Landgericht Magdeburg Tödliche Schlägerei in Wittenberg: Prozess gegen jungen Syrer begonnen

Ein junger Syrer schlägt einem Mann aus Wittenberg mit der Faust ins Gesicht. Das Opfer stürzt und stirbt wenig später im Krankenhaus an seinen Kopfverletzungen. Kurz darauf gibt es Demonstrationen in Wittenberg. Grund: Die Staatsanwaltschaft will das Verfahren einstellen; argumentiert, der Syrer habe aus Notwehr gehandelt. Ermittler räumen später Fehler ein. Jetzt hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen.

Magdeburg: Blick auf die Lichtspuren einer Straßenbahn. Sie fährt am Landgericht vorbei. (Langzeitbelichtung)
Vor dem Landgericht in Magdeburg hat am Freitag der Prozess gegen einen jungen Syrer begonnen. Er ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Er soll einen 30-Jährigen Wittenberger nach einem Streit mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Weil sein Opfer auf den Hinterkopf stürzte und noch am selben Tag verstarb, muss sich ein junger Mann aus Syrien seit Freitag vor dem Landgericht Magdeburg verantworten. Wie das Gericht vorab mitteilte, hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Körperverletzung mit Todesfolge erhoben. Der Prozess läuft unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Nach Faustschlag gestürzt und an Kopfverletzungen gestorben

Zu dem Vorfall war es Ende September 2017 vor dem Einkaufszentrum "Arsenal" in Wittenberg gekommen. Nach der Tat hatte die Jugendstrafkammer laut Gericht unter anderem geprüft, wie alt der mutmaßliche Täter zum Zeitpunkt der Tat gewesen ist. Es ist demnach nicht auszuschließen, dass der Mann – wie damals behauptet – tatsächlich 17 Jahre alt war, als er dem Wittenberger ins Gesicht schlug. Das Alter des Angeklagten ist auch Grund dafür, dass die Öffentlichkeit von dem Prozess ausgeschlossen ist.

Der Fall hatte für öffentliches Aufsehen gesorgt, weil die Staatsanwaltschaft Dessau sich kurz nach der Tat darauf festgelegt hatte, dass der Syrer aus Notwehr gehandelt hatte. Das Verfahren hatte eingestellt werden sollen. Es folgten Demonstrationen, die Staatsanwaltschaft räumte wenig später Fehler ein. Ob der Syrer tatsächlich aus Notwehr gehandelt hat, soll nun im Prozess geklärt werden. Klar ist: Der erste Schlag im Handgemenge im September 2017 war vom späteren Opfer gesetzt worden. Der 30-Jährige soll dem jetzt Angeklagten unvermittelt einen Schlag mit der offenen Hand verpasst haben. Das hatten Bilder einer Überwachungskamera gezeigt. Zuvor hatte eine Gruppe von Syrern mit dem mutmaßlichen Täter das Opfer allerdings beleidigt und beschimpft. Der Syrer schlug mehrfach zurück, das Opfer stürzte und starb an seinen schweren Kopfverletzungen.

Neun Verhandlungstage bis Mitte Mai

Der Fall wird am Landgericht Magdeburg verhandelt, weil der Angeklagte nach Magdeburg gezogen ist. Dort soll seine Tat an voraussichtlich neun Verhandlungstagen verhandelt werden. Das Urteil soll Mitte Mai gesprochen werden.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28. Februar 2020 | 06:10 Uhr

26 Kommentare

ralf meier vor 23 Wochen

Da das Urteil von Döblin (Bewährungsstrafen) nicht kommentiert werden durfte, hier ein paar Anmerkungen zu Ihrem Beitrag. Die drei Täter gestanden vor Gericht. sie hätten den Anschlag aus Hass gegen die AFD verübt. So ein Geständnis könnte strafmildernd gewirkt haben ?
Trotzdem wirkte es irritierend, wenn man bedenkt, das gegenüber dem 'Moscheebomber' von Dresden eine fast 10 jährige Haftstrafe verhängt wurde.
Wenn man dann noch bedenkt, das im aktuellen Fall das Gericht es immer noch nicht für notwendig hält, das tatsächliche Alter des Täters zu ermittteln und liest, wie der Tathergang auch vom MDR geschildert wird, 'Klar ist: Der erste Schlag im Handgemenge im September 2017 war vom späteren Opfer gesetzt worden. ' , kann ich Ihre Einschätzung gut nachvollziehen.

ralf meier vor 23 Wochen

@Querdenker: Bedauerlich ist nur, das man es auch zwei Jahre nach der Tat nicht für notwendig gehalten hat, das vom Täter behauptete Alter zu überprüfen.

Erichs Rache vor 23 Wochen

Das rechtfertigt aber keine Vorverurteilung. Ein Gericht wird jetzt darüber befinden. Schade nur, das man in der Staatsanwaltschaft wenig Wert auf rechtsstaatliches Handeln legt.

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