Streit erreicht Umweltministerium Dübener Heide: Köhlerei vs. Biber

In der Köhlerei Eisenhammer in der Dübener Heide halten die Inhaber eine jahrtausendealte Tradition am Leben: das Köhlerhandwerk – die Herstellung von Holzkohle. Doch die Inhaber sehen ihre Existenz durch Biber auf dem Gelände bedroht. Darum ist ein Streit entbrannt – der jetzt auch die Landesregierung beschäftigt.

Köhlerin Norma Austinat sieht ihre Existenz bedroht: Grundwasser zieht in die Wände der Öfen ihrer Köhlerei am Eisenhammer in der Dübener Heide. Zwei der vier Öfen seien derzeit nicht benutzbar. "Ich schätze, dass wir im Moment bei Restaurierungskosten zwischen 100.000 bis 200.000 Euro pro Ofen liegen", sagte Austinat MDR SACHSEN-ANHALT.  

Die Ursache für die Schäden liegt laut Austinat hinter der Köhlerei. Wo früher der beschauliche Hammerbach floss, zieht sich eine kleine Seenlandschaft durch den Wald: Biberdämme stauen das Wasser.

Ausnahmegenehmigung für Biberdamm-Beseitigungen

Schon vor einiger Zeit hatte Austinat Alarm geschlagen. Nun haben die Umweltbehörden darauf reagiert. Der Staatssekretär des Umweltministeriums, Klaus Rehda, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass nach dem Naturschutzgesetz die Möglichkeit bestehe, Ausnahmegenehmigungen für die Beseitigung von Nahrungsdämmen zu erteilen, obwohl der Biber eine streng geschützte Art sei. "Das haben wir in der Vergangenheit auch getan. Wir haben diverse Genehmigungen erteilt." Bestimmte Dämme seien abgeräumt worden oder so gestaltet worden, dass mehr Wasser abfließe, um den Wasserstand vor Ort zu regulieren.

Doch das Wasser staue sich weiterhin, kritisiert Austinat. Sie habe nichts gegen den Biber – aber es gehe um ihre Existenz. Austinat hat sich bei der Landesregierung über Umweltministerin Claudia Dalbert beschwert. Die Umweltministerin ist Austinat zufolge der Meinung, dass die Aufstauungen der Biber und die Vernässung der Köhlerei nicht zusammenhingen. Dalbert sehe Niederschlag als Ursache. "Das ist aber nicht der Fall", betont Austinat.

Umweltministerium will Alternativen zum Erhalt der Köhlerei prüfen

Im Umweltministerium verweist man auf die schwierige Situation. Nicht nur der Biber sorge für Aufstauungen. Das Wasser versickere schlecht – und durch die Flutung der Tagebaugebiete sei der Grundwasserspiegel generell gestiegen. Das Ministerium setzt auf einen Kompromiss.

Lange bevor Austinat die Köhlerei übernommen habe, habe es schon Biber an dem Gewässer gegeben, sagte Rehda. "Bisher hat die Köhlerei immer damit leben können." Nun müsse man Veränderungen vor Ort prüfen, auch an den Öfen, um es zu ermöglichen, dauerhaft die Köhlerei zu erhalten. In den nächsten Wochen soll die Beschwerde beantwortet werden. Austinat hofft, dass ihre Köhlerei gerettet wird.

Arbeitskreis Hallesche Auenwälder hat Anzeige erstattet

Der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (AHA) sieht es nicht als erwiesen an, dass Biber für die Schäden an der Köhlerei verantwortlich sind. Die Behauptungen von Köhlerin Austinat seien nicht wissenschaftlich fundiert; die Eingriffe in die Biberlebensräume seien somit rechtswidrig, teilte die AHA mit. Der AHA hatte daher Anzeige bei der EU-Kommission und der Staatsanwaltschaft Dessau erstattet.

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Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 30. Mai 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Mai 2018, 12:09 Uhr

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5 Kommentare

01.06.2018 15:30 karstde 5

Typisch, das einzige was Umweltministerin Claudia Dalbert kann, ist prüfen, zu mehr reicht es nicht.

01.06.2018 13:48 Gert 4

Es heißt doch: Der Klügere gibt nach. In diesen Fall sollte die Köhlerei nach einem anderen Standort suchen und nicht den Kopf in den Sand stecken. Der Landkreis sollte hier unterstützend mit eingreifen.

01.06.2018 09:24 beyer 3

Es ist richtig nach den Ursachen zu suchen und dann zu handeln.