Fachkräftemangel Kurbad Bad Schmiedeberg: Arbeitskräfte aus Fernost in der Heide

Von Ho-Chi-Minh-Stadt nach Bad Schmiedeberg sind es Luftlinie genau 9.325 Kilometer. Doch diese Entfernung kann das Eisenmoorbad bei der Suche nach Personal nicht abschrecken. In der Kleinstadt in der Dübener Heide wurde jetzt ein neuer Kooperationsvertrag präsentiert.

MDR-Reporter André Damm
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von André Damm, MDR SACHSEN-ANHALT

Kurdirektor Deddo Lehmann steht neben Schild der Kurklinik Bad Schmiedeberg.
Junge Vietnamesen zu Fachkräften ausbilden – diesen Weg will Bad Schmiedebergs Kurdirektor Deddo Lehmann gehen. Bildrechte: MDR/André Damm

Die Leipziger haben es vorgemacht: Das Sankt-Georg-Krankenhaus in der Sachsen-Metropole pflegt schon seit Jahren enge Kontakte zu medizinischen Einrichtungen in Vietnam. Die Asiaten kommen nach Leipzig, um sich über Akutmedizin und Orthopädie zu informieren. Im Gegenzug bildet das Krankenhaus junge Vietnamesen zu Fachkräften aus.

Fachkräftemangel lässt keine Wahl

Sporttherapeut Christian Koch steht neben Plakat von einer Wirbelsäule.
Insgesamt 470 Mitarbeiter beschäftigt das Kurbad in der Dübener Heide. Sporthrapeut Christian Koch ist einer von ihnen. Bildrechte: MDR/André Damm

Diesen Weg – nur auf der Schiene Rehabilitation – will auch Bad Schmiedebergs Kurdirektor Deddo Lehmann beschreiten. "Der enorme Schwund an Fachkräften lässt uns keine andere Wahl. Wir müssen uns im Ausland umschauen, um weiterhin alle Leistungen personell abdecken zu können. Das sind wir unseren Kurgästen schuldig."

So arbeiten beim Eisenmoorbad bereits mehrere ausländische Ärzte. Sie kommen aus Aserbaidschan, der Slowakei und Rumänien. Für die Altenpflege, Küche und Restaurant werden gerade acht Spanier ausgebildet. Insgesamt sind im Kurbad 470 Mitarbeiter beschäftigt.

Es wird jedes Jahr immer schwieriger, in unserer dünn besiedelten Region geeignete Leute zu finden. Der hiesige Arbeitsmarkt ist komplett abgesaugt.

Kurdirektor Deddo Lehmann

Deshalb setzt er große Erwartungen auf eine neue Kooperation mit Vietnam. In Ho-Chi-Minh-Stadt wird derzeit ein großes Militärkrankenhaus gebaut – geplant ist, dass dort 650 Pflegekräfte arbeiten.

Option zum Bleiben

Dr. Jörg Brand, Chefarzt des Eisenmoorbades in der Kurklinik Bad Schmiedeberg steht neben einem Fenster.
Der Chefarzt des Eisenmoorbades, Dr. Jörg Brand, weiß, dass von der Kooperation beide Seiten profitieren. Bildrechte: MDR/André Damm

Das Bedürfnis der Vietnamesen ist groß, mehr über deutsches Know-How bei modernen Reha-Methoden zu erfahren. "Diese Hilfe, diese Unterstützung bieten wir gerne an", sagt der Chefarzt des Eisenmoorbades, Dr. Jörg Brand. "Wir können unsere Erfahrungen im Reha-Sektor gern weitergeben. In Vietnam sehnt man sich danach. Außerdem haben beide Seiten davon etwas." Denn die Vietnamesen haben sich bereit erklärt, junge Leute aus Ho-Chi-Minh-Stadt nach Bad Schmiedeberg zu schicken. Bei der Kur sollen sie ausgebildet werden, mit der Option, dass einige für immer hierbleiben. 

Geplant ist, dass die erste Arbeitskräfte aus Fernost im Herbst 2019 mit ihrer Lehre im Landkreis Wittenberg beginnen.

MDR-Reporter André Damm
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Über den Autor André Damm, geboren und aufgewachsen in der Lutherstadt Wittenberg, arbeitet seit 1998 für MDR Sachsen-Anhalt. Mit Vorliebe widmet er sich Themen aus Politik, Wirtschaft und Kirche.
Im Einsatz ist er vor allem in der Region Anhalt und Wittenberg, hauptsächlich für den Hörfunk, aber auch für Online und Fernsehen.

André Damm hat 1990 bei der Mitteldeutschen Zeitung volontiert, danach an der Universität Leipzig Journalistik und Politikwissenschaften studiert. Seine ersten Radioerfahrungen machte er ab 1994 als Berichterstatter für MDR Radio-Sachsen in Leipzig und Görlitz; regelmäßig arbeitet er noch für MDR-Aktuell als Autor, Redakteur und Moderator. Der begeisterte Schach-und Tischtennisspieler lebt in Bad Schmiedeberg, tummelt sich viel in der Dübener Heide und natürlich in Wittenberg. Gern reist er auch nach Tangermünde, Wernigerode und nach Wörlitz - ein Höhepunkt ist immer wieder ein Besuch des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20. November 2018 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. November 2018, 19:25 Uhr

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8 Kommentare

22.11.2018 14:26 Thore 8

Und wieder wird das Rad neu erfunden.....dieser Art Hilfe, von der beide Seiten profitieren, praktizierte die DDR jahrelang, nannte sich Vertragsarbeit !
Mit Wehmut denke ich an die arbeitsamen, höflichen Vietnamesen zurück, die damals in meiner Nachbarschaft im Wohnheim lebten !
Fast schon grotesk, das in der gleichen Einrichtung heute Asylanten hausen, die das ganze Gegenteil der Vietnamesen verkörpern !
Lieber 1000 Vietnamesen als einen Muslim !

21.11.2018 20:37 Europäer 7

@ Sachse43: In Anlehnung Ihres Kommentars: Will denn kein deutscher Arbeitsloser hier arbeiten? Oder ist dies unter der Würde der "Herrenmenschen"? Wer Herr ist, kann sich ja "Sklaven" halten.

21.11.2018 18:10 Ich bins 6

@Zumsel ... wo ist da die Ironie?