption mache. "Und das geht halt nicht zum Nulltarif. Das Problem, das ich sehe, dass man offenbar zu oft davon ausgeht, die Geschenke werden in die Stadt reingetragen." Wittenberg aber könne nicht nur auf Geschenke warten, so Tietke, sondern müsse selbst Visionen entwickeln.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04. Juni 2019 | 11:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juni 2019, 11:55 Uhr

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